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Simona Halep vor French Open-Finale: Gegen jeden Fluch

Simona Halep tritt bei den French Open am Samstag gegen Überraschungsfinalistin Sloane Stephens zu ihrem vierten Grand Slam-Finale an. Alle bisherigen Endspiele verlor die Nummer eins der Welt. Ihr dritter Finaltag in Roland Garros soll das Gerede um den fehlenden großen Titel und den damit verbundenen Fluch beenden.



Manchmal. Nein. Oftmals ist das bessere Wort. Leistungssport kann oftmals sehr einfach sein. Das trifft insbesondere auf die Vorzeichen des Frauenfinals der French Open 2018 zu (Samstag ab 14.45 Uhr live auf Eurosport). Dort treffen die Weltranglistenerste Simona Halep und die amtierende US Open-Siegerin Sloane Stephens aufeinander. Entscheiden Sie, liebe Leser: Welchen Beinamen finden sie klangvoller?

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Den, der Nummer eins, den Halep, die über Jahre mit beeindruckender Konstanz überzeugt, führt, oder eben der, der Gute-Laune-Spielerin Stephens, die bei besonderen Turnieren bereits besonderes nachgewiesen und einen Major-Titel eingefahren hat?

French Open: Halep und die Erwartungshaltung

Wahrscheinlich ist, dass Sie sich in zwei Lager aufteilen werden. Denn die Frage, was im Profitennis mehr Wert ist, ist ohnehin eine der streitbarsten. Sicher ist aber, dass Haleps fehlender Titel samt Vorgeschichte die Rollenverteilung für Samstag glasklar werden lässt. Halep hat mit einer unmenschlich großen Erwartungshaltung zu kämpfen, die sie öffentlich mit sympathischen Interviews einzudämmen gedenkt. Einzig: Es ändert rein gar nichts. Der Grand Slam-Titel wird erwartet. Das Fehlen dieses Titels lastet wie ein Fluch, den die 26-Jährige endlich loswerden will.

Der Gewinn in Paris würde die Rumänin endgültig zur Volksheldin aufsteigen lassen. Landsmann Ion Tiriac äußerte sich in den Tagen von Paris kritisch gegenüber seiner Landsfrau. Tenor: Sie hat schon zu viele Chancen verpasst. Omnipräsent ist das Vorjahresfinale gegen Jelena Ostapenko. Der Ausgang des Finals war für Experten und Fans schon vorher klar. Doch die Lettin düpierte die Favoritin und holte ihren allerersten Tourtitel überhaupt. Auf Haleps Habenseite stehen ganze 16 Karrieretitel, die Finalbilanz bei Slams aber ist desaströs. Alle drei Finals wurden verloren, 2014 gegen Maria Sharapova und 2017 gegen Ostapenko sowie dieses Jahr in Australien gegen Caroline Wozniacki.

French Open: Halep auf Wozniackis Spuren

Simona Halep verlor im Vorjahr überraschend gegen Jelena Ostapenko.

Die Dänin beendete ihrerseits das Gerede um fehlende mentale Stärke und den fehlenden großen Titel gegen Halep. Wozniacki benötigte 43 Teilnahmen bei Majorturnieren, um sich zum Champion zu krönen. Damit steht sie auf Rang vier in dieser nicht gerade schmeichelnden Statistik, die Flavia Penneta mit 49 Versuchen anführt. Die Italienerin beendete ihre Karriere mit dem stilvollsten aller Abgänge, dem Gewinn beim 49. und allerletzten Auftritt bei den US Open 2015. Halep würde sich auf Platz neun einfügen – wenn sie am Samstag siegt.

Spieler

GS Turniere

erster Titel

Flavia Pennetta (ITA)

49

2015 US Open

Marion Bartoli (FRA)

47

2013 Wimbledon

Jana Novotna (CZE)

45

1998 Wimbledon

Caroline Wozniacki (DEN)

43

2018 Australian Open

Francesca Schiavone (ITA)

39

2010 Roland Garros

Samantha Stosur (AUS)

34

2011 US Open

Angelique Kerber (GER)

33

2016 Australian Open

Amélie Mauresmo (FRA)

32

2006 Australian Open

Simona Halep (ROU)

32*

2018 Roland Garros

Jennifer Capriati (USA)

29

2001 Australian Open

Kerry Melville Reid (AUS)

29

1977 Australian Open (Jan)

French Open: Stephens ewige Kür zum Titel?

Nun steht Halep eine Spielerin im Weg, die diese Last ebenfalls schon abgelegt hat. Nur, dass Sloane Stephens den ganzen Grand Slam-Mythos als gar nicht richtig wichtig erachtete und immer noch erachtet. Das macht sie umso gefährlicher. Die mittlerweile 25-Jährige absolvierte verletzungsbedingt zwischen den Olympischen Spielen 2016 und Wimbledon 2017 kein Profimatch. Was das Timing betraf, war der heimische Slam-Titel in New York (es war ihr 22. Grand Slam) sicherlich eine Überraschung, hatte sie doch erst drei Turniere in den Beinen.

Hatte bei den French Open dieses Jahr bislang Grund zur Freude: Sloane Stephens.

Vom spielerischen Potential her, gerade auf Hartplatz, wurde ihr so ein Turnier generell und bereits länger eindeutig zugetraut. Seitdem fühlt es sich als Außenstehender so an, als befinde sie sich wie eine Eiskunstläuferin nach dem Pflichtprogramm in einer ewigen Kür, die fernab von Druck nie enden soll. Wenn sie körperlich und mental auf der Höhe ist, kann sie jede Spielerin schlagen. Auf Sand blieb sie diesen Nachweis bislang schuldig, was ihr relativ egal war.

French Open: Stephens zwischen Lustlosigkeit und Genialität

Wie ihr einige Dinge relativ egal sind. Auf kleineren WTA-Turnieren lässt sie es auch mal laufen. Ihr lustloses Auftreten abseits des Centre Courts beim Nürnberger Versicherungscup, das viele Journalisten zu spüren bekamen, spricht für sich.

Dass der Amerikanerin Pleiten, auch bei größeren Turnieren nicht viel ausmachen, war auch bei den Australian Open zu erleben. Ihre Erstrundenpleite reihte sich ein in fünf vorige Niederlagen. Auf der anschließenden Pressekonferenz beruhigte sie auf fast amüsante Art und Weise die beunruhigten Reporter. Sie mache sich nicht all zu viele Sorgen, erklärte sie damals (HIER geht es zur amüsanten Pressekonferenz). Stephens reiste ab und gewann drei Auftritte später die Miami Open.

French Open: Halep vs. Stephens keine Frage des Selbstvertrauens

Im Stade Roland Garros war sie bislang noch nie in die zweite Woche gekommen. Die Dominanz, mit der sie in den nachfolgenden Runden Anett Kontaveit, Daria Kasatkina und Landsfrau Madison Keys ausschaltete, ließ die Experten erstaunt zurück. So betritt sie die Finalbühne mit einem ähnlich hohen Selbstvertrauenslevel wie Halep, spielerisch versteht sich. Einen mentalen Druck verspürt sie nicht, da sind sich Beobachter einig.

Zumal der direkte Vergleich mit 5:2 ebenfalls für die Rumänin spricht, die die vergangenen vier Duelle gewann. Halep will diesen Titel. Halep benötigt diesen Titel für ihr Renommee. Dass sie den Status der Weltranglistenersten verteidigt hat, wird ihr auf dem Platz nicht helfen. „Ich bin nicht von diesem Titel besessen, so viel ist sicher. Und ich mache auch kein Drama daraus. Aber klar: Der Wunsch nach einem Grand Slam ist riesig“, erklärte Halep vor dem Finale.

Halep: „Ich bin nicht besessen“

Die Rumänin gab ebenfalls zu, dass ihr die Erfahrung von Paris 2017 (mental) und Australien 2018 (körperlich) sehr in ihrer Entwicklung geholfen haben. Bei beiden Komponenten hat ihr Coach Darren Cahill enorm geholfen. Der Bund der Beiden ist eng. Der Australier spielte und spielt so kurz vor dem Finale eine sehr wichtige Rolle. Vorausichtlich sogar während des Matches.

Voraussichtlich. Das Wort passt nicht. Denn so einfach die Ausgangslage erklärt ist. So viel schwerer ist der Ausgang vorherzusagen. Halep ist jetzt an der Reihe. Die Gelassenheit könnte den Ausschlag geben. Für wen das aller Voraussicht nach spricht, liebe Leser, dürfen Sie entscheiden.

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