2017 Miami Open – Day 9

Zverev gegen Wawrinka: Viertelfinale ohne Favorit

Am frühen Mittwochmorgen (nicht vor 4:30 deutscher Zeit) treffen Alexander Zverev und Stan Wawrinka im Viertelfinale von Melbourne aufeinander.

Text: Leander Herzog

Es ist das Viertelfinale, mit dem man bei den Australian Open 2020 wohl am wenigsten rechnen konnte: Alexander Zverev gegen Stan Wawrinka. Denn: Im Vorfeld des ersten Grand Slam-Turniers der Saison sprach für beide Kontrahenten relativ wenig.

Auf der einen Seite Stan Wawrinka, dreifacher Grand Slam-Champion, der seit dem Comeback Anfang 2018 nach einer schweren Knie-Verletzung noch nicht wieder jenes Level erreicht hat, mit dem er vor seinen Problemen regelmäßig zum erweiterten Favoritenkreis bei den Majorturnieren gehörte. Wawrinka gewann sein letztes Turnier 2017 in Genf.

Auch wenn „Stan the man“ 2019 mit den Viertelfinaleinzügen in Paris und New York wieder leicht ansteigende Form zeigte, war er vor den Australian Open 2020 spielerisch schwer einzuschätzen. Erstaunlich schwer tat er sich in der zweiten Runde gegen Andreas Seppi, den er erst mit 6:4 im fünften Satz besiegte. Anschließend erzählte Wawrinka, dass ihn ein Virus nach dem Sieg in der ersten Runde gegen Damir Dzumhur flachgelegt hatte. Am freien Mittwoch verliess er das Hotelzimmer nur, um einen Arzt aufzusuchen. Gegen Seppi musste der 34-Jährige zweimal den Platz verlassen, um sich zu übergeben.

Auf der anderen Seite steht Alexander Zverev. Deutschlands Nummer eins erwischte einen schlechten Saisonstart – mit drei Niederlagen beim ATP-Cup. Er haderte wieder mit dem Aufschlag, servierte viel zu viele Doppelfehler. „Er ist irgendwo in einem dunklen Zimmer gefangen und sucht den Lichtschalter“, urteilte Boris Becker nach dem ATP-Cup.

Vor Beginn der Australian Open sanken die Erwartungen an Alexander Zverev auf ein Maß, das dieser höchstens aus seinen Anfangszeiten als Profi noch kannte. Letztlich tat ihm  genau das extrem gut. Gleichzeitig hat Zverev viele Baustellen in seinem Leben anscheinend so gestaltet, dass er sich derzeit einfach verdammt wohl fühlt und sich wieder voll aufs Tennis konzentrieren kann.

Zverev und Wawrinka mit starken Leistungen

Es ist nun schwer zu sagen, wer von den beiden die besseren Chancen hat, denn beide zeigten gerade in den letzten Matches starke Leistungen. Es ist ein Viertelfinale ohne echten Favoriten. Wawrinka konnte im Achtelfinale den an vier gesetzten Daniil Medvedev in fünf Sätzen bezwingen. Der Russe wurde in Melbourne hoch gehandelt, nachdem er bei den US Open bis ins Finale vorstoßen konnte.

Aber auch Zverev präsentierte sich bisher in toller Form. Der Deutsche hat auf seinem Weg bis ins Viertelfinale noch keinen Satz abgegeben. Im Achtelfinale konnte er den bisher in diesem Jahr noch ungeschlagenen Russen Andrey Rublev mit 6:4 6:4 und 6:4 besiegen. Rublev gewann 2020 die Turniere in Doha und Adelaide.

Interessant ist ein Blick auf den direkten Vergleich zwischen Zverev und Wawrinka. Dort führt der Deutsche mit 2:0. Und beide Siege sind – zumindest aus der Sicht von Zverev – besonders. 2016 siegte er im Finale von Sankt Petersburg mit 6:2, 3:6, 7:5 und holte seinen ersten ATP-Titel. Ein Jahr später in Miami schlug Zverev den Schweizer erneut (4:6 6:2 6:1) und auch dieser Sieg war speziell, denn Wawrinka war damals als Topgesetzter in das Großturnier gestartet.

Knapp drei Jahre später stehen sie sich nun in Melbourne zum dritten Mal gegenüber. Das Match wird nicht vor 4:30 deutscher Zeit in der Rod Laver Arena beginnen.