Wimbledon – Fourth Round Lulu Sun (NZL) during her fourth round match at the 2024 Wimbledon Championships at the AELTC i

Starkes Stück. Qualifikantin Lulu Sun überzeugte gegen Lokalmatadorin Emma Raducanu.Bild: Imago/Dubreuil Corinne

Lulu Sun in Wimbledon: 5 Fakten zur Riesen-Überraschung

Spätestens seit ihrem Sieg gegen Emma Raducanu vor deren Heimkulisse ist Lulu Sun die Riesen-Überraschung in Wimbledon. Aber wer ist die Schweiz-Neuseeländerin überhaupt? tennis MAGAZIN hat 5 Fakten über die 23-Jährige zusammengesucht.

1 ) Bunte Herkunft

Lulu Sun wurde in der neuseeländischen Kleinstadt Te Anau als Kind einer Chinesin und eines Kroaten geboren. In jungen Jahren zog die Familie in die Schweiz nach Genf. Bis zur Trennung ihrer Eltern trug sie den Nachnamen ihres Vaters und hieß Lulu Radovcic. Anschließend nahm sie den Namen ihrer Mutter an und heißt seitdem Sun. Ihre Verwandtschaft lebt außerdem in Hongkong und China. In Shanghai ging sie zur Schule. Ihr Stiefvater und ehemaliger Trainer war Deutsch-Engländer, ihr aktueller Coach (Vladimir Platenik) ist Slowake. Eine sehr bunte Mischung also. Auch sprachlich ist Sun versiert. Sie spricht Englisch, Französisch, Chinesisch und lernt dazu noch Koreanisch.

2 ) Von Schweiz zu Neuseeland

Bis Anfang 2024 repräsentierte Sun die Schweiz auf der WTA-Tour. Nach dem WTA-Turnier in Auckland Anfang des Jahres, wo sie die zweite Runde erreicht hatte, sprach sie von einem „transformativen Erlebnis“. Die Linkshänderin entschied sich daraufhin ab März ihr Geburtsland Neuseeland zu vertreten. Seitdem ist sie auch die Topspielerin der Nation im Südwestpazifik. „Diese Entscheidung ist ein wirklich fundamentaler Moment in meiner Karriere und eine tief empfundene Hommage an meine Herkunft. Für die Schweiz und die Unterstützung durch dessen Tennis-Community habe ich trotzdem nichts als Liebe im Herzen“, sagte Sun über ihre Entscheidung.

 

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3 ) Erste Spielerin des Jahrgangs 2001 mit einem WTA-Ranking

Nur zwei Wochen nach ihrem 14. Geburtstag spielte Sun 2015 ihr erstes Turnier auf der ITF-Tour. Im Mai 2015 gewann sie zum ersten Mal ein Match und wurde dann im November 2015 als erste Spielerin des Jahrgangs 2001 mit einem WTA-Ranking geführt (1133). 2017 erreichte Sun in Thailand erstmals ein ITF-Finale und gewann 2019 in Australien zwei ITF-Turniere in Folge. Bis 2024 folgten fünf weitere ITF-Titel. Ihr Debüt auf der WTA-Tour gab sie 2022 in Rabat/Marokko, wo sie gegen Arantxa Rus verlor. In Seoul/Südkorea erreichte sie später im Jahr 2022 das Halbfinale. Bei den Australian Open 2024 stand Sun zum ersten Mal im Hauptfeld eines Grand Slam-Turniers. Das Viertelfinale in Wimbledon ist der mit Abstand größte Erfolg ihrer Karriere.

4 ) Perfektes Rasenspiel

Obwohl ihre Erfahrung auf Rasen bislang eher sporadisch ist, passt ihr Spiel überraschend gut zum edlen Belag. Wimbledon ist ihr zehntes Turnier auf Gras. In der Rasensaison 2024 konnte sie lediglich ein Match gewinnen. Nachdem sie sich über die Qualifikation in das Hauptfeld von Wimbledon gespielt hatte, sorgte sie bereits in Runde eins für Aufsehen. Dort nahm die 23-Jährige die an Position acht gesetzte Qinwen Zheng aus dem Turnier. Vor allem gegen Raducanu überzeugte Sun dann aber mit feinstem Angriffstennis nochmal mehr. Eine krachende Vorhand, ein brandgefährlicher Slice und ein wuchtiger Aufschlag gepaart mit vielen Netzangriffen überforderten die Britin.

Abgeschaut hat sie sich das Rasentennis bei Legenden vergangener Tage: „Ich habe viele Profis gesehen, als ich aufgewachsen bin. Federer, wie er ans Netz gegangen ist. Oder auf YouTube: Steffi Graf gegen Martina Navratilova. Ich habe alles in mich aufgesogen und versucht, in mein Spiel zu übernehmen“, sagte sie nach ihrem Sieg. Am Ende standen für die Neuseeländerin 52 Winner zu Buche. Gegnerin Raducanu kam gerade mal auf 19.

5 ) Vom Studium ins Wimbledon-Viertelfinale

Dass ihre Karriere erst jetzt so richtig ins Rollen kommt, liegt vor allem daran, dass Sun bis 2022 ein Studium in „International relations and global studies“ an der University of Texas absolvierte. Eigentlich wollte sie sich schon früher voll auf die Tenniskarriere konzentrieren, doch für ihre Mutter hatte das Thema Bildung absolute Priorität. Auch die Corona-Pandemie bremste ihren Fortschritt zeitweilig aus. Seitdem ist Sun nun auch vermehrt auf der WTA-Tour unterwegs. Als erste Neuseeländerin steht sie im Viertelfinale von Wimbledon. Auch wenn sie dort gegen Donna Vekic das Nachsehen hatte, katapultierte sie dieser Erfolg im Live-Ranking schon 70 Plätze nach oben auf Rang 53.