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Alexander Zverev nach den French Open: Sein eigener Entwicklungshelfer

Alexander Zverev hat bei den French Open mit physisch und mental starken Auftritten allem Widerstand zum Trotz bewiesen, dass er Grand Slam-Tennis kann. Die Diskussionen ebben vorerst ab. Seine stetige Entwicklung setzt sich – auch – ergebnistechnisch fort. Das ist das Resultat innerer Stärke, Fleiß und einer gehörigen Portion Trotzigkeit.

„Viele Leute machen daraus eine größere Nummer, als sie eigentlich ist“, sagte Alexander Zverev das ein ums andere Mal vor und während der French Open 2018 angesprochen auf seine bisherige miserable Grand Slam-Bilanz. Miserabel klang hart, war als genutzte Vokabel im Kontext des besten deutschen Spielers aber nicht falsch. Da Zverev selbst seiner Entwicklung bei allen anderen Events auf und abseits der ATP-Tour mitunter weit voraus war.

Drei Masters 1000-Titel – eine Anzahl die außer den großen Vier um Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray kein aktiver Spieler erreicht hat, acht Titel auf der Profitour insgesamt, zudem der Aufstieg zur Nummer drei der Welt, garniert mit neuen Sponsorenverträgen von Schläger- und Ausrüsterfirma. Letztere Verträge haben mittlerweile Werte erreicht, die sonst nur Akteure erhalten, die bei den vier größten Turnieren, den Grand Slams, ihre spielerische, mentale und physische Weltklasse bereits nachhaltig nachgewiesen haben.

French Open: Zverevs Grand Slam-Bilanz kannte mittlerweile jedes Kind

Zverev hatte das nicht. Die Bilanzen vor den French Open kannte irgendwann fast jedes Kind, weil jeder Experte sie gebetsmühlenartig zu jedem passenden Zeitpunkt herunterspulte: erst ein Achtelfinale, 0:7-Bilanz gegen Top-50-Spieler, eine negative Bilanz im Entscheidungssatz des Best-of-5-Modus. „Viele Leute machen daraus eine größere Nummer, als sie eigentlich ist“, wiederholte Zverev also das ein ums andere Mal. Sein Auftreten und die Art und Weise, wie er etwas mitteilt, lässt in der Regel den Schluss zu, dass er Negativität nicht an sich heranlässt.

In den Tagen von Paris und spätestens nach dem Viertelfinalaus gegen Dominic Thiem am gestrigen Dienstag war klar: Zverev hatte sich mit dem Gerede beschäftigt – was zunächst keinen größeren Nachrichtenwert liefert. Was aber definitiv einen Wert hat: Zverev hat für sich selbst einen Weg gefunden, seine gezeigten Leistungen auf der großen Bühne Grand Slam abzurufen. Die Statistiken sind nun nichtig.

Zverev nach den French Open: „Leute können jetzt mit dem Gerede aufhören“

Damit hat er wie so oft in seiner jungen Karriere den nächsten Entwicklungsschritt vollzogen. Mancher verlief fließend, einige vollzog er erst nach Rückschlägen. Am Dienstag, nach dem Aus in Paris, machte Zverev unmissverständlich klar: „Es gab eine Menge Gerede darum, dass ich nicht in der Lage sei, Best-of-Five-Tennis zu spielen und insgesamt keine langen Matches zu bestreiten. Ich denke, ich habe bei diesen French Open gezeigt, dass ich das kann. Ich denke, die Leute können jetzt aufhören, mich in dem Punkt zu kritisieren, mit dem Gerede aufhören.“

Für den 21-Jährigen sei, außer der im letzten Match erlittenen Oberschenkelverletzung, nichts Negatives im Resümee festzuhalten. „Der ganze Prozess, die Entwicklung, die ich in diesem Turnier durchlaufen habe, war gut“, urteilte Zverev. Um kein falsches Bild zu zeichnen. Natürlich war die Nummer zwei der Setzliste nach dem Match niedergeschlagen. So niedergeschlagen wie ein 21-Jähriger, der für sich nur die allerhöchsten Ansprüche zulässt, eben sein kann. Und auch die Pressearbeit war dementsprechend kein Zuckerschlecken, wie Augenzeugen berichteten. Wer aber mitbekam, wie sich ein zwölffacher Grand Slam-Champion in Form von Novak Djokovic nach seiner Niederlage gegen Überraschungsmann Marco Cecchinato im Pressezentrum aufführte, kann Zverev für seine Art fast schon wieder loben.

French Open: Zverevs Tennis-Entwicklung entscheidet sich nicht in der Pressekonferenz

Das Auftreten bei dem für ihn so ungeliebten Presserunden nach den Matches ist mittlerweile aber nicht mehr als ein unwichtiges Nebengeräusch, ein leises Summen, das auf Dauer etwas anstrengend sein kann – wie nun auch nach und nach internationale Kollegen feststellen durften. Das große Ganze, seine Tennisentwicklung, tangiert es nicht. Schon tM-Chefredakteur Andrej Antic stellte in seiner Kolumne aus Paris fest: „Champions, und Zverev wird einer werden, sind Alphatiere. Sie gehen ihren Weg, manchmal ohne Rücksicht auf Verluste. Manche unglückliche Antwort sollte man Zverev verzeihen.“

Was bleibt, sind die Leistungen auf dem Platz. Spielerisch vermochte Zverev nur ansatzweise, an seine Leistungen von Rom und vor allem Madrid anzuknüpfen. Dominic Thiem erklärte, angesprochen auf die veränderten Bedingungen im Stade Roland Garros gar: „Das ist ein ganz anderer Sport.“ Thiem schnappte sich in der Vorwoche den Titel in Lyon. Dort werden die Paris-Bedingungen unter anderem mit den gleichen Babolat-Bällen simuliert. In Madrid und München etwa, dort vermochte kaum jemand den Aufschlag von Zverev zu durchbrechen, springen die Bälle höher ab. In Paris war diese Dominanz ab Runde zwei verflogen. Alleine in Runde drei gegen den clever und aufoperungsvoll agierenden Dzumhur wurde Zverev achtmal gebreaket.

French Open: Zverevs beeindruckendes Fitnesslevel

Doch wenn in ein paar Jahren über dieses Turnier rückblickend philosophiert wird, gekennzeichnet als wichtiger Schritt in der Entwicklungsleiter des Grand Slam-Siegers Alexander Zverevs, dann wird es vor allem um den mentalen und physischen Faktor gehen. Der 1.98 Meter große Hüne hat der ganzen Welt gezeigt, wie beeindruckend seine körperlichen Reserven nun sind. Rückgebildet innerhalb der letzten vier Jahre von und mit Fitnesschef Jez Green.

Die machten es nämlich möglich, dass Zverev gleich dreimal in Serie einen 1:2-Rückstand in einen Sieg ummünzte. Etwas, was erst drei Spielern überhaupt gelungen war. Mit diesen Kraftakten torperdierte er die Kritiker unbewusst. Denn seine Planung sah solche Matches selbstredend nicht vor und kosteten am Ende die körperlichen Prozentpunkte, die eine Oberschenkelverletzung im Thiem-Match später oder erst gar nicht hätte auftreten lassen.

„Zverev muss lange Matches verhindern“

Klar, dass diese Kritik nun weiterentwickelt wurde. Bei Grand Slams gehe es nicht darum, lange Matches durchzuhalten, sondern sie in frühen Runden zu verhindern, schrieb etwa der renommierte Tennisjournalist Ben Rothenberg. In der Tat: Ein ausgeruhterer Zverev hätte seinem Kumpel Thiem, den er im Finale von Madrid noch phasenweise vorgeführt hatte, in Paris mindestens mal Paroli bieten können. Das betonte auch Zverev selbst, ohne Thiem zu diskreditieren. Was aber bleiben sollte, ist die gezeigte Entwicklung des deutschen Hoffnungsträgers, der nun ein Viertelfinale in Paris vorzuweisen hat.

Dass er Grand Slam-Tennis kann, hat er sich selbst und allen anderen bewiesen. Er selbst. Allein. Zusammen mit seinem Team, das insgesamt vieles richtig macht. Vorausgesetzt, die Nachwehen der Oberschenkelverletzung sind nicht allzu schlimm, kann der nächste Schritt schon in Wimbledon folgen. Dieser wäre nur folgerichtig.


  1. daniel

    könnt ihr mal etwas objektiver schreiben? ist ja ok das ihr zverev pusht aber etwas mehr Respekt vor thiem.

    „in Madrid wurde er phasenweise vorgeführt“ in Madrid hat thiem einfach ein richtig schlechtes spiel gemacht, da hat der keinen return reingespielt und von der Grundlinie richtig viele Fehler gemacht. vorführen kannst du nur wen der gut spielt du aber überragend. die Partie hat ja nur thiem verloren und zverev nicht gewonnen.

    thiem spielt in Paris in der form seines Lebens wie kommt ihr auf die Annahme das ein fitter zverev ihn auf jeden fall parole geboten hätte? die tollen Auftritte in den ersten 4 runden wo er gegen keinen top 30 mann gespielt hat?

    etwas mehr Objektivität wäre gut. zverev ist nicht der einzige der Tennisspielen kann. zverev ist da weit objektiver als ihr. denn er sagte vor der Partie das es nichts gibt was ich machen könnte und dann sage dann gewinne ich 100% auf sand gegen thiem.

    das ist eine sehr reflektierte aussage. thiem ist seit 3 jahren der 2. beste Sandplatzspieler der Welt und der einzige der in den letzten 2 jahren nadal auf sand nicht nur geschlagen hat sondern 2 mal klar geschlagen hat.

    natürlich wäre thiem auch gegen einen fitten zverev Favorit auf diesen Belag und in Paris gewesen.

    wieso verschweigt ihr das thiem in Madrid eine sehr wacklige form hatte und nun ist er in absoluter topverfassung. warum verschweigt ihr das die Verhältnisse in Madrid eher einen Hartplatz als einen Sandplatz ähneln und man dies doch garnicht mit Paris vergleichen könnte.

    ich finde es auch sehr komisch das hier über die zverev erfolge so gejubelt wurde. das waren doch schon richtig schwache Leistungen von zverev. das waren keine Duelle gegen top20 spieler. diese Gegner sollte er in 3-4 Sätzen locker schlagen. zverev hat in seiner gesamten gs Karriere noch nie einen top 30 mann geschlagen…


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