Ballkind am Hamburger Rothenbaum: Traumjob für junge Tennisfans
Unser Schulpraktikant Julius war schon dreimal als Ballkind am Hamburger Rothenbaum im Einsatz. Hier erzählt er, wie er ausgewählt wurde und worauf es in dem Job ankommt.
Bei einem großen Tennisturnier wie dem ATP-500 in Hamburg Ballkind zu sein, ist einer der besten Jobs, den man als begeisterter Tennisfan überhaupt machen kann. Ich war am Rothenbaum schon dreimal Ballkind: 2023, 2024 und 2025. Als Ballkind bin ich ganz nah an den Spieler dran, die ich sonst nur vom Fernseher aus anfeuere. In meinen Jahren als Ballkind durfte ich schon bei vielen großartigen Spielern auf dem Platz sein: Casper Ruud, Andrey Rublev, Lorenzo Musetti, Arthur Fils, Flavio Cobolli, Alexander Zverev und viele weitere.
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Seitdem ich Tennis spiele und es im Fernsehen intensiv verfolge, wollte ich schon immer mal als Ballkind bei einem großen Tennisturnier dabei sein. Natürlich am liebsten in Hamburg, weil ich da schon zuvor einige Male als Zuschauer war. Außerdem ist es nicht so weit entfernt von meinem zu Hause in Hamburg-Poppenbüttel. Damit ich überhaupt als Ballkind bei dem Turnier mitwirken konnte, hatte ich mich 2023 über einen Link angemeldet. Danach wurde dann zu einer Art Scouting eingeladen, das einige Monate vor Turnierbeginn stattfand.
Ein Grundkurs für die Ballkinder
Das Scouting ist wie ein Grundkurs für Ballkinder: Die groben Abläufe wurden in einer kurzen Theoriestunde durchgegangen und im Anschluss darauf auch geprobt. Es wurde darauf geachtet, wie schnell man ist, wie gut man Bälle rollen oder werfen kann und wer wie gut die Übersicht auf dem Court behält. Das Ganze dauerte etwa zwei Stunden. Einige Tage später habe ich dann eine E-Mail bekommen, ob ich dabei sein darf oder nicht. Natürlich habe ich mich sehr gefreut, als ich ausgewählt wurde. In den darauffolgenden Jahren war ich dann immer automatisch dabei, wenn ich mich dann wieder angemeldet habe. Ich war nach dem ersten Jahr ja bereits bestens mit den Abläufen vertraut.
Am meisten Spaß machen die Einsätze auf dem Center Court. Es ist etwas ganz Spezielles, wenn man in dem großen Stadion auf dem Platz steht, wo meistens die „Big Names“ ihre Matches absolvieren. Es gucken mehr Menschen als auf den Nebenplätzen zu, wodurch die Stimmung noch besser wird. Mein persönliches Highlight war 2023 das Halbfinale zwischen Arthur Fils und Alexander Zverev. Das Dach des Center Courts war wegen Regen geschlossen und das komplette Stadion war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Lange Ballwechsel, lauter Jubel
Es sieht zwar im Ergebnis mit 6:2 6:4 für Zverev nach einem glatten Sieg aus, doch es war unglaublich spannend. Der Franzose Fils hat es mit einigen abgewehrten Matchbällen sogar geschafft, das Hamburger Publikum überwiegend auf seine Seite zu ziehen. Zu Ende des Matches gab es durchweg lange Ballwechsel und jeder gewonnene Punkt beider Akteure wurde lautstark bejubelt. Durch das geschlossene Dach war es unglaublich laut – das war ein tolles Erlebnis.

Auf die Plätze, fertig, los: Schichtwechsel der Ballkinder am Hamburger Rothenbaum.Bild: IMAGO
Auch die Siegerehrungen am Ende der Turnierwoche sind immer etwas ganz Besonderes, weil man ganz nah dabei ist, wenn die Turnierchampions ihre Trophäen in die Luft heben. Bei den Einzel- und Doppelsiegerehrungen bei den Frauen 2023 und auch im letzten Jahr bei den Herren konnte ich auf dem Platz dabei sein.
Volle Disziplin als Ballkind
Auf und neben dem Platz muss ich als Ballkind absolute Disziplin beweisen, da ich mich zum einen an den strikt getakteten Zeitplan halten muss, der vorgibt, wann mein Ballkinder-Team auf dem Platz sein muss oder wann Pause ist. Zum anderen muss ich natürlich auch auf dem Platz fokussiert auf die Abläufe sein. Den Spielern gegenüber müssen sich alle Ballkinder selbstverständlich absolut neutral verhalten. Trotz allem herrscht in den Ballkinder-Teams vor allem in den Pausen eine lockere und gute Stimmung. Auf dem Platz aber muss jeder absolut konzentriert sein.
Für jeden Turniertag werden neue Achterteams gebildet. In den jeweiligen Teams gibt es immer sechs Leute, die auf den Platz gehen und zwei die nicht mit auf den Court müssen. Die sollen aber trotzdem immer mit an den Platzrand kommen, um im Notfall ein Ballkind auf dem Platz ersetzen zu können. Diese Rollen werden von Einsatz zu Einsatz neu aufgeteilt und jeder ist überall auf dem Platz oder setzt mal aus.
Meistens gibt es doppelt so viele Ballkinder-Teams wie Plätze. In Hamburg sind also sechs Teams für drei Matchcourts. Alle Teams rotieren dann über alle drei Plätze im 45-Minuten-Takt. Im Anschluss an den Einsatz hat dann das gesamte Team für ebenfalls 45 Minuten Pause. Am Anfang des Tages kann keiner genau vorhersagen, bis wann die Ballkinder arbeiten müssen, da es doch häufig vorkommt, dass Matches länger dauern als geplant. Der längste Tag, an dem ich auf dem Platz stehen musste, ging bis elf Uhr abends. Allerdings war das vor drei Jahren, als Herren und Damen noch in der gleichen Turnierwoche gespielt haben und es dadurch deutlich mehr Matches pro Tag gab.
Alles nicht so einfach, wie es vielleicht ausieht
Die Aufgabe der Ballkinder ist eigentlich einfach: Sie müssen dafür sorgen, dass es den Spielern auf dem Court möglichst einfach gemacht wird, sich nur auf das Spiel zu konzentrieren. Aber diese Aufgabe umfasst sehr vieles und kann sich in der Praxis auch manchmal als ziemlich schwierig herausstellen. Ich muss immer aufmerksam sein, wenn der Spieler zum Beispiel das Handtuch gereicht bekommen möchte oder seine Flasche mit Wasser gefüllt werden muss.
Wenn die Spieler auf den Bänken sitzen und es Sonnig ist, müssen die Ballkinder die Schirme halten, damit die Profis in den Pausen Schatten haben. Gleichzeitig muss das ganze Ballkinder-Team auf dem Platz aber auch immer dafür sorgen, dass die Bälle auf der Seite des Aufschlägers sind. Das sollte stets im höchstmöglichen Tempo passieren, damit der Spielfluss möglichst nicht gestört wird. Es mag sich auf den ersten Blick vielleicht nicht sonderlich herausfordernd anhören, doch all dies zu koordinieren, kann auf dem Platz manchmal wirklich kompliziert sein.
Ballkind zu sein, macht großen Spaß
An jedem Court sitzt auch immer ein Betreuer, der darauf achtet, wer was gut oder nicht so gut auf dem Platz macht. Am Ende eines Einsatzes sagt er, was noch verbesserungswürdig ist und was ordentlich geklappt hat. Je länger eine Turnierwoche dauert, desto weniger Matches gibt es. Das heißt: Es gibt weniger Plätze, auf denen gespielt wird und es werden weniger Ballkinder benötigt. Daher ist es in der Endphase des Turniers auch die Aufgabe der Betreuer, jeden Tag aufs Neue die Ballkinder auszuwählen, die am Folgetag noch dabei sein dürfen. 2023 war ich bis zu den Finalspielen der Damen dabei. Und letztes Jahr stand im Doppel- und Einzelfinale der Herren auf dem Platz. Das war schon richtig cool.
Ballkind zu sein, macht mir wirklich sehr viel Spaß. Es ist abwechslungsreich und manchmal auch gar nicht so leicht, wie es von außen vielleicht aussieht. Man bekommt zudem einen guten Eindruck davon, was hinter den Kulissen eines so großen Turniers passiert und wie viel Organisation nötig ist, um so ein tolles Event wie die Hamburg Open überhaupt auf die Beine stellen zu können.
Das bin ich:
Ich heiße Julius Rümmler, bin 15 Jahre alt und spiele leidenschaftlich mit Freunden oder auf Turnieren Tennis (aktuell LK 10,8). Ich gehe auf das Carl von Ossietzky Gymnasium in Hamburg. Im Moment absolviere ich beim tennis MAGAZIN für die nächsten Wochen mein Schülerpraktikum.
