2018 Australian Open – Day 6

Australian Open: Wer ist dieser Hyeon Chung?

Hyeon Chung hat sich mit einigen überzeugenden Siegen ins Halbfinale der Australian Open gespielt und ist dabei zu einem regelrechten Publikumsliebling avanciert. Doch wer ist der junge Südkoreaner, der ohne große Vorankündigung zunächst das „NextGen“-Final der ATP gewonnen hat und jetzt ein Grand Slam-Tunier aufmischt? Wir haben einige Fakten zum Mann der Stunde zusammengestellt.

Der erfolgreichste Koreaner

Noch nie zuvor ist ein Koreaner in einem Grand Slam-Tunier so weit gekommen wie Chung. Durch den Halbfinaleinzug zieht er in dieser Hinsicht am bisherigen Rekordhalter Hyung-Taik Lee vorbei. Und auch in der Weltrangliste wird es bald zu Bewegung kommen: Zwar rangiert Chung (Nr. 58) derzeit noch hinter dem Bestrang von Lee (Nr. 39). Doch mit der neuen Wertung nach den Australian Open wird sich das aber ändern. Chung verbessert sich mindestens bis auf Platz 29. Mit dem Titel in Melbourne würde es sogar raufgehen auf Platz 10.

Sprössling einer Tennis-Familie

Hyeon Chung ist bei weiten nicht der einzige in seiner Familie mit einem Faible für Tennis. Sein drei Jahre älterer Bruder Hong Chung (derzeit Nr. 462) hatte ebenso Profi-Ambitionen wie der Vater der beiden: Seok-Jin Chung schaffte es immerhin zwischenzeitlich auf Weltranglistenplatz 455.

Brillenträger aus Notwendigkeit

Neben seiner Spielart fällt Chung auf dem Platz vor allem durch eines auf: seine Sportbrille. Diese trägt er allerdings nicht, wie mancherorts vermutet, aus modischen Gründen. Nein, die Brille ist tatsächlich vom Arzt vorgeschrieben! Der Grund: Chung leidet unter starker Hornhautverkrümmung – andere Sehhilfen, wie zum Beispiel Kontaktlinsen, kommen daher nicht in Frage.

Zverev-Angstgegner

Auf seinem Weg ins Halbfinale der Australian Open besiegte Chung sowohl Mischa als auch Alexander „Sascha“ Zverev. Für die Zverev-Brüder droht Chung langsam zu einer Art Angstgegner zu werden: Schon im letzten Jahr besiegte Chung beide Brüder. Mischa schied im Oktober 2017 beim Masters-1000-Tunier in Paris gegen den Koreaner aus, Sascha schon ein halbes Jahr vorher in Barcelona. Auch gegen andere Deutsche schlägt Chung sich in seiner bisherigen Karriere sehr gut: In neun Spielen holte er neun Siege.

Chung nach dem Sieg gegen Alexander Zverev in der dritten Runde der Australian Open.

Tennisspieler kraft ärztlicher Verordnung

Mit sechs Jahren fing Chung an, Tennis zu spielen. Der Grund darin ist aber ein ganz anderer als bei den meisten anderen: Ein Augenarzt hatte der Familie geraten, dass der junge Chung viel auf Grün gucken sollte, um seine Sehkraft zu verstärken. Was bot sich da wohl idealerweise an? Möglichst viel Zeit auf dem Tenniscourt zu verbringen!

Schüler eines Becker-Besiegers

Trainiert wird Chung von Neville Godwin, der letztes Jahr Kevin Anderson ins Finale der US Open führte. Der Südafrikaner schaffte es allerdings nie so hoch in der Weltrangliste, wie es sein Schüler jetzt schon ist: Der Karrierehöchstrang von Godwin war die Weltranglistennummer 90. Sein größter Erfolg war das Erreichen des Achtelfinals von Wimbledon in 1996 – auf den Weg dorthin besiegte Godwin auch Boris Becker, allerdings durch Aufgabe. Chung als Schüler eines Becker-Spezialisten? Vielleicht erklärt das die gute Statistik von Chung gegen die Deutschen.

Absolvent einer Elite-Akademie

Chungs Können kommt nicht von ungefähr: Der 21-Jährige trainierte als Kind für zwei Jahre in der legendären Nick Bollettieri Tennis Academy in Florida. Mit nur Jahren zog er 2009 gemeinsam mit seinem Bruder in die USA. Mittlerweile wohnt Chung aber wieder in seiner Heimatstadt in Südkorea, in Suwon.

Wissbegieriger Sprachenlerner

Wer Chungs Interviews hört, kommt nicht umhin zu bemerken, dass das Englisch des jungen Koreaners noch nicht an seine Fähigkeiten auf dem Tennisplatz herankommt. Das ist Chung allerdings auch bewusst: Und so übt er täglich mit einem Freund aus Chicago Aussprache und neue Wörter.

Bezwinger seines eigenen Idols

Im Achtelfinale der Australian Open gelang es Chung, gegen den ehemaligen Weltranglistenersten Novak Djokovic in nur drei Sätzen weiterzukommen. Was einige nicht wussten: Chung spielte gegen sein großes Idol, seinen Kindheitsheld. Nicht umsonst erkannten Experten nach dem Match von Djokovic und Chung große Ähnlichkeiten in der Spielart der beiden.

Hyeon Chung besiegte sein Idol Novak Djokovic in drei Sätzen.

Schrecken der Buchhalter

Vor dem Start des Tuniers gaben Vielzahl an Wettanbietern auf einen etwaigen Tuniersieg von Chung eine Quote von 258 zu eins. Mittlerweile sind die Quoten auf etwa 10:1 gesunken. Sollte Chung es tatsächlich schaffen, gegen Roger Federer (Freitag, 9:30 Uhr live auf Eurosport) in das Finale einzuziehen, dürften die Buchhalter eher schlecht schlafen – schließlich drohen fette Auszahlungen an die wenigen, die verwegen genug waren, von Anfang an auf Chung zu setzen.