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Indian Wells & Co.: Die besten Tennisspots in Kalifornien

Traumziel Kalifornien: Wir haben den US-Bundesstaat bereist und Stopps in Indian Wells und L.A. gemacht – die besten Tennisspots der „Wüste“ und eine Stippvisite in Hollywood.

Tag 1: Von L.A. in die Wüste

Landen auf dem Los Angeles International Airport am frühen Nachmittag, Porsche 911 Carrera 4 – ein Traum in silbermetallic – in Empfang nehmen und los geht‘s. Allerdings spüren wir die schlappen 13 Stunden Flug. Und die neun Stunden Zeitunterschied! Immerhin ist der Temperaturunterschied nicht so groß wie erwartet. Kühl ist es in L.A., die Jacken bleiben an. In weiser Voraussicht haben wir die erste Übernachtung „on the road“ geplant. Wir nächtigen im 60 Meilen entfernten San Bernadino. Die Stadt ist aus zwei Gründen bekannt: Die Route 66, Amerikas legendärer Highway, führt vorbei und der erste McDonalds-Laden entstand hier. Vor dem Schlafengehen gibt es passenderweise noch einen Burger, den wir mit zwei Corona herunterspülen. Weiter geht‘s am frühen Morgen Richtung Indian Wells – gefühlt ist immer noch Tag eins. Eingrooven steht auf dem Programm, die Szenerie mit den Palmen, den manikürten Rasenflächen, dem tiefblauen Himmel und den Villen wohlhabender Menschen auf uns wirken lassen. Im Indian Wells Tennis Garden holen wir unsere Akkreditierungen für das Mastersturnier, das morgen startet, ab – und treffen Turnierchef Tommy Haas. „Besucht mich gerne in den nächsten Tagen“, sagt er. Machen wir!

Das Stadion 1 in Indian Wells fasst 16.100 Zuschauer.

Infos Indian Wells Tennis Garden

Adresse: 78-200 Miles Ave, Indian Wells, CA 92210, USA
Plätze: 29 Hartplätze (23 mit Flutlicht)
Angebot: ganzjährige Kurse, Platzmiete: 30 Dollar pro Person und Tag, Highlight: „BNP Paribas Desert Drill“ – Kurse während des Turniers von 7.30 bis 9 Uhr für 80 Dollar.
Mehr Infos: www.iwtg.net

Tag 2: Unterwegs im Coachella Valley

Der Tag startet wie der Vortag zuende gegangen ist: blauer Himmel, Sonne satt. Der erste Blick fängt einen Golfspieler beim Abschlag ein. Wer in die Gegend um Palm Springs kommt, weiß: Hier wimmelt es von Golfplätzen. Mehr als 100 gibt es im „Valley“ oder in der „Desert“, der kalifornischen Wüste. Tennisplätze gibt es noch mehr. Rund 1.000 – in Hotels und privaten Country Clubs – schätzen Insider. Und fast alle scheinen voll zu sein. Der anfängliche Eindruck festigt sich in den nächsten Tagen: Tennis in und um Indian Wells boomt. „Ihr habt die beste Zeit des Jahres erwischt“, sagt Elliot Pegg. Der Tennisdirektor im Rancho Las Palmas Resort und SPA hat gerade sein Training mit einem älteren Ehepaar beendet, muss aber schon zum nächsten Platz hetzen. „Wir können später reden“, ruft er uns noch zu. Aus dem „später“ wird nichts, auch wenn wir nach einer kurzen Visite im Tennis Garden, abends wieder im Rancho landen. Brechend voll ist jetzt der kleine Centre Court der Anlage, die das US-Tennis Magazine unter die besten 50 des Landes gewählt hat. „Tennis with the stars“ steht auf dem Programm – Simona Halep, Frances Tiafoe, Steve Johnson und Jelena Ostapenko spielen ein von Tennislegende und TV-Kommentator Cliff Drysdale, 76, moderiertes Showdoppel. Nach dem Match, als es dunkel ist und die Stars Autogramme geben, sagt Drysdale: „Für mich ist dies das Tennisparadies.“

Neuester Trend in den USA: Pickleball-eine Art Kleinfeldtennis mit Plastikschläger und-ball.

Infos Rancho Las Palmas Resort & Spa

Adresse: 41000 Bob Hope Dr, Rancho Mirage, CA 92270, USA
Plätze: 25 Hartplätze (8 Flutlicht)
Angebot: tägliche Kurse, z.B. „Adult Camp“ mit 2 Std. Gruppentraining und 1 Std. Einzeltraining für 110 Dollar, gilt für Oktober bis April.
Mehr Infos: www.cliffdrysdale.com, www.rancholaspalmas.com

Tag 3: Treffen mit Maria S.

Maria Sharapova gibt sich die Ehre, nicht auf der Turnieranlage, sondern in ihrem Hotel – dem noblen La Quinta Resort & Club. Seit Jahren ist die 31-Jährige Gast, wenn sie in Indian Wells spielt. Wir sind zum Interview verabredet. Adresse: 49449 Eisenhower Drive. Klingt staatstragend, ist aber komplett entspannt, weil Sharapova bestens gelaunt ist. Sie kommt gerade von einem PR-Termin, trägt lässig schwarze Jogginghose und einen schwarzen Sweater. Nach ein paar Fotos nimmt sie im Kaminzimmer neben der Hotellobby Platz – Audienz eröffnet. Dass sie einen Tag später ihr Erstrundenmatch gegen Naomi Osaka 4:6, 4:6 verlieren würde, war zu dem Zeitpunkt nicht abzusehen. In jedem Fall ist der Blick hinter die Kulissen ergiebig. „Hier wohnen eine Menge Stars“, sagt Lynne Rolley, Cheftrainerin im La Quinta. Die ältere Dame ist eine Instanz im US-Tennis, arbeitete 15 Jahre für die USTA. Als der Deutsch-Amerikaner Mike Bauer 1983 das Halbfinale in La Quinta, dem Vorgängerturnier von Indian Wells, erreichte und auf dem Weg dorthin Jimmy Connors und Brad Gilbert schlug, wurde er von Rolley trainiert. „Damals habe ich mich in das Resort verliebt“, sagt Rolley. Kein Wunder bei der Pracht. Als wir die Anlage verlassen, treffen wir das Team von Angelique Kerber. „Gleich trainiert Angie hier“, heißt es. Wir wollen sie bei ihrer Vorbereitung nicht stören und düsen in den zehn Autominuten entfernten Tennis Garden.

Im Westen steigt auch die Tennisprominez ab. Viktoria Azarenka und die Bryan-Brüder haben hier schon gewohnt.

Infos The Westin Mission Hills Golf Resort & Spa

Adresse: 71333 Dinah Shore Drive, Rancho Mirage, CA 92270, USA
Plätze: 7 Hartplätze (mit Flutlicht)
Angebot: 25 Dollar Platzmiete. Ein 1,5 Std.-Kurs kostet 50 Dollar mit max. 4 Spielern. Kurse gibt es jeden Tag. Privat-Trainerstunde: 90 Dollar.
Mehr Infos: www.pbitennis.com, www.westinmissionhills.com

Tag 4: Schuften in den Bergen

Wenn man sich einen Coach wünschen dürfte, käme Caerwyn Evans der Idealvorstellung ziemlich nahe. Der Cheftrainer der Desert Tennis Academy im Shadow Mountain Resort ist einer der anpackt, Ideen hat und genau das richtige Maß findet, zwischen fordern und seinen Schülern das Gefühl geben, dass sie mit ihrem Tennis auf dem richtigen Weg sind. Heute packe ich den Schläger aus – mehr Serve als Drive. „Komm’ morgens um neun, dann kannst du drei Stunden Bälle schlagen“, mailte mir der Waliser am Abend vorher. Jetzt sind die Courts voll. „Während der BNP Paribas Open ist die Hölle los“, sagt Caerwyn. Auf sechs Plätzen startet die „Clinic“, sechs Spieler und ein Coach pro Platz nach 30 Minuten wird gewechselt, die Coaches bleiben auf ihren Plätzen. Vorhand- und Rückhanddrill, Volley- und Doppeltraining, Aufschläge und Return, Punkte spielen – schweißtreibend und ein sehr gutes Training. „Hat es dir gefallen?“, fragt Caerwyn. Es hat. Und 100 Dollar für den Kurs sind ein echtes Schnäppchen. „Wie bist du überhaupt hier gelandet?“, fragt Dave, ein etwa 60-jähriger ordentlicher Spieler, der in meiner Gruppe eingeteilt war. Dave kommt aus San Francisco. Selbst für ihn ist das Shadow Mountain Resort ein Geheimtipp. Dave macht es übrigens wie die meisten Tennisliebhaber in diesen Tagen: Morgens spielt er selbst, nachmittags und abends guckt er die Matches im Indian Wells Tennis Garden. Wir fahren auch wieder hin. Heute gibt‘s den großen Auftritt von Serena Williams nach der Babypause.

Wie der Name verrät, liegt das Shadow Mountain Resort in den Bergen.

Infos Shadow Mountain Resort and Club

Adresse: 45-750 San Luis Rey, Palm Desert, CA 92260, USA
Plätze: 16 (davon 3 Har-Tru, Sand)
Angebot: Ab Oktober bis Juni jeden Tag Kurse, z.B. 9 – 12 Uhr von Mo bis So. Kurs „Technik, Drill und Matches“ für 100 Dollar.
Mehr Infos: www.shadowmountainresort.com

Im La Quinta Resort, wo auch Angelique Kerber während des Turniers wohnte, ist das Trainingsniveu extrem hoch.

Infos La Quinta Resort & Club

Adresse: 49499 Eisenhower Dr, La Quinta, CA 92253, USA
Plätze: 16 Hart-, 5 Sandplätze, 8 Pickleball-Courts
Angebot: Diverse Kurse 1,5 bis 3 Std. täglich mit bis zu 12 Coaches. Preise auf Anfrage. 38 Dollar Platzmiete für Sand- und 28 Dollar für Hartplatz.
Mehr Infos: www.laquintaresort.com

Tag 5: Fast wie Wimbledon

Andrea Petkovic? Sie ist es tatsächlich. Wir können beide nicht glauben, dass wir uns hier treffen, hier im JW Marriott Desert Springs Resort. Das Team von tennis MAGAZIN befindet sich weiter auf der Recherche nach den besten Spots rund um Indian Wells; die deutsche Fed Cup-Spielerin, mittlerweile nur noch die Nummer 102 der Welt, hat Verpflichtungen für das US-Tennismagazin Racquet, für das sie gelegentlich schreibt. Petkovic steht jetzt vor dem Clubhaus und ist genau wie wir fasziniert von den Rasenplätzen, die vor uns liegen – saftig grün und unversehrt. „Wenn man aus dem Clubhaus tritt, passiert bei allen das, was wir Aha-Effekt nennen“, sagt Jim Leupold später. Der 54-Jährige ist der Cheftrainer und was er meint, ist ein einzigartiger Blick: auf die Rasencourts, auf die Sand- und Hartplätze dahinter und auf die Berge im Hintergrund, die aussehen wie eine Hollywood-Kulisse. Wie im Westin wird auch das Mariott von der globalen Tennisakademie Peter Burwash International betrieben, Jim ist seit 30 Jahren im Einsatz für PBI. „Als ich kam, dachte ich, hier bleibe ich zwei Jahre. Es ist ein bisschen länger geworden“, grinst er. Von der großzügigen Anlage mit den 20 Plätzen ist er so begeistert wie am ersten Tag. „In den 90er-Jahren entstand der Plan, das Hartplatzstadion durch die Grascourts zu ersetzen“, sagt er, „wir könnten hier ohne Probleme eine Davis Cup-Partie durchführen.“ Eine ziemlich gute Idee.

Mitten in Indian Wells kann man auf fantastisch präparierten Grasplätzen spielen.

Infos JW Marriott Desert Springs Resort & Spa

Adresse: 74-855 Country Club Dr, Palm Desert, CA 92260, USA
Plätze: 15 Hart-, 3 Sand- und 2 Grasplätze
Angebot: Grand Slam Round Robin von November bis April je 2-mal pro Woche; während des Turniers jeden Tag: Fun-Matches auf allen Belägen.
Mehr Infos: www.pbitennis.com, jwmarriottdesertsprings.com

Tag 6: Regen in Los Angeles

Wir lassen die Wüste hinter uns und fahren zurück an die Küste – 120 Meilen westwärts. Die Versuchung ist groß, bei unserem 370 PS-starken Flitzer das Gaspedal durchzudrücken, aber wir müssen geduldig sein – schneller als 75 Meilen pro Stunde, also 120 km/h, dürfen wir auf der Interstate I 10 nicht fahren. Und mit Cops sollte man sich in den USA nicht anlegen. Das schöne Wetter ist leider passé – Regen in Los Angeles. Die Wettervorhersage für morgen ist auch nicht besser. Galt für Indian Wells die Devise, auf den Hotelanlagen kann jeder spielen, heißt es jetzt: for members only. Wir sind in einem der größten Privatclubs im Großraum L.A. – dem Riviera Country Club, erhaben in den Bergen gelegen. Die Schranke an der Einfahrt dürfen wir nur passieren, weil wir angemeldet sind. Als Normalsterblicher bekommt man keinen Einlass. Die Hollywoodprominenz, Nicole Kidman & Co., taucht gelegentlich auf – beim Tennis und beim Golf nebenan – , mächtige CEOs und Ex-US-Präsident Barack Obama. Im mit Pokalen drapierten Clubhaus steht Jack Tadevosian, 32, seit zehn Jahren Trainer im Riviera und plaudert aus dem Nähkästchen. „Früher war Pete Sampras oft mit seinem Sohn da, aber ich habe ihn länger nicht gesehen“, sagt er. Andre Agassi sei Dauergast gewesen, als er noch in Pacific Palisades wohnte – mit seiner Ex Brooke Shields.

Im Riviera Country Club haben früher Andre Agassi und Pete Sampras trainiert.

Infos The Riviera Country Club

Adresse: 1250 Capri Drive, Pacific Palisades, CA 90272, USA
Plätze: 22 Hart-, 2 Sandplätze
Angebot: Die Junior Academy ist öffentlich, ansonsten gilt: kein Eintritt für Nichtmitglieder. Deshalb keine Wertung. Kostenpunkt für Mitglieder: 50.000 $ Aufnahmegebühr, 600 $ Monatsbeitrag.
Mehr Infos: therivieracountryclub.com

Tag 7: Der Club von Mr. Ellison

Der letzte Tag. Abends geht es zurück mit dem Flieger nach Deutschland. Tagsüber schnuppern wir zum letzten Mal Tennis in der Großstadt. Von unserem Hotel im wolkenverhangenen Venice Beach dauert die Fahrt bis zum Malibu Racquet Club eine knappe halbe Stunde. Gefühlt liegt die Anlage mit den sieben Hardcourts um die Ecke, aber wer einmal in der Greater Los Angeles Area war, bekommt eine andere Vorstellung von Entfernung. Wobei: In Malibu, auf dem historischen Highway 1 mit seinen Holzvillen und den zahlreichen Fischrestaurants direkt an der Pazifikküste, herrscht heute wenig Verkehr. Unser Ziel liegt fast direkt an der Hauptstraße. Die Story: Larry Ellison – CEO des Technologieriesen Oracle und Besitzer des Masters von Indian Wells – hat den Club seiner Freundin geschenkt. Da der Milliardär allerdings häufiger die Lebensgefährtinnen zu wechseln scheint, gehört er jetzt wieder ihm. Unser Tipp: einfach mal einen Drink im Clubhaus nehmen und kalifornische Surf- und Tennislässigkeit auf einen wirken lassen!

Cooles Clubhaus: Der Malibu Racquet Club. John McEnroe und Redfoo, der Ex von Viktoria Azarenka sind Mitglieder.

Infos Malibu

Racquet Club
Adresse: 23847 Stuart Ranch Rd, Malibu, CA 90265, USA
Plätze: 7 (alle mit Flutlicht)
Angebot: Wer von einem Mitglied eingeladen wird, darf spielen. Sogar für nur zehn Dollar in der nicht Prime Time. Ansonsten gilt: alles privat. Daher keine Wertung.
Mehr Infos: maliburacquetclub.com