WTA-Finals vor Standortwechsel: Warum Saudi-Arabien aus dem Rennen ist
Die WTA-Finals stehen vor dem Abschied aus Saudi-Arabien. Ab 2027 sucht die Women’s Tennis Association ein neues Zuhause für ihr Saisonfinale.
Die WTA-Tour steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Das prestigeträchtige Saisonfinale, die WTA- Finals, werden nach 2026 nicht mehr in der Hauptstadt Saudi-Arabiens, in Riad, stattfinden. Zwar läuft der Vertrag mit dem saudischen Tennisverband Ende des Jahres planmäßig aus, eine Verlängerung wird es aber nicht geben. Das berichtete bereits der US-Tennisjournalist Ben Rothenburg in seinem Blog Bounces.
Noch im vergangenen November hatte WTA-Chefin Portia Archer öffentlich betont, man könne sich eine längere Zusammenarbeit gut vorstellen. Vor Ort verwies sie auf leicht steigende Zuschauerzahlen, wachsendes Interesse junger Mädchen am Tennis und die Rekord-Preisgelder, die in Saudi-Arabien ausgeschüttet wurden. Doch hinter den Kulissen hatte sich die Lage bereits gedreht, will nun The Athletic herausgefunden haben.
Saudi-Arabien richtet Fokus neu aus
Nach Informationen aus dem Umfeld des saudischen Sportministeriums hat das Königreich seine Tennisstrategie angepasst, berichtet das US-Sportportal. Die WTA-Finals hätten ihren Zweck erfüllt: internationale Aufmerksamkeit, sportpolitische Signalwirkung und Zugang zur Weltspitze des Damentennis. Nun will sich Saudi-Arabien künftig stärker im Herrentennis-Markt engagieren. Gemeinsam mit der ATP wird ab 2028 ein neues Masters-1000er-Turnier entstehen – ein größeres und langfristig bedeutenderes Projekt. Die Folge: Die vergleichsweise kostspielige Ausrichtung der WTA-Finals (rund 25 Millionen Dollar jährlich) verliert an Priorität.
Sportlich bot das Turnier natürlich die absolute Weltklasse. Doch die Atmosphäre blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Die Matches fanden häufig vor halbleeren Rängen statt, in einer Arena mit nur rund 3.500 Plätzen. Auch das Umfeld wirkte für ein Event dieser Größenordnung ungewohnt lahm – ohne große Fan-Zonen oder städtisches Event-Flair. Für viele etablierte WTA-Spielerinnen ist genau das ein zentraler Punkt.
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— wta (@WTA) December 8, 2025
„Das Turnier, von dem wir alle träumen“
„Es ist das Turnier, von dem wir alle träumen“, sagte etwa Madison Keys beim WTA-Turnier in Charlotte. Sie verband ihre Aussage aber mit einem klaren Wunsch: Es brauche mehr Sichtbarkeit und eine größere Fan-Nähe. Auch ihre US-Kollegin Jessica Pegula sieht Nachholbedarf beim Marketing und der Wahrnehmung des Events. Trotz sportlicher Bedeutung gehe das Turnier im vollen Tennis-Kalender oft unter. Andere Standorte hätten aber gezeigt, welches Potenzial in den WTA-Finals steckt: Besonders die Ausgabe 2021 in Guadalajara begeisterte mit bis zu 7.000 leidenschaftlichen Fans und einer elektrisierenden Atmosphäre.
Suche nach neuem Standort läuft für WTA-Finals
Die WTA hat bereits Gespräche mit möglichen Ausrichtern aufgenommen. Besonders Städte in Amerika gelten als aussichtsreiche Kandidaten, vor allem Charlotte in North Carolina. Aber auch europäische Bewerber wie Danzig, Prag oder Ostrava sollen im Gespräch sein. Eine Entscheidung wird frühestens im Sommer erwartet.
Für das Damentennis geht es dabei um mehr als einen Standortwechsel. Die WTA-Finals sollen langfristig wieder das werden, was sie sportlich meistens sind: das große Highlight am Ende der Saison. Oder, wie es Paula Badosa formulierte:
Ein Event, das „verrückt gut“ sein muss – mit großen Namen und vor allem vollen Zuschauerrängen.
