Nick Kyrgios – Miami Open

Nick Kyrgios liefert sich heftiges Wortgefecht mit Fan

Nick Kyrgios hat sein Drittrundenmatch auf dem Centre Court der Miami Open am Sonntagabend gegen Dusan Lajovic glasklar gewonnen. Die Überlegenheit schien er für spielerisches Entertainment zu nutzen. Ein Disput mit einem Fan hinterließ aber einen faden Beigeschmack.

Mit 6:3 und 6:1 besiegte Nick Kyrgios in der dritten Runde der Miami Open Dusan Lajovic in unter einer Stunde. Lajovic hatte zuvor immerhin Kei Nishikori aus dem Turnier verabschiedet. Doch Kyrgios war drückend überlegen. Anfang des zweiten Satzes führte er etwa zwischenzeitlich mit 12:0 Assen.

Doch zu diesem Zeitpunkt hatte er den Centre Court schon zu Genüge unterhalten. Zweimal hatte er im ersten Durchgang zum Aufschlag von unten gegriffen, zweimal war er damit erfolgreich. Weniger Durchschlagskraft hatte der Versuch eines No-Look-Shots. Dafür brachte er das Publikum an den Rande der Ekstase, als er kurz vor einem Überkopfball spontan salutierte.

Provokation folgte auf Provokation

Die Zuschauer waren aus dem Häusschen. Obwohl der Centre Court während der letzten Partie nicht gänzlich gefüllt war, war es die lauteste Stimmung bisher bei den Miami Open. Lediglich Lajovic war anzusehen, dass er von der Show genervt ist. Klar: Tennis ist für Kyrgios an guten Tagen eine große Show, Entertainment. Wenn man die Aufmerksamkeit sieht, die Tennis durch ihn bekommt, ist das letztlich gut für den Sport. Leider überschreitet er manchmal die Grenze. Lajovic ließ er ein um das andere Mal schlecht aussehen.

Und dann gab es noch einen Fan, dem die Unterhaltung nicht gefiel. Mitte des ersten Satzes entwickelte sich, eingefangen von den TV-Kameras, ein Wortgefecht zwischen Kyrgios und einem Zuschauer, der seinerseits ziemlich aggressiv auftrat. Immer wieder, so schien es, schaukelten sich die beiden Akteure gegenseitig nach oben. Provokation folgte auf Provokation. Die Stimmung auf dem Centre Court kochte. Kyrgios war Lajovic längst enteilt, aber um das Ergebnis ging es bereits lange nicht mehr.

Kyrgios: „Er nannte mich einen ‚Schwanz’”

In der Mixedzone nach dem Match versuchte Kyrgios, die Situation zu erklären: „Als ich in einem Returnspiel die Seite gewechselt habe, nannte er mich einfach einen ,Schwanz‘. Ich habe den Kontext einfach nicht verstanden und ihn dann gefragt, ob er nichts Besseres zu tun hat. Schließlich sitzt er da auf der Tribüne, hat gutes Geld dafür bezahlt, am Sonntag Tennis zu schauen und hat nichts Besseres zu tun, als mich so zu bezeichnen?”

Nach weiteren Angaben von Kyrgios, die die TV-Bilder auch unterstreichen, wurde der Fan in der Folge aggressiv. „Er sagte: ,Komm doch her und sag mir das ins Gesicht‘. Ich habe ihm dann gesagt, dass das nicht geht, weil ich spielen muss. Ich weiß auch nicht. So ging das dann weiter.”

Kyrgios schlug umgehend danach einen sehenswerten Returnwinner. Das Publikum tobte. Der Fan aber konnte sich offensichtlich nicht mehr beruhigen. Er wurde wenig später vom Sicherheitsdienst vom Platz verwiesen.

Kyrgios: „Tennis braucht manchmal solche Dinge”

„Ich habe nicht ganz verstanden, was dieser Fan sich bei dem Gerede gedacht hat. Vielleicht hat er vor dem Match im Stau gestanden”, sagte der Australier. „Aber um ehrlich zu sein: Ich glaube, Tennis braucht manchmal solche Dinge. Die Menge hatte jedenfalls Spaß mit diesem Match, und mir war das, was er getan hat, ziemlich egal. Mich pusht sowas eher weiter nach vorne. Und ich war sowieso schon zufrieden mit der Art und Weise, wie ich gespielt habe.“

Kyrgios gab sogar zu, dass er sich sicher gewesen sei, dass er den Fan dazu bringen könne, dass er aus dem Stadion begleitet wird. „Ich wusste, dass ich ihn ab einem gewissen Punkt aus dem Stadion kicken kann und ich habe jedes bisschen davon geliebt.” Ein Großteil der Fans sah das ähnlich. Nach dem Matchball gab es aber auch Pfiffe für den Sieger von rund zehn Prozent der Zuschauer, die im aufkeimenden Jubel aber rasch verstummten.