BNP Paribas Open – Day 14

Del Potro nach Sieg in Indian Wells: „Dafür war es das alles wert“

Rückkehr in die Top 10, Turniersieg in Acapulco und jetzt der Turniersieg in Indian Wells – das Jahr 2018 verläuft bisher überaus erfolgreich für Juan Martin del Potro. Die Erfolgsgeschichte von „Delpo“ ist auch eine, die enorm viel mit Geduld zu tun hat. Andere verletzte Spieler könnten sich ein Beispiel nehmen.


Seinen bislang größten Erfolg feierte Del Potro bereits 2009, als er bei den US Open Rafael Nadal und Roger Federer düpierte und sich seinen ersten und bis dato einzigen Grand Slam-Titel sicherte – im Alter von nur 20 Jahren und 356 Tagen. Von den noch aktiven Spielern waren nur Rafa Nadal (19 Jahre, 3 Tage) und Novak Djokovic (20 Jahre, 251 Tage) jünger. Während die letztgenannten seitdem multiple Erfolge auf der ganz großen Bühne feierten, blieben weitere Majorsiege, trotz anderslautender Prognosen, aus für den Argentinier.

Zunächst war der Anteil der großen drei, später großen vier groß daran, dass Del Potro nicht gewann. Er verlor auch seine bisher drei einzigen Masters 1000-Finals allesamt gegen Murray, Nadal und Djokovic. Später waren die schlimmen Handgelenksverletzungen, die den heute 29-Jährigen so lange außer Gefecht setzten, der Hauptgrund.

Fairer Handschlag: Trotz eines hitzigen Finals ging es bei der Siegerehrung fair zu

Doch Del Potro hat den langen Atem auf dem weg zurück am Sonntag gekrönt mit seinem ersten Titel auf der 1000-Ebene in einem herausragenden Finale von Indian Wells gegen Roger Federer.

Der Finalerfolg über die Nummer eins der Welt war der elfte Einzelsieg in Serie (zuvor hatte er das Turnier von Acapulco gewonnen). Als Belohnung schiebt sich der Südamerikaner in der am Montag erscheinenden Weltrangliste auf Rang sechs im Ranking. Besonders spannend: Nachdem Jack Sock das letzte Masters im Jahr 2017 in Paris gewonnen hatte und nun mit Del Potro ein Argentinier siegte, geht eine besondere europäische Serie zu Ende

Die dürfte dem Argentinier wohl herzlich egal sein. Er war der erste seines Landes, der in der Wüste von Kalifornien triumphierte. Bevor er sich freuen konnte, ärgerte er sich jedoch noch über die vergebene Vorhand beim ersten Matchball bereits in Satz zwei: “ Ich meine, diese Vorhand, das war genau mein Schlag. Die verschlage ich eigentlich nie“, urteilte er hart. Und so sahen die Zuschauer mehr Drama und einen weiteren Tiebreak, in dem Federer sein eigener Aufschlag verließ. Zwei Doppelfehler und kein erster Service ermöglichten Del Potro den Triumph.

Nachdem er Federers Siegeserie von 17 Einzeln in Serie beendet hatte, sagte der Turniersieger: „Für diese Erfahrung und diesen Moment, war es alles wert, was ich durchstehen musste.“ Und das war einiges. Bereits während des Turniers hat sich der Argentinier über seine lange Leidenszeit geäußert. „Ich hoffe, die Leute können später sagen, dass ich der geduldigste Spieler auf der Tour gewesen bin, oder der emotionalste“, sagte der 29-Jährige gegenüber sport360.

Geduld spielte zwangsläufig eine übergeordnete Rolle in der verletzungsgeplagten Karriere des Argentiniers, der nach seinem US-Open-Titel 2009 und Karrierehöchstwert 2010 (4.) zwischenzeitlich fast hätte seine Laufbahn beenden müssen.

Del Potro musste sich insgesamt vier Operationen an seinen Handgelenken unterziehen – eine am rechten Schlagarm, drei links. Mehr als zwei Jahre fiel der Volksheld aus.

Grenzenloser Jubel bei del Potro und seinen mitgereisten Landsleuten nach dem Davbis Cup-Triumph in Zagreb 2016

Del Potros Weg zurück nach vier Operationen

Seit der Rückkehr hat sich „Delpo“ mit Geduld peu a peu zurück in die Weltklasse zurückgearbeitet. Sein Arbeitsethos wurde und wird in der Szene in den höchsten Tönen gelobt. Als Belohnung gab es seit der Rückkehr die olympische Silbermedaille 2016 in Rio, den Davis Cup-Sieg im gleichen Jahr in Zagreb gegen Kroatien sowie 2017 ein weiteres US Open-Halbfinale und drei weitere Titel – zweimal in Stockholm und zuletzt vor Wochenfrist 2018 in Acapulco.

2018 kehrte die argentinische Nummer eins zudem in die Top Ten zurück, zum ersten Mal seit 2014. „Man kann das schon als neue Karriere bezeichnen, gerade nach meiner dritten Operation, als ich kurz vor dem Rücktritt stand“, sagte del Potro nun in Indian Wells. „Die Rückkehr unter die zehn besten Spieler nach all den Jahren fühlt sich gar wie eine zweite Karriere an.“

Del Potro als Vorbild für Djokovic und Co?

„Delpo“ hat sich in den vergangenen zwei Jahren peu a peu gesteigert. Es war ein langer Weg zurück in die Weltklasse. „Das Tennis hat sich definitiv geändert. Die nächste Generation schlägt den Ball so hart, härter als ich sogar“, erklärte er schmunzelnd, fügte aber ernst an. Seine Generation versuche weiter mitzuhalten.

„Aber es kommt nicht von ungefähr, dass Jungs wie Nadal, Wawrinka, Nishikori, Raonic und Djokovic verletzt waren oder sind. “Es wird definitiv physicher und physicher von Jahr zu Jahr.“  (HIER geht es zu einer aktuellen Übersicht der verletzten ATP-Profis)

Nicht jeder der genannten Spieler legte ein furioses Comeback wie etwa Federer hin. Für viele könnte der lange Atem von del Potro ein Beispiel sein.

Del Potros traumhafte Bilanz in den USA

Sechs seiner 21 Karrieretitel hat der Argentinier in den USA ergattert. „Ich fühle mich hier sehr wohl, weil es nicht so weit weg von meiner Heimat ist und ich viele Freunde in Miami habe. Dort besitze ich ich sogar ein eigenes Haus“, berichtete del Potro. Das tut seiner tiefen Verbundenheit zu Argentinien jedoch keinen Abbruch. Sein Hauptwohnsitz ist weiter in Tandil.

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