BNP Paribas Open – Day 10

Kohlschreiber: „Ich ahnte, dass Indian Wells ein gutes Turnier wird“

Das Jahr 2018 begann für Philipp Kohlschreiber katastrophal. Einer Erstrundenniederlage in Sydney gegen Daniil Medvedev folgte bei den Australian Open eine schmerzhafte Niederlage gegen Yoshihito Nishioka, nur die Nummer 168 der Welt. Nach dem Sieg im Achtelfinale von Indian Wells gegen Pierre-Hugues Herbert äußert sich Kohlschreiber über die Gründe für den schwachen Saisonstart und warum es in Indian Wells so gut läuft.

Von Sebastian Seidel

Herbert ist am Drücker. Mit einer Rückhand die Linie runter setzt der Franzose Kohlschreiber mächtig unter Druck. Der Deutsche weiß sich nur noch mit einem Vorhand-Slice zu helfen. Doch der Franzose ist schon ans Netz vorgerückt. Mit viel Gefühl spielt der zweifache Grand Slam-Sieger im Doppel einen Volleystopp in die Vorhand des Deutschen. Der 34-Jährige sprintet ans Netz. Kurz bevor die Filzkugel zum zweiten Mal den Boden berührt, kommt er an den Ball und spielt den Ball longline an Herbert vorbei.

Es sind nicht nur die spektakulären Bälle, die Kohlschreibers starken Auftritt in Indian Wells erklären. Aber sie zeigen das zurückgewonnene Selbstbewusstsein, das ihm im bisherigen Saisonverlauf fehlte.

„Ich war am Anfang des Jahres krank und nicht bei 100 Prozent in Australien“, begründet er auf der Pressekonfrenz den katastrophalen Saisonstart. „Natürlich fehlt es dir dann ein bisschen an der Zuversicht.“ Im Speziellen nennt Kohlschreiber hier das Zweitrundenspiel in Dubai gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas: „Ich glaube, dass ich das Spiel gewonnen hätte, wenn ich an dem Tag ein bisschen selbstbewusster gewesen wäre.“ In den entscheidenden Momenten rief er jedoch nicht sein bestes Tennis ab.

Kohlschreiber: „Habe hier früher schon einige gute Matches gespielt“

In Indian Wells passt zum ersten Mal in diesem Jahr alles zusammen für Kohlschreiber. „Ich ahnte, dass Indian Wells ein gutes Turnier für mich wird“, behauptet er. „Ich mag die Bedingungen und das Wetter und habe in der Vergangenheit hier schon einige gute Matches gespielt.“ Als erster Deutscher seit Tommy Haas 2008 steht Kohlschreiber nun im Viertelfinale von Indian Wells.

Dabei verlief der Start ins Turnier ziemlich holprig. Nach einem Freilos in der ersten Runde bekam er mit dem amerikanischen Qualifikanten Tim Smyczek einen dankbaren ersten Gegner. Den ersten Satz verlor Kohlschreiber klar mit 1:6. Erst danach fing er sich und gewann die nächsten beiden Durchgänge jeweils mit 6:4.

Danach steigerte sich Kohlschreiber jedeoch und zeigte gegen Marin Cilic sein bislang bestes Saisonspiel, bei dem auch in den entscheidenden Momenten die Nerven behielt. Vier Mal hatte der Kroate die Chance zum Break, vier Mal konnte der Deutsche den Breakball abwehren. Auf der anderen Seite nutzte Kohlschreiber seine Chancen bei Aufschlag Cilic gnadenlos effizient und verwandelte sowohl im ersten als auch im zweiten Satz gleich den ersten Breakball.

Nachdem „Kohli“ zuletzt 13 Matches gegen Top Ten-Spieler verloren hatte, platzte gegen Cilic nun endlich der Knoten. „Ich hatte das Gefühl, dass mein Tennis in den letzten Wochen immer besser geworden ist und hier hat es dann endlich auch mal bei einem Turnier funktioniert“, sagt der 34-Jährige.

Schwieriger Gegner im Halbfinale

Gegen Juan Martin del Potro hat Kohlschreiber nun die Chance, zum ersten Mal in seiner Karriere den Sprung in das Halbfinale eines Masters zu schaffen. „Ich denke, dass es einfacher geworden ist, bei einem Grand Slam oder großen Turnier zu überraschen und weit zu kommen“, schildert er. „In den letzten Jahren standen immer Djokovic, Murray, Rafa und Roger im Weg, die so konstant waren, dass sie beinahe immer bis ins Halbfinale gekommen sind.“

Dennoch weiß Kohlschreiber, dass auch das Spiel gegen del Potro sehr schwer wird.“Delpo ist momentan mit Roger wahrscheinlich der Spieler mit der besten Form“, sagte er im Interview mit Skysport nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Herbert. Zudem wies er darauf hin, dass der Argentinier sich in der Rückhand nochmal verbessert habe: „Darauf muss man aufpassen.“

Wie del Potro sich zurück in die Weltspitze gearbeitet hat, lesen sie HIER.