Linda Noskova: Newcomerin ohne Starallüren

Linda Noskova Bild: Imago

Spielte 2026 die erfolgreichste Saison ihrer Karriere: Linda Noskova.

Die WTA-Finals in Indian Wells starten am 8. November. Mit dabei: Wimbledon-Champion Linda Noskova.

Im Format „Die Saison von …“ findet Ihr alle Infos über die besten acht Spielerinnen der Saison: Linda Noskova qualifizierte sich in diesem Jahr erstmals für das prestigeträchtige Saisonabschluss-Turnier.

Der Namen Linda Noskova, dürfte den meisten spätestens seit Wimbledon bekannt sein. 2026 spielte sie ihr bisher erfolgreichstes Jahr auf der WTA-Tour. Zu Saisonbeginn erreichte die Tschechin in Melbourne, bei den Australian Open, die dritte Runde, in welcher sie sich der Chinesin Wang Xinyu geschlagen geben musste. In Doha und Dubai war jeweils in Runde zwei Endstation.

Erster großer Saisonerfolg: Halbfinale in Indian Wells

In Indian Wells setzte Noskova dann das erste Ausrufezeichen der Saison. In der kalifornischen Wüste erreichte sie das Halbfinale. Mit 3:6 und 4:6 verlor sie gegen die damalige Weltranglistenerste und spätere Sunshine Double-Siegerin, Aryna Sabalenka. In Miami musste sie sich in Runde zwei der Rumänin Sorana Cirstea geschlagen geben.

In Stuttgart und Madrid erreichte sie das Viertelfinale. Beim Masters in Rom spielte sie sich ins Achtelfinale. Der zweite Grand Slam des Jahres, Roland Garros, endete früh für die 21-Jährige. In Runde eins unterlag sie der Griechin Maria Sakkari.

Noskova: Der Star der Rasen-Saison

Umso erfolgreicher verlief die Rasensaison. Bei den Berlin Open sicherte Noskova sich ihren ersten Titel der Saison. Mit 4:6, 6:4 und 6:3 setzte sie sich gegen die US-Amerikanerin Jessica Pegula durch. Zusätzlich gewann sie in der deutschen Hauptstadt den Titel im Doppel an der Seite von Ekaterina Alexandrova. Vor Turnierstart in Berlin stand die junge Tschechin auf Rang 13. Nach ihrem Triumph erreichte sie erstmals die Top Ten (Rang zehn). In Bad Homburg war wiederum in Runde eins Endstation.

Wimbledon-Champion – kleine Sensation

Den bisher größten Erfolg ihrer Karriere feierte Noskova dann in Wimbledon. In ihrem ersten Grand Slam-Finale traf sie auf die Tschechin Karolina Muchova. In drei Sätzen (6:2, 5:7, 6:3) setzte Noskova sich gegen ihre Kontrahentin auf dem heiligen Rasen durch und wurde mit nur 21 Jahren Wimbledon Champion.

Beide Tschechinnen bewiesen im Finale starke Nerven. Im zweiten Satz führte Noskova zunächst deutlich mit 5:2. Der Sieg war zum Greifen nah. Muchova wehrte fünf Matchbälle ab und schaffte den Satzausgleich. Nach Satz zwei verlies Noskova kurzzeitig den Court.

Im Anschluss an ihren Sieg erklärte sie: „Ich habe mir gesagt, dass das Match von vorne beginnt. (…) Was mir geholfen hat, war der erste Schritt den ich vom Platz gemacht habe: Die Trophäen standen dort. Ich dachte mir: ‚Ich werde nicht die kleine Trophäe mit nach Hause nehmen.“ Gesagt, Getan. Im dritten Satz verwandelte Noskova Matchall Nummer sechs.

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Gewann in Wimbledon „die große Trophäe“: Linda Noskova gemeinsam mit Finalistin Karolina Muchova.

Zu Beginn der Nordamerikanischen Hartplatz-Saison musste die Wimbledon-Siegerin sich früh geschlagen geben. In Toronto verlor sie ihr Auftaktmatch, In Cincinnati spielte sie sich bis ins Achtelfinale. Im Doppel gewann Noskova in Cincinnati einen weiteren Titel, dieses Mal an der Seite von Marie Bouzkova.

Duell mit Sabalenka in New York

In New York erreichte Noskova bei den US Open das Viertelfinale, in welchem sie sich erneut Sabalenka geschlagen geben musste. Die Tschechin lieferte sich ein spannendes Battle mit der Belarussin und verlor knapp mit 6:7, 6:3 und 6:7.

Im September gewann das tschechische Team den Billie Jean King-Cup. Noskova steuerte wichtige Siege, unter anderem den, gegen die Ukrainerin Elina Svitolina, bei.

Die Asien-Tour fiel in diesem Jahr für Noskova kurz aus. Sie spielte nur die China Open. In Peking musste die 21-Jährige sich im Achtelfinale ihrer Doppelpartnerin aus Berlin, Ekaterina Alexandrova, geschlagen geben.

Starallüren? Im Gegenteil!

Nach einem Sieg in Wimbledon, einem Einzug in die Top Ten und dem wachsenden Interesse der Medien könnte man denken, dass eine Anfang zwanzigjährige Spielerin Gefahr läuft, einen Höhenflug zu bekommen. Bei Linda Noskova scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein.

In einem YouTube-Video der WTA, welches Ende August veröffentlicht wurde, sprach die Tschechin im Format „Made of Moments“ über die Meilensteine der Saison 2026. „Ich hatte nie wirklich die Ziele, Nummer eins zu werden oder Grand Slams zu gewinnen“, erzählte Noskova, während sie auf ein Foto blickte, das sie als Kind auf einem Tennisplatz zeigt. Auch bezüglich des Einzugs in die Top Ten sagte die Tschechin: „Es ist nur eine Zahl (…), aber es ist ein gutes Gefühl.“ Im August erreichte sie ihr Carrer-High-Ranking: Nummer sechs der Welt. Aktuell steht sie auf Rang acht.

Ein Realitätscheck auf Sansibar

Was die wenigsten wissen: Im Dezember 2025 nutzte Noskova die Off-Season, um eine Woche lang ehrenamtlich an einer Schule auf Sansibar, Tansania, zu arbeiten. Anstatt Urlaub in einem teuren Luxusresort zu machen, verzichtete die Tschechin auf Komfort und wohnte in einem einfachen Volunteer-Haus ohne Klimaanlage. „Ich wollte schon immer im Ausland ehrenamtlich arbeiten – als eine Art Realitätscheck“, berichtete Noskova.

Die WTA zitierte die Tschechin: „Die Reise nach Sansibar (…) war eine der bedeutendsten Erfahrungen meines Lebens.“ Außerdem: „Ich hatte mich auf den Kulturschock eingestellt, aber nichts war vergleichbar mit dem Erlebnis, persönlich vor Ort zu sein und zu sehen, wie die Menschen leben, ihre Herausforderungen zu verstehen und ihre Herzlichkeit zu spüren, obwohl sie so wenig haben.“

Noskova: „Diese Reise hat mir die Augen geöffnet “

Noskova half nicht nur vor Ort. Seither unterstützt die 21-Jährige mehrere Kinder finanziell. „Diese Reise hat mir auf eine Weise die Augen geöffnet, die ich nicht erwartet hatte und mich daran erinnert, wie viel Glück wir haben – eine Erfahrung, die meiner Meinung nach jeder mindestens einmal im Leben machen sollte“, reflektierte die amtierende Wimbledon-Siegerin.

Debüt bei den WTA-Finals

Die 21-jährige Tschechin sieht sich als mehr, als „nur“ eine Tennisspielerin. Obwohl Noskova anscheinend nie von dem ganz großen Erfolg geträumt hatte, erreichte sie dieses Jahr viele Meilensteine in ihrer noch jungen Karriere. Unter anderem die erste Teilnahme an den WTA-Finals.

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Im März stand sie im Halbfinale in Indian Wells: Linda Noskova.

Trotz aller Erfolge sei es für Noskova wichtig, sich selbst treu zu bleiben. „Normal zu bleiben“, sagt sie. „Ich habe einige Ziele auf dem Platz, aber wenn ich sie nicht erreiche, werde ich trotzdem glücklich sein. Diese Momente sind nur die Kirsche auf der Torte für die Anstrengungen, die man investiert“, sagte Noskova im August im WTA-Format „Made of Moments“.

Ob sie bei ihrem Debüt bei den WTA-Finals einen weiteren Meilenstein erreicht, wird sich ab dem 8. November zeigen. In der kalifornischen Wüste bildet die Tschechin gemeinsam mit der Weltranglistenersten, Elena Rybakina und den US-Amerikanerinnen Coco Gauff und Jessica Pegula Gruppe eins.