Tommy Haas v Michael Stich – Manhagen Classics

Manager Weindorfer: „Rücktritt von Tommy Haas ist nicht offiziell“

Tritt er nun zurück oder wird er noch einmal spielen? Tommy Haas gab in einem US-Interview seinen Rücktritt bekannt. Haas-Manager Edwin Weindorfer sagte nun tennismagazin.de, dass davon noch keine Rede sein könnte.

Es war ein merkwürdiges und irgendwie auch unwürdiges Ende einer grandiosen Sportler-Laufbahn: Vergangenen Freitag gab Tommy Haas der US-Lokalzeitung Desert Sun ein Interview, in dem er durchblicken ließ, dass er seine Profikarriere nun offiziell beenden würde. „Das letzte Match, das ich auf der Tour gewonnen habe, ist gegen Roger Federer gewesen“, sagte Haas. Womit er seinen Sensationssieg gegen Federer beim Mercedes-Cup in Stuttgart 2017 meinte.

Tommy Haas

FREUNDSCHAFTLICH: Tommy Haas (re.) gewann gegen seinen Kumpel Federer beim Mercedes Cup in Stuttgart 2017.

In Deutschland blieben diese und weitere Aussagen zunächst unbeachtet, auch weil es keine Pressemitteilung seines Managements oder Posts in sozialen Netzwerken von Haas selbst gab. Erst Anfang der Woche kochte das Thema bei Twitter hoch, wenig später gab es die ersten Agentur-Meldungen, es folgten die Abgesänge auf seine Karriere. Auch tennis MAGAZIN gratulierte Haas via Twitter zu seiner „großartigen Karriere“.

Tommy Haas: Doch noch ein Profi-Match?

Aber: Soll es das nun wirklich gewesen sein? Heimlich, still und leise verabschiedet sich Haas also in den – wohlverdienten – Ruhestand? Bleibt tatsächlich die Niederlage beim ATP-Turnier in Kitzbühel gegen Jan-Lennard Struff im August 2017 sein letztes Profi-Match?

Haas-Manager Edwin Weindorfer will das alles gegenüber tennismagazin.de so nicht bestätigen. Der Österreicher sagte am Telefon: „In einem US-Interview wird nicht immer zu 100 Prozent das wiedergegeben, was man gesagt hat. Fakt ist jedenfalls: Tommy Haas ist noch nicht offiziell zurückgetreten.“ Hintergrund von Weindorfers Statement ist: In den USA werden – anders als etwa in Deutschland – Interviews in aller Regel nicht vom Interviewten, in dem Fall von Tommy Haas, freigegeben. Weindorfer hat zwar noch nicht mit Haas persönlich gesprochen, aber er versichert: „Wir werden uns beim Turnier von Indian Wells (beginnt am 5. März 2018, Anm. d. Red.) zusammensetzen und dann eine offizielle Stellungnahme zu dem Thema verfassen.“

Tommy Haas

DAUMEN HOCH: Tommy Haas (re.) in seiner neuen Funktion als Turnierdirektor von Indian Wells. Den Siegerpokal 2017 konnte er Roger Federer überreichen.

Die Frage ist nur: Was außer einem dann offiziell verkündeten Rücktritt wollen Haas und Weindorfer Anfang März bekannt geben? Dass Haas, mittlerweile zum zweiten Mal in Indian Wells als Turnierdirektor im Einsatz, nochmal groß angreifen wird, um sein x-tes Comeback zu geben, ist illusorisch. Weindorfer allerdings hat noch eine andere Option im Kopf: „Es ist vorstellbar, dass Tommy noch einmal bei einem ATP-Turnier auflaufen und das eine oder andere Profimatch bestreiten wird.“ Außerdem, so Weindorfer, ist ein Abschiedsmatch für Haas in Deutschland noch längst nicht vom Tisch: „Das ist nach wie vor in Planung“.

Tommy Haas: „In mir brennt es noch“

Egal, wie es nun kommt: Den stimmigen Zeitpunkt für ein Karriere-Ende hat Haas, der im April 40 Jahre alt wird, verpasst. Seit Monaten, ja fast schon seit Jahren, wartet die Szene darauf, dass er endgültig einen Schlussstrich zieht. 22 Jahre ist er nun Tennisprofi, von denen er mindestens fünf Jahr lang verletzt war. Wie es scheint, ist er innerlich zerrissen, was seine eigene Karriere anbelangt. Noch im Januar sagte er am Rande der Australian Open, wo er als „beratender Coach“ des Franzosen Lucas Pouille auftrat, der Süddeutschen Zeitung: „In mir brennt immer noch was.“ Er habe sogar mit dem Gedanken gespielt, in Melbourne in der Qualifikation anzutreten.

Haas räumte in dem Gespräch mit der SZ allerdings auch ein, dass er „keinen großen Bang“ für sein offizielles Ende bräuchte. Am Wahrscheinlichsten ist es demnach, dass er Anfang März in Indian Wells dann auch offiziell sagt: So, das war es jetzt wirklich. Und vielleicht ist das nach all dem hin und her auch nicht die schlechteste Variante.


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