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Wurde nach seinem Ausraster im Doppel vom Turnier in Acapulco ausgeschlossen: Alexander Zverev.

Zverev nach Ausraster: erst Goldjunge, jetzt Wüterich

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Als ich heute morgen im Halbschlaf zwischen dem Schulbrot-Schmieren für die Kinder, Kaffee kochen und Müsli machen eine freie Minute für den Blick aufs Handy hatte, fiel es mir fast gleich aus der Hand und in Sekundenbruchteilen war ich hellwach. Videoschnipsel aus Acapulco zeigten einen aufgebrachten Alexander Zverev, der mit dem Schläger auf einen Schiedsrichterstuhl hämmerte – was für unglaubliche Szenen. Traf er etwa auch den Schiedsrichter und verletzte ihn? Nein, zum Glück nicht. Aber das macht sein Verhalten nicht besser.

Zverev mit heftigem Tag in Acapulco

Ja, es war ein heftiger Tag für Zverev in Acapulco. Bis fast 5 Uhr morgens ging sein Rekordeinzel gegen Jenson Brooksby, für das er noch kräftig abgefeiert wurde. Wann er wohl ins Bett kam? Wahrscheinlich kaum vor 7 oder 8 Uhr morgens. Um 21:30 Ortszeit war er dann auf einem Nebenplatz mit Kumpel Marcelo Melo fürs Doppel gegen Glasspool/Heliovaara eingeteilt. Vermutlich hätte sich Zverev über einen Tag Pause gefreut, aber seinen „Best Buddy“ Melo einfach hängen lassen und zum Doppel nicht antreten – das wollte Zverev auch nicht.

Und dann folgte diese knappe Entscheidung im Match-Tiebreak beim Stande von 6:8 zu Ungunsten von Zverev/Melo, die sich nicht überprüfen lassen konnte, weil auf dem Nebenplatz kein Linienüberwachungsystem installiert ist. Das ist alles unglücklich – aber noch längst kein Grund so auszurasten.

Keine Entschuldigung für Zverevs Verhalten

Es gibt keine Entschuldigung für dieses Verhalten – Punkt. Zverev hat eine Verletzung des Schiedsrichters billigend in Kauf genommen, als er voller Wut insgesamt vier Mal mit dem Racket auf den Hochsitz einschlug. Die zuckenden Beine des Schiedsrichters zeigen, dass dieser selbst berechtige Sorgen hatte, heil aus der Situation herauszukommen. Es sind hässliche Bilder, die eines Topspielers absolut unwürdig sind und in dieser krassen Form bislang nicht im Profitennis zu sehen waren.

John McEnroe, Nick Kyrgios, Novak Djokovic: Ja, auch sie leisteten sich schon unrühmliche Fehltritte, keine Frage. McEnroe lamentierte ewig und beschimpfte die Schiedsrichter. Kyrgios ging noch einen Schritt weiter und spuckte schon mal in Richtung eines Referees. Novak Djokovic schlug bei den US Open 2020 vor Wut einen Ball gegen den Hals einer Linienrichterin, allerdings unabsichtlich. Die Zverev-Szenen in Acapulco aber sind verstörend, weil sie so aggressiv rüberkommen – und zwar nicht nur verbal.

Schon jetzt zeigt sich, welche Wirkung sie in den sozialen Medien entfalten vor dem Hintergrund der immer noch unaufgeklärten Gewaltvorwürfe seiner Ex-Freundin Olga Sharypova. Frei nach dem Motto: Wer so auf einen Schiri losgeht, dem ist alles zuzutrauen. Das geht natürlich zu weit, verdeutlicht aber, welche negativen Folgen eine Entgleisung in aller Öffentlichkeit haben kann.

Zverev noch ein Vorbild für die Jugend?

Wie oft wurde Zverev in den letzten Wochen und Monaten dafür gelobt, dass er nun erwachsener, kontrollierter und fokussierter auf dem Platz agieren würde. Vorbei die Zeiten der regelmäßigen Wutausbrüche mit zerhackten Schlägern und Schimpftiraden in Richtung Box.

Seit den Olympischen Spielen in Tokio war er der Goldjunge, der in allen Jahresabschuss-TV-Events nicht fehlen durfte. Er wurde zum Sportler des Jahres gewählt – mehr Vorbildfunktion geht nicht. Mit seinem Image in Deutschland war es lange nicht zum Besten bestellt, doch zuletzt wurde deutlich, wie sehr er sich bemüht, die seit Tokio steigenden Sympathiewerte für sich zu nutzen. Nach seinem Wüterich-Auftritt bröckelt nun das Goldjungen-Image.

Ende 2021 sagte Zverev in einem Interview mit tennis MAGAZIN: “Deutschland ist wichtig, weil Kinder mich als Vorbild sehen und anfangen, sich für Tennis zu interessieren.“ Diese Kinder werden aber auch die Bilder aus Acapulco sehen. Und sie werden ihre Zweifel bekommen, ob der „Sascha“ nun wirklich so cool ist, wie sie glauben. Das ist verdammt schade, liegt letztlich aber vor allem in der Verantwortung eines Einzelnen: ihm selbst.