Lilli Tagger: Österreichs Rückhand-Rebellin
Lilli Tagger, 18, wollte als Kind ihre Rückhand unbedingt einhändig spielen und stand schon in den Top 50 der Weltrangliste. Österreichs spannendste Spielerin im Porträt.
Vicenza, kurz nach Lilli Taggers 13. Geburtstag. Stephan und Sabine Tagger haben ihre jüngste Tochter gerade bei ihrem neuen Trainer Massimo Sartori in Norditalien abgeliefert und machen sich auf den Heimweg nach Osttirol in Österreich. Eine 13-Jährige, allein in einem fremden Land mit fremder Sprache. Die Eltern rechnen auf der Rückfahrt mit einem Anruf ihrer Tochter: Kehrt um, holt mich wieder ab. Der Anruf kommt aber nicht.
Heimweh habe ihre Tochter damals durchaus gehabt, erzählte Sabine Tagger im Mai 2025 bei einem Besuch von LAOLA1 in Lienz, dem Heimatort der Familie Tagger. Nicht jeder Tag sei schön gewesen. Aber Lilli, inzwischen 18 Jahre alt, habe gewusst, dass sie diesen Weg grundsätzlich gehen wolle – und dass sie dafür auch Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen müsse.
Lilli Tagger und die Verbindung zu Jannik Sinner
Coach Sartori – eine Instanz im italienischen Tennis, der schon Andreas Seppi, Karin Knapp, Simone Vagnozzi und Marco Cecchinato trainierte – wurde der Familie Tagger damals von Alex Vittur empfohlen. Bei dem Namen klingelt es doch. Denn: Vittur ist der Manager von Jannik Sinner. Bis heute kümmert er sich auch um die Belange von Lilli Tagger.
Nur knapp 50 Kilometer trennen die beiden Elternhäuser. Familie Tagger aus Lienz im österreichischen Osttirol, Familie Sinner im italienischen Südtirol – dazwischen liegt das Pustertal. Manager Vittur und Coach Sartori sind die verbindenden Elemente. Sartori ist nämlich auch einer der Wegbegleiter von Jannik Sinner und erkannte schon früh dessen immenses Potenzial.
Lilli Tagger on Jannik Sinner:
“I remember the first time I met him, we were skiing together. I think I’m very lucky to have him a little close to me. I was lucky to be there with them and also learn from his coaches. That week [pre season 2025] helped me a lot.”
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— janniksin archive (@sinnervideos) May 13, 2026
Ein Mädchen mit Heimweh
Inzwischen ist aus dem Mädchen mit dem Heimweh eine der spannendsten Spielerinnen auf der WTA-Tour geworden. 1,85 Meter groß, aufschlagstark, mit einer einhändigen Rückhand, einem Schlag, der im modernen Damentennis so gut wie ausgestorben ist. Sie schoss zuletzt in einem derartigen Tempo die Weltrangliste nach oben, von dem selbst ihr eigenes Umfeld überrascht war. Im Sommer 2026 stand Tagger, die erst im Februar 18 Jahre alt wurde, in den Top 50. Aktuell rangiert sie auf Position 61.
Dass Lilli Tagger Tennisspielerin wurde, ist keine große Überraschung. Vater Stephan und Mutter Sabine spielten beide in der österreichischen Bundesliga, die älteren Geschwister Ben und Emma schlagen in der Landesliga auf. Im Tennisclub Lienz griff Lilli schon mit vier Jahren zum ersten Mal zum Schläger. Ein Profi-Plan steckte nicht dahinter, betont die Mutter. Es sei Schritt für Schritt gegangen, bis sich die Sache irgendwann verselbständigt habe.
Pendeln mit der großen Schwester
Für die Familie hieß das vor allem: Kilometer fressen. Die meisten Nachwuchsturniere finden im Osten Österreichs statt, Lienz liegt am anderen Ende des Landes. Als Lilli in der U10 spielte, war Emma in der U12 und Ben in der U14 – die Taggers fuhren an den Wochenenden quer durchs Land. Ab der ersten Gymnasiumklasse kam ein zweiter Fixpunkt dazu: Zweimal pro Woche pendelten Lilli und Emma nach Kirchberg bei Kitzbühel, eineinhalb Stunden pro Strecke, zum australischen Trainer Mark Carruthers. Rückblickend fragt sich Sabine Tagger, wie die Familie das neben der Schule überhaupt geschafft hat.
In die Carruthers-Zeit fällt auch die Entscheidung, die Tagger bis heute prägt. Mit elf Jahren stellte sie auf die einhändige Rückhand um. Sie habe das schon immer gewollt, der Trainer habe sie dabei voll unterstützt. Skeptisch war zunächst der Vater. Die Frage wurde am Familientisch mehr als einmal diskutiert – am Ende war es aber gerade Stephan Tagger, der in dieser Phase viel mit seiner Tochter am neuen Schlag feilte. Lilli wusste, dass die Ergebnisse anfangs leiden würden. Sie blieb trotzdem dabei und nahm nie wieder die zweite Hand dazu.
Wette um die einhändige Rückhand
Tagger selbst erzählt die Geschichte mit einer anekdotischen Zuspitzung. Bei einem U12-Turnier in der Nähe von Wien habe sie angekündigt: Wenn sie das Turnier gewinne, wolle sie auf einhändig umstellen. Sie holte den Titel (mit einer beidhändigen Rückhand!) und spielt seitdem einhändig. Es war ihre eigene Entscheidung. „Immer, wenn ich einen leichteren Ball bekommen habe, wollte ich ihn automatisch einhändig schlagen“, sagt sie. „Das hat sich einfach am natürlichsten angefühlt. Ich habe für mich entschieden, dass ich so spielen will.“
Ob das im modernen Damentennis noch funktionieren kann? Ihr bisheriger Aufstieg gibt ihr zwar recht, aber Expertinnen wie Barbara Schett äußerten schon öffentlich ihre Zweifel. Die einhändige Rückhand sei ihr normaler Schlag, sagte Tagger im Mai 2026 in Rom, sie bringe ihr Winkel, die beidhändig nicht möglich wären. Ihr Fazit: „Ich bin superfroh, dass ich gewechselt habe.“ Feststeht: Tagger kann mit der Einhändigen enorme Schlaggeschwindigkeiten erreichen und ihr Schwung sieht so locker und natürlich aus, dass man sich eine beidhändige Rückhand bei ihr gar nicht mehr vorstellen kann.
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— soppi but it’s vidamitsover era (@sopp1_sopii) July 24, 2026
Nach zwei Jahren endete die Zusammenarbeit mit Carruthers, die Pendelei nach Kirchberg war für die Familie kaum noch zu stemmen. Die Taggers mussten sich neu orientieren. Dabei wurde Bruder Ben aktiv: Er hatte Jannik Sinner im Fernsehen beim Turnier in der Wiener Stadthalle gesehen und der Mutter erzählt, dass der Südtiroler gleich hinter der Grenze aufgewachsen sei – also ganz in der Nähe.
Doch nicht zur Mouratoglou-Akademie
Die Taggers recherchierten intensiver und landeten so beim späteren Manager Alex Vittur, der mit Massimo Sartori den nächsten Coach für Tagger empfahl. Das Timing war knapp. Zu Hause lag schon ein unterschriftsreifer Vertrag mit der Akademie von Patrick Mouratoglou auf dem Tisch. Am Ende entschied man sich gegen die Star-Akademie und für die kleinere Lösung bei Sartori.
Zunächst trainierte Lilli Tagger wochenweise bei ihm. Sartori reichte das nicht, er wollte noch intensiver mit ihr arbeiten. Ein Internat gab es in seiner Akademie aber nicht. Also nahm der Trainer die Schülerin kurzerhand in die eigene Familie auf. Nach der dritten Gymnasiumklasse zog Lilli bei den Sartoris ein und wechselte auf Online-Unterricht. Um sie kümmerte sich Sartoris Mutter, eine Südtirolerin, die Deutsch spricht. Ohne diese Lösung, räumte Sabine Tagger ein, hätte das ganze Projekt nicht funktioniert.
Die Juniorinnenjahre verliefen zunächst unauffälliger, als man es heute vermuten würde. Bei den Australian Open 2025 erreichte sie das Viertelfinale der Juniorinnen, verlor dort aber nach Satzführung gegen die topgesetzte Australierin Emerson Jones. Zweifel hätten sie damals geplagt, berichtete sie später.
Lilli Tagger mit dem Titel aus dem Nichts
Fünf Monate danach war davon nichts mehr zu sehen. In Paris revanchierte sich Tagger im Halbfinale an Jones, im Finale fegte sie auf dem Court Simonne Mathieu die Britin Hannah Klugman mit 6:2, 6:0 vom Platz. Alle fünf Breakbälle wehrte sie ab, 19 Winner schlug sie. Ungesetzt und ohne Satzverlust in sechs Matches wurde sie zu einem Grand Slam-Champion bei den Juniorinnen.
Der Titel war ein Stück österreichischer Tennisgeschichte. Tagger ist die erste Österreicherin, die den Juniorinnen-Titel in Roland Garros gewann – und nach Jürgen Melzer (Wimbledon 1999) erst die zweite Person aus Österreich überhaupt mit einem Junioren-Grand Slam-Titel im Einzel. Thomas Muster (1985) und Dominic Thiem (2011) hatten in Paris jeweils das Juniorenfinale verloren.
Nach dem Matchball lief Tagger direkt auf die Tribüne, zu ihrer Trainerin: Francesca Schiavone. Diese hatte 15 Jahre zuvor auch in Paris ihren größten Triumph gefeiert und ihren einzigen Grand Slam-Titel gewonnen. Zwei Tage vor dem Finale, verriet Tagger, habe sie sich noch das Video vom Sieg ihrer Trainerin 2010 angesehen. Ihr Urteil über die Frau in ihrer Box: „Sie ist die Queen of Clay.“
Im Dreamteam mit Francesca Schiavone
Schon im Herbst 2023 wurde die nächste Weiche für Lilli Taggers Werdegang gestellt: Sie wollte auf die internationale Tour, Sartori wollte nach Jahrzehnten des Reisens nicht mehr ständig unterwegs sein und sich um seine fast 80-jährige Mutter kümmern.
La giovanissima Lilli Tagger, austriaca trapiantata in Italia, ci parla della sua allenatrice speciale…la campionessa del Roland Garros 2010 Francesca Schiavone 🇦🇹🤝🏻🇮🇹
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— Eurosport IT (@Eurosport_IT) May 24, 2026
Die Familie stand – so erzählte es Sabine Tagger – kurz davor, sich die Akademie von Michael Geserer in Deutschland anzusehen, den früheren Coach von Julia Görges. Dann rief Manager Vittur an: Lilli könne ein paar Tage bei Francesca Schiavone in Varese trainieren. Aus vier Tagen wurden drei Wochen, Deutschland war vom Tisch. Tagger selbst betont, dass sie gezielt ein Umfeld in Italien gesucht habe, sie mag „die italienische Mentalität und die Art, wie dort trainiert wird“. Inzwischen spricht sie fließend Italienisch.
Wer nun eine einhändige Rückhand spielt und von Francesca Schiavone trainiert wird, muss eine Frage immer wieder beantworten: Das kann doch kein Zufall sein, dass ihr zueinander gefunden habt? Tagger lacht darüber. „Das ist eigentlich ganz lustig! ‚Wow, du hast so eine Trainerin!‘ Das sagen alle zu mir“, erzählt sie. „Aber nein, es gab keinen tieferen Grund. Und dass sie auch eine einhändige Rückhand gespielt hat? Das ist wirklich nur Zufall.“
Lilli Tagger beeindruckt mit ihrem Kopf
Schiavone, einst Nummer vier der Welt, bestätigt, dass die Rückhand nicht ihr Werk sei: Tagger habe schon so gespielt, als sie zu ihr kam. Gearbeitet wird trotzdem daran. Die Füße müssten früher in Position sein; Slice, flacher Schlag und Topspin sollen variabler werden, erklärte sie im Sommer.
Was die Italienerin an ihrem Schützling am meisten beeindruckt, ist nicht die Rückhand. Es ist der Kopf. Tagger habe früh entschieden, ihr Zuhause zu verlassen und ihrem Traum zu folgen, und sich alles selbst erarbeitet. Schiavones Urteil: „Sie hat eine riesige Persönlichkeit.“
Dazu passt eine Einschätzung, die die Italienerin Ende 2025 gab. Lilli sei diszipliniert und arbeite jeden einzelnen Tag hart. Druck macht Schiavone nicht: Der Prozess zählt mehr als schnelle Ergebnisse, lautet ihr Grundsatz.
Schiavone als Glücksfall
Die Eltern beschreiben die Italienerin als Glücksfall. Schiavone widme sich ihrer Tochter inzwischen voll, leite das komplette Training und sei bei fast jedem Turnier dabei, erzählte Sabine Tagger 2025. Sie kümmere sich auch privat um Lilli, wenn die mal ein Wochenende allein sei. Lilli hat inzwischen nämlich eine eigene Wohnung in Mailand- Dort kocht sie selbst, besaitet ihre Schläger und lernt für die Online-Schule, wenn sie nicht auf dem Trainingsplatz steht.
Besonders schätzt die Mutter Schiavones Spielverständnis und die mentale Schule: wie man sich auf dem Platz verhält, was man der Gegnerin zeigt und was nicht. Schon damals, als Tagger bei ihr anfing, attestierte die Trainerin ihr Top 150-Niveau. Es fehle nur die Konstanz.
Anfang 2025 stand Lilli Tagger auf Platz 773 der Weltrangliste. Am 27. Juli 2026 war sie die Nummer 45 der Welt. Dazwischen liegen nur 19 Monate. Im März 2025 gewann sie im spanischen Terrassa ihr erstes Profiturnier, im Finale ausgerechnet gegen Lois Boisson, die wenig später sensationell ins Halbfinale der French Open stürmte.
Rasanter Aufstieg im WTA-Ranking
Im Herbst 2025 bekam sie eine Wildcard für das WTA-Turnier im chinesischen Jiujiang. Es war ihr erster Auftritt auf der großen WTA-Tour. Sie spielte sich ohne Satzverlust ins Halbfinale, wehrte dort gegen Viktorija Golubic drei Matchbälle ab und stand im Finale, das sie gegen Anna Blinkova verlor.
„Ich bin dort als absolute Außenseiterin hingefahren. Niemand hat etwas von mir erwartet“, erinnert sie sich. Auf der Tour versuche die Gegnerin, „dir bei jedem einzelnen Punkt wehzutun, nichts wird dir geschenkt.“
2026 ging es im selben Tempo weiter: Quali-Finale bei den Australian Open, Endspiel beim WTA-125-Turnier in Mumbai, dann die Heimwoche in Linz. Das Turnier war erstmals schon am Dienstag ausverkauft, weil Tagger an diesem Tag ihr Erstrundenmatch spielte. Der ORF übertrug ihre Partien im Live-TV. Ausgestattet mit einer Wildcard schlug sie die frühere Weltranglistenzweite Paula Badosa und die an drei gesetzte Liudmila Samsonova.
„Ich bin in Panik geraten“
Im Viertelfinale gegen Anastasia Potapova führte sie im Tiebreak des ersten Satzes mit 4:1 – und gewann danach kein einziges Game mehr – 6:7, 0:6. „Ich bin in Panik geraten, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt“, gab sie hinterher zu. Kurz darauf folgte bereits die nüchterne Analyse einer 18-Jährigen: „Von diesem Match kann ich mehr lernen als von den zwei, die ich gewonnen habe.“ Und: „Bis jetzt war es die beste Woche, die ich je gespielt habe.“
In Prag war es dann so weit. Ungesetzt schlug Tagger im Juli unter anderem Lokalmatadorin Sara Bejlek und die frühere Wimbledonsiegerin Barbora Krejcikova, im Finale drehte sie gegen Daria Snigur einen 0:3-Rückstand und gewann 7:6 (3), 6:2. Erster WTA-Titel, mit 18 die jüngste Siegerin in der Geschichte des Prager Turniers. Am Montag danach stand sie erstmals in den Top 50.

Erster WTA-Titel: In Prag 2026 holte sich Lilli Tagger ihren bislang größten Tunriersieg.Bild: IMAGO
Bei den US Open gewann sie Ende August gegen Tamara Korpatsch ihr erstes Match in einem Grand Slam-Hauptfeld. Ihre Eltern saßen in der Box. Ob sie bereit sei für ein großes Stadion gegen Amanda Anisimova? „Aber sowas von“, antwortete Tagger. Sie verlor die Partie in drei Sätzen.
Lilli Tagger als kommender Tennis-Star?
Ist Lilli Tagger nun Österreichs kommender „Tennis-Star“? Wie hungrig ihr Heimatland nach einer neuen Tennisfigur ist, lässt sich an Zahlen ablesen. Mit dem Sieg in Prag wurde Tagger erst die zehnte Österreicherin, die überhaupt ein WTA-Turnier gewonnen hat. Es war der 25. Titel für das Land auf der Tour insgesamt. Eine Bilanz, die Luft nach oben lässt.
Die großen Namen im österreichischen Damentennis liegen lange zurück. Barbara Schett und Barbara Paulus standen in den 1990er-Jahren in den Top 10, Tamira Paszek und Sybille Bammer sorgten in den 2000ern für Schlagzeilen. Danach wurde es still. Bei den Herren hinterließ Dominic Thiem nach seinem Karriereende 2024 eine Lücke, die bislang niemand füllt.
In diese Leere stößt eine Spielerin, die schon als Juniorin Geschichte schrieb. ÖTV-Sportdirektor Jürgen Melzer nannte den Pariser Juniorinnen-Titel von 2025 einen „Meilenstein im österreichischen Tennissport“. Bei der Sporthilfe-Gala war sie im selben Jahr als Aufsteigerin des Jahres nominiert.

Volle Hütte in Linz: Alle kamen, um Lilli Tagger live zu sehen.Bild: IMAGO
Tagger kann den aufkommenden Hype aushalten. Nach dem Heimturnier in Linz sprach sie von vielen neuen Momenten und von „Arbeit außerhalb des Platzes“. Ihr Team notiert schon während der Matches Stichworte für die Nachbesprechung, analysiert Wendepunkte und auch die Ballwechsel, in denen sie richtig agierte. Und bei jedem Turnier steht noch ein anderer Punkt auf dem Programm: „Unser Ziel ist es stets, uns die Stadt anzuschauen und uns kulturell weiterzubilden.“
„Ich mache einfach weiter“
Was noch kommen kann, darüber spricht Tagger nicht gern. Ihre Ziele formuliert sie stets vorsichtig und besonnen: Sie möchte in der Rangliste so weit wie möglich nach oben kommen. Wie schnell das geht, überrascht sie selbst. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich selbst gar nicht realisiere, wie schnell das alles passiert ist“, sagt sie. „Ich hätte es nicht erwartet. Aber ich mache einfach weiter.“
Trainerin Schiavone bremst lieber, als dass sie antreibt. Alles brauche seine Zeit, man dürfe nicht zu viel von Lilli erwarten. Rückschläge wie die Niederlage gegen Potapova in Linz gehören zu diesem Prozess.
Vor gut fünf Jahren warteten Stephan und Sabine Tagger auf der Heimfahrt aus Vicenza auf einen Anruf ihrer Tochter. Er kam nie. Lilli Tagger wusste schon damals, wohin ihre Reise gehen soll.
