Cori Gauff

Coco Gauff in Melbourne: „Ich glaube, dass ich jede schlagen kann“

Die 15-jährige Cori „Coco“ Gauff hat das Generationenduell bei den Australian Open gegen die 24 Jahre ältere Venus Williams erneut gewonnen. Der Teenager hat noch viel vor.

Der Main Interview Room im Melbourne Park war gut gefüllt, als sich die 15-jährige Cori „Coco“ Gauff sichtlich gut gelaunt Platz nahm, um sich den Fragen der Reporter bei den Australian Open zu stellen. Das Erstrundenmatch gegen Venus Williams war aus internationaler Sicht das Highlight des ersten Turniertages in Melbourne. Gauff gegen Williams, da war doch was?

Ja, richtig. Cori Gauff spielte sich am 1. Juli 2019 in Wimbledon ins internationale Rampenlicht, als sie Venus Williams in der ersten Runde mit 6:4, 6:4 besiegte. Die US-Amerikanerin rauschte schließlich ins Achtelfinale und scheiterte dort an der späteren Wimbledonsiegerin Simona Halep. Es folgten das Erreichen der dritten Runde bei den US Open und der Turniersieg in Linz als Lucky Loser und neuntjüngste WTA-Titelträgerin. Ein neuer Tennisstar war geboren.

Coco Gauff: „Meine Mission ist, die Beste zu werden”

Der Trubel um die 15-Jährige wird immer größer, umso erfolgreicher sie spielt. Bei den US Open hatten die Spiele von Gauff mit die höchsten Einschaltquoten des übertragenden Fernsehsenders ESPN. Die große Frage wird sein, wieviel Druck sich Gauff selbst macht beim Erreichen ihrer Ziele und wie sie damit umgeht. Derzeit wirkt sie innerlich gefestigt. Ein halbes Jahr, nachdem Gauffs wundersame Reise in Wimbledon mit dem Auftaktsieg gegen Venus Williams begann, traf sie erneut in der ersten Runde eines Grand-Slam-Turniers auf ihre 24 Jahre ältere Landsfrau, die Tennislegende. Als Gauff im Jahr 2004 geboren wurde, war Williams bereits zehn Jahre Profi und hatte vier ihrer sieben Grand-Slam-Titel auf der Habenseite.

Dass sie in ihrem erst dritten Grand-Slam-Hauptfeld zum zweiten Mal gegen Venus Williams in der ersten Runde ran musste, war ein kleiner Schock für sie. „Man müsste meinen, dass dies nicht allzu bald bei einem Grand-Slam-Turnier passieren würde“, sagte Gauff, die ihre zweite Williams-Prüfung erneut mit Bravour meisterte. 7:6 (7:5), 6:3 hieß es am Ende für die 15-Jährige, die einen kleinen Negativlauf zum Ende des ersten Satzes gut wegsteckte. Während der Partie erzählte ein TV-Kommentator, dass man an den Augen von Gauff erkennen könne, dass sie auf einer Mission sei. Darauf angesprochen definierte der Teenager ihr großes Ziel: „Meine Mission ist, die Beste zu werden. Das ist mein Ziel. So viele Grand Slams wie möglich zu gewinnen.“

„Rohdiamant” Gauff meint es ernst

Beim Teenager, den Steffi Graf als „echten Rohdiamant“ bezeichnete, erinnert nicht nur das Äußerliche an Serena Williams, sondern auch ihre forsche Art. „Coco“ weiß, was sie will. Im Alter von 14 Jahren sagte sie: „Ich will die Größte aller Zeiten werden.“ Wenn man Gauff in Pressekonferenzen wie in Melbourne reden hört, spürt man, dass solche Worte nicht nur so dahergesagt sind wie in der Vergangenheit bei anderen Spielerinnen, sondern dass sie es tatsächlich ernst meint. Gauff weiß, dass sie bereits mit 15 Jahren an einem guten Tag jede Spielerin schlagen kann.

„Wenn ich in ein Turnier gehe und denke, dass ich verlieren werde, werde ich verlieren. Ich respektiere meine Gegnerinnen, aber letztendlich kann ich nicht sagen, dass ich dieses Match verlieren werde, wenn ich gegen sie spiele. Das ist nicht die richtige Einstellung. Ich glaube, dass ich jede schlagen kann. Ob das hier passiert, weiß ich nicht. Aber das ist die Mentalität von den ganz großen Spielern, dass sie keinen fürchten. Du kannst nicht mit Angst in ein Match gehen, weil dann wirst du verlieren. Und ich möchte nicht verlieren.“

Coco Gauff: „Ich nehme das Leben nicht allzu ernst”

Gauff wirkt für ihre 15 Jahre aufgeräumt und abgeklärt, versichert aber, dass sie ein ganz normaler Teenager sei. „Jeder denkt, dass ich so ernst bin wegen meines Verhaltens auf dem Platz. Das bin ich nicht. Ich nehme das Leben nicht allzu ernst. Ich möchte einfach Spaß haben. Genau wie mein Vater. Ich weiß, dass mein Vater wie dieser große einschüchternde Typ aussieht. Aber er ist mehr ein Witzbold“, erzählte Gauff, die beim Vorbereitungsturnier in Auckland ihren Vater Corey beim On-Court-Coaching darauf hinwies, nicht zu fluchen, wenn die TV-Kameras an sind.

Vater und Tochter Gauff haben eine spezielle Routine vor einem Match, wie sie verriet. „Wir sagen immer ein Gebet auf. Wir hoffen, dass ich gesund bin, meine Gegnerin gesund ist und dass ich eine gute Zeit auf dem Platz habe. Zum Schluss gibt er mir einen Kuss auf die Wange und wünscht mir viel Spaß.“ Viel Spaß will Gauff bei den Australian Open weiterhin haben. In der zweiten Runde trifft sie auf die Rumänin Sorana Cirstea. In der dritten Runde könnte Vorjahressiegerin Naomi Osaka warten. Dann könnte Gauff zeigen, ob sie bereit ist für den nächsten großen Wurf bei einem Grand-Slam-Turnier.