So könnte Alexander Zverev schon am 18. Oktober die Nummer eins der Welt werden
Alexander Zverev hat eine realistische Chance, Jannik Sinner als Nummer eins der Weltrangliste abzulösen – im Idealfall sogar schon Mitte Oktober.
Wie schnelllebig der Profisport manchmal sein kann. Noch Mitte Juli, nach seiner Finalniederlage gegen Jannik Sinner in Wimbledon, lag Alexander Zverev in der ATP-Weltrangliste fast 5.000 Punkte hinter dem Italiener zurück – scheinbar uneinholbar. Keine drei Monate später hat sich das Bild fundamental geändert. Sinner hat seit dem Wimbledon-Titel kein Turnier mehr gespielt – Knieprobleme. Zverev hingegen holte sich nach seinem Triumph in Roland Garros bei den US Open den zweiten Grand-Slam-Titel des Jahres.
Plötzlich ist es für den Deutschen möglich, Jannik Sinner von der Spitze der Weltrangliste zu verdrängen. Sein aktueller Rückstand laut ATP-Ranking beträgt 1.810 Punkte. Das ist immer noch eine Menge Holz, aber tatsächlich könnte Zverev schon am 18. Oktober Sinner als Nummer eins ablösen. Das ist allerdings ein Szenario, bei dem Zverev die beiden anstehenden Turniere in Asien – Peking und Shanghai – gewinnen muss. Gleichzeitig müsste Sinner beide Turniere auslassen.
China Open: Zverev gegen Djokovic
Die China Open in Peking hat der Südtiroler aufgrund anhaltender Kniebeschwerden bereits abgesagt. Dort wäre er als Titelverteidiger an den Start gegangen. Ob er nun in Shanghai sein Comeback geben wird, ist noch ungewiss. Viele in der Szene halten einen Start dort aber für eher unwahrscheinlich. 2025 gab er in Shanghai in der dritten Runde gegen Tallon Griekspoor auf. Die enorm schwülen Wetterverhältnisse hatten ihm zu schaffen gemacht. Insbesondere italienische Medien rechnen damit, dass Sinner erst für die europäischen Hallenturniere zurückkommen wird (Wien, Paris, Turin, Davis Cup in Bologna) – wenn überhaupt.
Schon klar: Dass Zverev nach dem Finale des Masters-1000er-Turniers in Shanghai am Sonntag, dem 18. Oktober, die erste deutsche Nummer eins seit Boris Becker und einen Tag später die offizielle neue Weltrangliste anführen wird, ist sehr spekulativ.
Aber: Es ist nicht komplett unwahrscheinlich, auch wenn schon die Auslsoung der China Open ihre Tücken hat. Im Viertelfinale könnte Zverev nämlich auf Novak Djokovic treffen, der in Peking tatsächlich noch nie ein Match verloren hat. Sechs Turnierstarts, sechs Titel, 29:0 Siege – heftig! Aber: Seine letzte Teilnahme bei den China Open liegt schon elf Jahre zurück.
Szenario für die China Open in Peking
Schauen wir uns die Konstellation im Ranking etwas genauer an. So sieht das mögliche Szenario für die China Open in Peking aus:
| Schritt | Alexander Zverev | Jannik Sinner | |
|---|---|---|---|
| Ausgangswert | 9.690 | 11.500 | |
| Punkte Peking 2025 | −100 | −500 | |
| Max. Punkte Peking | +500 | 0 | |
| United Cup Zverev | +40 | – | |
| Stand nach Peking | 10.130 | 11.000 | |
| Rückstand Zverev | -870 |
Zunächst einmal verlieren beide Spieler die Peking-Punkte aus dem Vorjahr. Bei Zverev sind es 100 Punkte, weil er 2025 im Viertelfinale gegen Daniil Medvedev verlor. Sinner büßt als Titelverteidiger dagegen 500 Punkte ein. Sollte Zverev das Turnier gewinnen, bekommt er 500 Punkte gutgeschrieben. Da Sinner nicht antritt, kann er nichts hinzugewinnen – heißt: null Punkte für ihn.
Wichtig: In die Wertung von Zverev rutschen noch die 40 Punkte vom United Cup zu Beginn des Jahres rein. Dies ist dem sogenannten „Best-of-18-System“ der ATP geschuldet. Das heißt: Maximal 18 Turnierergebnisse der letzten 52 Wochen werden gewertet. Das sind bei den Topspielern die vier Grand Slam-Turniere, acht verpflichtende Masters-1000er-Events sowie die sechs besten Resultate von 500er- bzw. 250er-Turnieren – oder eben vom United Cup wie in Zverevs Fall.
Zverev kann in Peking viele Punkte aufholen
Peking ist ein 500er-Turnier und lief bei Zverev als eines seiner sechs besten Ergebnisse abseits der Großturniere. Es fällt nun aus der 52-Wochen-Wertung und wird durch das United Cup-Resultat ersetzt. Sinner hat in dieser Kategorie zu wenige Turnierstarts und ein „Nachrück-Ergebnis“ gibt es für ihn nicht. Ihm werden also die Punkte von Peking 2025 komplett abgezogen (-500).
Die Rechnung von Zverev ist etwas komplexer: Vom aktuellen Punktestand (9.690) werden ihm zunächst die Peking-Punkte aus dem Vorjahr abgezogen (-100) und gleichzeitig die United-Cup-Punkte gutgeschrieben (+40). Sollte er nun tatsächlich in der chinesischen Hauptstadt den Titel holen (+500), hätte er unterm Strich 440 Punkte hinzugewonnen und käme auf eine Gesamtpunktzahl von 10.130. Der Rückstand zu Sinner läge dann nur noch bei 870 Punkten.
Szenario für das 1000er-Masters in Shanghai
Schauen wir nun nach Shanghai. So sieht das mögliche Szenario dort aus:
| Schritt | Alexander Zverev | Jannik Sinner |
|---|---|---|
| Stand nach Peking | 10.130 | 11.000 |
| Punkte Shanghai 2025 | −50 | −50 |
| Max. Punkte Shanghai 2026 | +1.000 | 0 |
| Stand nach Shanghai | 11.080 | 10.950 |
| Vorsprung Zverev | +130 |
Sollte Sinner also tatsächlich nicht in Shanghai antreten können, ergibt sich für Zverev die große Chance, mit einem Turniersieg seinen Konkurrenten in der Weltrangliste zu überholen. Die Ausgangslage ist zunächst für beide gleich: Sowohl Zverev als auch Sinner verlieren jeweils 50 Punkte aus dem Vorjahr, weil sie 2025 in der dritten Runde ausschieden: Sinner – wie erwähnt – gegen Griekspoor, Zverev gegen Rinderknech. Wenn Zverev nun den Titel holt (+1000), würde er Sinner mit 130 Punkten Vorsprung hinter sich lassen. Er wäre am 18. Oktober die neue Nummer eins.
Zverev mit weiteren Chancen auf die Nummer eins
Wem das alles zu viel Spekulation ist, dem sei gesagt: Selbst wenn Zverev dieses Fenster zur Nummer eins nicht nutzen wird, hat er in den weiteren Wochen bis zum abschließenden Höhepunkt bei den ATP-Finals in Turin noch einige Optionen, um den Thron der Tenniswelt zu besteigen. Sinner ist in Summe unter Zugzwang, weil er die Turniere in Wien, Paris und die ATP-Finals 2025 jeweils gewann – und dabei immer Zverev bezwang.
Der Deutsche hingegen hat weitaus weniger Punkte zu verteidigen: Finale in Wien, Halbfinale in Paris, Vorrunden-Aus in Turin. Das heißt: Je nachdem, ob und wann Sinner wieder ins Tour-Geschehen eingreift, ist die Ausgangslage ideal für Zverev, um die Saison 2026 als Nummer eins der Welt abzuschließen. Das hat noch nicht einmal Boris Becker geschafft. Zverev würde das nächste Kapitel deutscher Tennisgeschichte schreiben.
