Day Twelve: The Championships – Wimbledon 2018

Wimbledonsieg: Angie – du hast die Schale!

Der erste deutsche Wimbledon-Sieg seit 22 Jahren: Das lässt auch die tennis-MAGAZIN Redaktion nicht kalt. Während Redakteur Jannik Schneider für Online- und Print vor Ort auf Stimmenfang geht und Sie gemeinsam mit Christian Albrecht Barschel im Liveblog auf dem aktuellen Stand hält, ordnet tM–Chefredakteur Andrej Antic den historischen Erfolg im Moment großer Euphorie ein.

14. Juli 2018. 18:22 Uhr: 6:3, 6:3 in 1:05 Stunden. Gegen Serena Williams, die 23-malige Grand Slam-Siegerin im Einzel. Die journalistische Distanz muss an dieser Stelle weichen. Denn das, was Angelique Kerber geschafft hat, ist grandios: Angie, du hast die Schale! Und zwar hochverdient – Gratulation!

Was alles passieren wird, was dieser erste deutsche Grand Slam-Sieg seit 22 Jahren bedeutet, wie der größte sportliche Erfolg einer deutschen Tennisspielerin seit Steffi Graf nachwirken wird – das wird man erst in Tagen, Wochen, vielleicht Monaten merken. Kommt der Boom zurück? Schwer vorstellbar. Aber zumindest in der Anfangs-Euphorie kann die Antwort nur lauten: Warum denn nicht?

„Es ist der größte Tag meiner Karriere“, sagte Kerber nach dem Finale – klar. „Davon habe ich schon als kleines Mädchen geträumt“ – auch klar. So profan es klingt, der Traum ist wahr geworden. Für Kerber. Für das deutsche Tennis. Für Millionen Fans.

Nüchtern betrachtet, ist es für Kerber der dritte Grand Slam-Titel nach Melbourne und New York 2016. Aber sportlich ist der Wimbledon-Titel 2018 viel wertvoller. Noch emotionaler. Mit Königlichen in der Royal Box. Mit den Größen der Sportwelt auf den Sitzplätzen der 15.000 Zuschauer fassenden Arena – Tiger Wood, Lewis Hamilton. Mehr Schlagsahne auf die sprichwörtlichen Erdbeeren in Wimbledon geht nicht.

Gegen die Geister der Vergangenheit – gegen Becker, Graf und Stich muss Kerber nicht mehr ankämpfen. Der Platz in der „Hall of Fame“ ist ihr sicher. Das wird allein daran deutlich, dass nach dem schnellen Finale die Bilder von Beckers Wimbledon-Sieg im ZDF über den Bildschirm flimmerten.

Kerber: Was ihr Wimbledon-Titel bedeutet

Was den Sieg von Kerber ebenfalls so bedeutend macht: Es war schon vom ersten Moment kein normales Finale. Kein Mensch wusste, wie lange sie mit dem Gang auf den Centre Court warten muss. Das Giganten-Halbfinale von Rafael Nadal und Novak Djokovic, dieses sensationelle 10:8 im fünften Satz für den Serben, wurde um 13 Uhr Ortszeit fortgesetzt. Ende offen. Alles schien möglich, nach dem Isner-Anderson Shootout.

Es ist eine besondere Qualität, das wegzustecken. Cool zu bleiben. Im berühmten Tunnel zu verharren. Die Konzentration hochzuhalten gegen die wahrscheinlich nervenstärkste Gegnerin, die man sich vorstellen kann – Serena Williams.

Kerber: 2016 war kein Ausrutscher

Kerber gelang all das. Es schmälert ihren Erfolg nicht, dass Williams nicht ihr bestes Tennis spielte. Kerber spielte von Beginn bis Ende ein großes Match. Ohne Wackler. Das Finale war kein Drama, keine Schlacht wie die Matches zwischen Nadal und del Potro, Anderson gegen Isner oder Nadal gegen Djokovic. Die Nerven wurden weit weniger strapaziert als erwartet. Wie wohltuend für das Kerber-Lager.

Am Ende war es nicht entscheidend. Kein Mensch auf diesem Planeten wird noch einmal behaupten, dass Kerbers Jahr 2016 ein Ausrutscher nach oben ist. Wahrscheinlich wird man Ende 2018 konstatieren: Kerber ist noch besser als vor zwei Jahren. Besser denn je. Die beste Grand Slam-Bilanz 2018 von allen Spielerinnen hat sie jetzt: Halbfinale Melbourne, Viertelfinale Paris, Titel Wimbledon!

Serena Williams wusste diese Leistung direkt nach dem Finale – es wäre ihr 24. Grand Slam-Titel gewesen – einzuschätzen. Eine großartige Verliererin. Ein Champion, vor dem man sich ebenfalls verneigen kann.

Aber die Königin heißt diesmal Angelique. Angie, die Erste. Sie hat sich die Schale geholt. Jaaaa…