Zverev im Achtelfinale von Indian Wells: „Super-Sieg für mich“
Alexander Zverev hatte mehr Mühe als erwartet gegen Brandon Nakashima, freute sich in Indian Wells aber über seinen aggressiven Game-Style.
Das, was sich Tennisspieler vor Partien zum Ziel setzen und dann letztlich im Match auf dem Platz wirklich zeigen, ist nicht immer identisch. Das kennen Amateurspieler genauso gut wie Profis. Vieles ist vom Gegner abhängig, um seine eigenen taktischen und spielerischen Vorsätze auch wirklich umzusetzen.
Alexander Zverev hat in den letzten Tagen beim Großturnier von Indian Wells mehrfach betont, dass er in seinen Matches künftig aggressiver spielen und mehr Risiken eingehen will. Natürlich ist diese Umstellung grundsätzlich begrüßenswert, weil Zverev eigentlich alles mitbringt, um auch als eher offensiv ausgerichteter Spieler Erfolg zu haben.
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Zverev vor Start in Indian Wells: „Aggressiver sein, mehr Risiken eingehen“
Aufschlag und Rückhand zählen zu den besten auf der Tour. Wie oft wünschte man es sich in der Vergangenheit, dass er seinen Geschossen doch häufiger als Netz folgen würde. Klar, Vorhand und Volleyspiel sind immer noch ausbaufähig. Dennoch: Dass Zverev in den Rallys näher an der Grundlinie bleiben und sich weniger zurückdrängen lassen will, kann seinem Spiel langfristig nur guttun.
Zverev mit dem einzigen Break im letzten Spiel
Im Drittrundmatch von Indian Wells gegen Brandon Nakashima sah man nun, dass Zverev seine angekündigte Offensivausrichtung noch nicht so verinnerlicht hat, wie es sich selbst vielleicht wünscht. Ein Grund dafür war sein Gegner. Nakashima machte jede Menge Druck, insbesondere bei seinen eigenen Aufschlagspielen. Er ließ in den ersten beiden Sätzen keinen einzigen Breakball zu. Es spricht dann am Ende für Zverev, dass er diese Partie mit 7:6, 5:7, 6:4 gewann. Das einzige Break schaffte der Deutsche im zehnten Spiel des dritten Durchgangs und war gleichbedeutend mit dem Matchsieg.
100 not out 💯@AlexZverev collects his 100th Masters level win as he beats Nakashima 7-6 5-7 6-4 💪#TennisParadise pic.twitter.com/7wSDWwi5g1
— Tennis TV (@TennisTV) March 8, 2026
„Man glaubt es kaum, aber er hat einen der besten Aufschläge auf der Tour, vor allem, weil er so präzise ist. In den ersten zweieinhalb Sätzen hatte ich keine Chance, ihn zu breaken. Die einzige Möglichkeit, die ich hatte, habe ich am Ende genutzt – und ich bin sehr glücklich. Es war ein schwieriges Spiel und für mich ein Super-Sieg“, sagte Zverev im On Court-Interview.
Es gab in dem Match Situationen, in denen man erkannte, dass Zverev darum bemüht war, selbst die Initiative zu ergreifen und offensiv zu punkten. Einmal etwa umlief er seine eigentlich stabile Rückhand und hämmerte eine Vorhand-Inside-In zum Winner in die gegnerische Hälfe – ein ungewöhnlicher Move des Deutschen. Im Tiebreak des ersten Satzes war er schließlich klar tonangebend und gewann ihn mit einer krachenden Vorhand-Cross 7:2. „Ich habe den Tiebreak selbst gewonnen, weil ich aggressives Tennis gespielt habe. Das ist etwas, über das ich mich freue“, sagte er. Inklusive seiner 15 Asse kam Zverev am Ende auf 36 Winner – bei 21 leichteren Fehlern.
Coming in clutch 🙌@AlexZverev takes the opener 7-6 in #TennisParadise pic.twitter.com/oxjs5bgfeN
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Zverev fiel zurück in alte Muster
Im zweiten Durchgang allerdings fiel er zu sehr in alte Muster zurück und gab bei 5:5 sein Aufschlagspiel zu 15 ab. Nakashima brachte danach sein Servicegame zu null durch. Heißt: In der wichtigen Schlussphase des zweiten Satzes machte Zverev nur einen von neun Punkten, weil er zu zurückhaltend agierte. Manchmal – das hatte der Hamburger schon zuvor angedeutet – würde er noch „auf seine Art“ spielen, womit er eine eher abwartende und etwas defensivere Spielweise meinte. So gesehen, war es vielleicht sogar gut, dass Zverev den zweiten Satz verlor, weil die alten Muster nicht mehr griffen. Ihm muss klar geworden sein, im dritten Durchgang wieder aggressiver werden zu müssen.
Zverev schaffte diesen Turnaround. Im dritten Satz machte Nakashima nur insgesamt vier Punkte beim Aufschlag des Deutschen. Und der Weltranglisten-Vierte erspielte sich seinerseits die ersten Breakpunkte. Beim Stande von 1:0 ließ er noch zwei davon liegen; bei 5:4 schließlich patzte der 24-jährige US-Profi – Zverev hatte gewonnen. „Immer, wenn ich die Chance hatte, war ich aggressiv. Wenn ich das Spiel kontrollieren konnte, habe ich das getan. Das ist nicht so einfach, wenn jemand fast 20 Asse gegen dich serviert“, analysierte er später.
Insgesamt war der 28-jährige Norddeutsche zufrieden über seine neue Herangehensweise: „Es ist aufregend. Und es dauert, wie ich schon gesagt habe, weil ich Matches auch gewinnen will.“ Vor dem Turnierstart in Indian Wells hatte er darüber gesprochen, dass er auf seiner Wandlung zu einem insgesamt offensiver ausgerichteten Spielertypen auch Niederlagen einpreisen müsste – wie etwa in Acapulco, wo er im Achtelfinale an Miomir Kecmanovic scheiterte. Für ihn aber sei es nun wichtig, „den richtigen Weg weiterzugehen“. Vielleicht hat er sich auch deswegen so über den Triumph gegen Nakashima gefreut.
Zverev in Indian Wells nun gegen Tiafoe
Im Achtelfinale am Dienstag trifft Zverev nun auf den nächsten US-Spieler. Gegen Frances Tiafoe hat er eine eindeutige 8:1-Bilanz. Die einzige Niederlage stammt aus der Saison 2017. Im Viertelfinale würde dann der Sieger der Partie zwischen Felix Auger-Aliasimme und Arthur Fils auf ihn warten. Jannik Sinner könnte der Halbfinalgegner heißen.
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Zwei Siege ist Zverev nun noch entfernt von einem kleinen Karriere-Meilenstein: Sollte er in Indian Wells – seinem bislang „schlechtesten“ 1000er-Masters-Turnier – erstmals in die Runde der letzten Vier einziehen, hätte er das Halbfinale bei allen neun Großturnieren auf der ATP-Tour als erster Spieler nach den „Big Four“ erreicht.
