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Spaniens Talent Carlos Alcaraz, 15 Jahre: „Ich will wie Rafa sein!“

Beim Challenger-Turnier in Murcia, Spanien, sorgt gerade Nachwuchstalent Carlos Alcaraz für mächtig Wirbel: Der 15-Jährige schlug einen Top 200-Profi und trifft nun auf Rudi Molleker.

Spaniens Tennis beschäftigt schon lange die Frage: Was kommt eigentlich nach Rafael Nadal? So langsam kristallisiert sich eine Antwort heraus. Sie lautet: Carlos Alcaraz. Der 15-Jährige überflügelte Nadal schon 2017, als er im Alter von 14 Jahren seinen ersten Weltranglistenpunkt holte. Bei einem Future-Turnier in seiner Heimat Murcia schlug Alcaraz nach drei Quali-Siegen in der ersten Hauptfeldrunde den Italiener Federico Gaio, zu dem Zeitpunkt immerhin die Nummer 298 der Weltrangliste.

Aktuell zeigt Alcaraz auf größerer Bühne, zu welchen Leistungen er schon fähig ist. Beim Challenger-Turnier in Murcia schlug der Wildcard-Starter, derzeit auf Ranglistenposition 597, erst Gleb Sakharov (30 Jahre, ATP# 267) und dann Pedro Martinez (21 Jahre, ATP# 140). Vor allem der Triumph gegen den Top 200-Spieler Martinez schlug große Wellen, denn Alcaraz ist der erste 15-Jährige seit über zehn Jahren, dem solch ein Sieg gelang (s. Tabelle unten). Sein nächster Gegner ist nun der Deutsche Rudi Molleker, der auch erst 18 Jahre alt ist.

Jüngste Spieler mit einem Top 200-Sieg (seit 2000)

Spieler Alter Gegner Turnier
Bernard Tomic 15 Jahre, 2 Monate Jimmy Wang (#147) AO 2008 (Quali)
Richard Gasquet 15 Jahre, 9 Monate Franco Squillari (#54) Monte Carlo 2002
Rafael Nadal 15 Jahre, 10 Monate Ramon Delgado (#81) Mallorca 2002
Carlos Alcaraz 15 Jahre, 11 Monate Pedro Martinez (#140) Challenger Murcia 2019
Ryan Harrison 15 Jahre, 11 Monate Pablo Cuevas (#95) Houston 2008

Wer aber ist dieser aufstrebende spanische Jungstar, dem nun das Blaue vom Himmel prognostiziert wird? Schon früh zeichnete sich sein Talent ab, als er in Spanien reihenweise Jugendturniere gewann. Ein Erbe seines Vaters, der ebenfalls Carlos heißt und in seiner Hochphase zu den besten 50 spanischen Spielern zählte. Der Junior wurde im Alter von 12 Jahren vom Vermarktungsriesen IMG unter Vertrag genommen. IMG-Mann Albert Molina, der in frühen Jahren auch Rafael Nadal, David Ferrer oder Nicolas Almagro förderte, ist für Alcaraz zuständig. 2016 gewann Alcaraz die nationale Rafa Nadal Tour – in der spanischen Tennisszene ist das jedes Jahr ein Ereignis. In seinen ersten überlieferten Interviews schwärmte Alcaraz von Nadal, natürlich: „Er ist mein Idol. Ich will so werden wir er.“

2017 gewann Alcaraz bei einem Einladungsturnier für 14-Jährige im Vorfeld der ATP Tour-Finals in London. Dort traf er auf die weltweit besten Spieler seiner Altersklasse und verlor kein Match.  2018 wurde er U16-Europameister. Im August 2018 schloss er sich schließlich der Akademie von Juan Carlos Ferrero an, die er von seinem zu Hause schnell erreichen kann. Zweimal pro Woche trainiert er seitdem bei Ferrero. Zu Hause in Murcia kümmert sich weiterhin sein Jugendcoach Kiko Navarro um ihn.

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MIT SEINEM IDOL: Carlos Alcaraz an der Seite von Rafael Nadal.

„In seinen Augen sehe in den Willen, jeden Tag besser zu werden – das erinnert mich an meine Zeit, als ich so alt war wie er jetzt“, sagt Ferrero, der Ex-Coach von Alexander Zverev. Auf den Deutschen ist er indes nicht mehr gut zu sprechen: „Jeder redet über Zverev, aber das ist für mich Vergangenheit. Ich konzentriere mich voll auf meine Arbeit mit Carlos.“ Über seinen neuen Schüler gerät Ferrero gegenüber der spanischen Sport-Tageszeitung Marca regelrecht ins Schwärmen: „Er hat ein angeborenes Talent, es ist in ihm drin. Sein Spiel ist sehr dynamisch und nach vorne gerichtet. Er zieht sich nicht zurück und das sieht man bei wenigen Spielern in diesem Alter. Was ich an ihm mag: Wenn er den Ball schlägt, hat er immer eine Idee im Kopf. Klar, er hat noch Mängel und braucht mehr Training. Aber er kann es in der Rangliste sehr weit nach oben schaffen.“

Entsprechend hoch sind auch die Ziele des 15-Jährigen: „Ich möchte wie Nadal eines Tages in Roland Garros gewinnen.“ Spätestens dann hätte das spanische Tennis eine Sorge weniger.