Miami Open 2019 – Day 7

Tatjana Maria in Miami: Verdient im Rampenlicht

Tatjana Maria hat bei den Miami Open 2019 zum ersten Mal in ihrer Karriere das Achtelfinale eines Premier Events erreicht – und das mit einem Zweisatzerfolg über Titelverteidigerin Sloane Stephens. Bei ihrem Heimspiel verspürt Maria in diesen Tagen positiven Stress.

Tatjana Maria strahlte. Über beide Ohren. Während all der gestellten Fragen, die sie in der Mixed Zone beantworten sollte. Die Aufmerksamkeit der internationalen Presse tat ihr sichtbar gut. Ganz anders erging es Sloane Stephens. Die 26-Jährige Titelverteidigerin erledigte ihre Pflichtarbeit mit den Medien genervt in rekordverdächtigen 1:40 Minuten.

Das hatte vor allem mit der spielerischen Leistung der 31-jährigen Deutschen am Sonntagabend zu tun. Denn die Außenseiterin, das war das Überraschende, hatte beim 6:3, 6:2 Erfolg über die US Open-Siegerin von 2017 über weite Strecken alles unter Kontrolle.

Tatjana Maria: „Hervorragende Arbeit meines Mannes“

„Mein Mann hat im Vorfeld hervorragende Arbeit geleistet und wirklich alles von ihr analysiert“, erklärte Maria auf deutsch gegenüber tennis MAGAZIN. Charles Edouard Maria ist Ehemann und Coach in Personalunion. Die Geschichte der ehemaligen Tatjana Malek, wie die 31-Jährige vor der Heirat hieß, ist in der deutschen Tennisszene bekannt. Für Miami und die USA gilt das nicht, obwohl Familie Maria in Miami wohnt.

Die Fed Cup-Spielerin lernte Charles Edouard Maria im Vorfeld der US Open 2012 durch ihren damaligen Trainer kennen. Der Franzose sollte trainingstechnisch helfen, tat das auch. Aus der beruflichen Ebene wurde eine private. Die beiden gründeten eine Familie und noch während der Schwangerschaft mit der nun fünfjährigen Tochter Charlotte stellte das Team Maria ihre Rückhand von beidhändig auf -händig um.

Tatjana Maria: „Ich habe ja immer noch meinen Slice“

Hier in Miami staunten die amerikanischen Kollegen nicht schlecht, als Maria von der Technikumschulung berichtete. Damals habe sie sich darauf eingelassen und gesagt: „Wenn es nicht klappt, habe ich ja immer noch meinen Slice.“

Den unterschnittenen Schlag sieht man auf der Profitour immer seltener. Maria aber setzt ihn gar beidseitig ein. Legendäre Züge nahm ihr Spiel bei den Mallorca Open 2018 an. Dort spielte sie die Mehrheit ihre Vorhandschläge als Slice und errang ihren ersten WTA-Titel. Wenig später gelang ihr in Wimbledon ein Top 10-Sieg gegen Elina Svitolina.

Neun Monate später nun folgte der nächste Sieg gegen eine Top 10-Spielerin. Titelverteidigerin Stephens hatte von Anfang an Probleme mit dem unterschnittenen Bällen der Deutschen, die ihre Gegnerin auch regelmäßig mit der Vorhand passierte. „Ich weiß, wie variabel sie spielen kann. Sie ist eine tolle Spielerin. Ich war heute einfach nicht gut genug“, sagte Stephens.

Maria zog in beiden Durchgängen schnell mit Breaks davon. Nach ihrem zweiten Matchball jubelte sie schon. Doch ihr Gewinnschlag wurde vom Hawkeye korriegiert. Wenige Augenblicke später durfte Maria dann aber endgültig beide Arme gen Himmel strecken.

Letzter deutscher Profi in Miami

Damit ist sie die einzig verbliebene DTB-Spielerin im Achtelfinale der Miami Open. Die Aufmerksamkeit hat die Wahlamerikanerin verdient. Miami ist ihr Heimspiel. „Wir leben 50 Minuten von der Anlage entfernt. Bei uns ist gerade die Hölle los. Viele Freunde sind da, die Familie meines Mannes. Aber das beflügelt mich. Es ist positiver Stress.“ Maria ist hier in Miami quasi Nachbarin von Serena Williams. Man kennt sich, man schätzt sich, man trainiert auch miteinander.

Apropos positiver Stress: Anna Schmiedlová, Camila Giorgi und nun Stephens verloren alle in glatten Sätzen gegen Maria. Es ist schon jetzt ihr größter Erfolg bei den Premier-Turnieren der WTA-Tour. Im Rückblick sah sie gestern den Sieg in Wimbledon gegen Svitolina noch gleichwertig an. Das könnte sich bei einem weiteren Sieg aber ändern.
Das Draw ist offen für Maria, die nun auf die erst 19-jährige Tschechin Marketa Vondrousova trifft. Die hat mit Jelena Ostapenko und Elise Mertens ebenfalls bereits zwei gesetzte Spielerinnen auf die Heimreise geschickt. Mit der Centre Court-Leistung vom Sonntag ist das Viertelfinale aber realisierbar. Maria steht in Miami im Rampenlicht und hält die deutsche Fahne hoch.