Stefanos Tsitsipas

Stefanos Tsitsipas: „Social Media kreiert Stress und Mist”

Stefanos Tsitsipas gehört der Generation Millennials an. Der 20-jährige Grieche nutzt zwar Social Media fleißig, hat aber klare Ansichten zum Umgang mit diesen.

Boris Becker hat kürzlich in einem Interview mit dem Socrates Magazin kein gutes Haar an der derzeitigen Generation von jugendlichen Tennisspielern gelassen, an der Generation „Millennials“. „Die haben keine Ahnung von Zusammenhängen, nicht die geringste. Es geht heute nur um die unmittelbare Befriedigung. So gewinnst du kein Grand-Slam-Turnier“, sagte Becker und schob nach: „Ihre Aufmerksamkeitsspanne beträgt 15 Sekunden. Sie sprechen nicht mehr, sie schmeißen dir ein paar Brocken hin und du sollst wissen, was sie meinen. Das ist die Generation, mit der wir zu tun haben. Und manche von denen spielen Tennis.“

Tsitsipas der griechische Philosoph

Stefanos Tsitsipas gehört der Generation Millennials an. Doch der 20-jährige Grieche ist so ganz anders als viele seiner gleichaltrigen Kollegen. Tsitsipas hat einen YouTube-Channel mit mehr als 140.000 Followern, in dem er künstlerische Videos veröffentlicht, die er selbst zurechtschneidet. Der Weltranglistenzehnte macht sich viele Gedanken über sich, das Leben und die Zustände in der Welt. Viele sehen in ihm einen griechischen Philosophen. Rod Laver bezeichnete ihn als „alte Seele“. Im Interview mit der Daily Mail hat Tsitsipas, genauso wie Becker, seine eigene Generation kritisiert.

„Es ist die ungeduldige Generation, die Generation von Social Media, all dieser Mist. Alles passiert in einem schnellen Tempo, viel schneller als in den Jahren zuvor. Deshalb mag ich es, mich manchmal herauszunehmen und das Leben zu leben, wie es früher gewohnt war zu leben, mit mehr Gedanken und mehr Bewusstsein“, sagte der Grieche. Für ihn ist Social Media nur eine Ergänzung zum wahren Leben. „Sie sind ungeduldig, immer besorgt, weil Social Media das nun mal kreiert – Stress und anderen Mist, den man im Leben nicht braucht. Es ist gut, manchmal die Verbindung zu trennen und reale Gespräche zu haben, Konversationen mit Leuten, andere Dinge tun, die echt und kein Fake sind, die nicht gefüllt sind mit Zahlen oder Ziffern.“

Tsitsipas: „Es hat mich mental stärker gemacht“

Da Tsitsipas kaum Unterstützung vom griechischen Tennisverband erhielt, musste er den harten Weg gehen, um dort anzukommen, wo er nun ist: in den Top 10 als mit großem Abstand bester griechischer Tennisspieler aller Zeiten. „Es gibt nicht viel Unterstützung von den Clubs und dem Verband. Deshalb sind die Kinder nicht bereit, ihre Träume zu verfolgen. Viele Familien haben ein Einkommen, das niedriger als im Rest Europas ist. Nicht alle Eltern möchten alles auf den Tisch legen und ihre Karriere für ihre Kinder riskieren, um solch einen schwierigen Sport zu bestreiten“, sagte Tsitsipas über das Tennis in Griechenland.

Der 20-Jährige ist stolz auf sein Durchhaltevermögen, dass er ohne die große Unterstützung seines Verbandes alleine Karriere gemacht hat. „All diesen Mist durchgemacht zu haben, hat meine Denkweise verändert. Es hat mich mental stärker gemacht, weil ich weiß, dass ich so viel leiden musste, um dorthin zu kommen, wo ich bin. Ich schätze das mehr wert. Wenn ich Teil eines großes Verbandes gewesen wäre, die mir alles bereitstellen, wäre es zu einfach gewesen. Alles ist da für dich, alles wird gekocht für dich.“