Federer-Zverev-Hangzhou

Auch noch China? Federer & Zverev planen weiteres Show-Event

Neben ihrer Südamerika-Tour planen Roger Federer und Alexander Zverev auch gemeinsame Auftritte bei einem neuen Show-Event im chinesischen Hangzhou kurz vor Silvester 2019. Damit wird die Absage Federers für den ATP-Cup in ein anderes Licht gerückt.

Wenn man bedenkt, dass Nachrichten über Roger Federer – egal, um was es geht – stets den Weg in die breitere Sport-Öffentlichkeit finden, dann mutet es schon seltsam an, wie mit einer Ankündigung Federers beim Masters-1000er-Turnier in Shanghai vor gut einem Monat umgegangen worden ist. Für Federer-Verhältnisse versandete sie nämlich förmlich – trotz ihres durchaus hohen Nachrichtenwerts.

Federer unterschrieb für 5 Jahre in Hangzhou

Federer unterschrieb während der Turnierwoche Anfang Oktober einen Vertrag bei einem neuen Show-Event in Hangzhou, etwa 200 Kilometer südwestlich von Shanghai gelegen. Das Erstaunliche dabei: Die Laufzeit beträgt fünf Jahre! Federer verpflichtet sich also, bis einschließlich 2023 bei dem „Hangzhou Tennis Invitational Tournament“ anzutreten. Er wird dann 42 Jahre alt sein. Ob er dann noch aktiver Profispieler sein wird, scheint eher unwahrscheinlich. Aber für die Zeit danach kann man ja nicht früh genug Pläne haben.

Seine Premiere bei dem Einladungsturnier in Hangzhou wird er vom 27. bis 29. Dezember 2019 geben. Die Schweizer Tageszeitung Blick zitierte Federer mit den Worten: „Ich wurde von Hangzhou und den Veranstaltern angesprochen. Als sie mir erzählten, was sie in Hangzhou und in Richtung der Asienspiele aufbauen wollen und sie mich gerne für viele Jahre in China spielen lassen möchten, dachte ich, das wäre etwas Aufregendes.“

Um Weltranglistenpunkte wird es dabei nicht gehen, sondern um wohltätige Zwecke. Neben Roger Federer sollen laut Turnierplakat die Bryan-Brüder mit dabei sein – und auch Alexander Zverev. Dieser hat den Termin allerdings noch nicht offiziell bestätigt. Plausibel sind die Pläne aber durchaus. Immerhin werden Federer und Zverev Ende November (parallel zur neuen Davis Cup-Finalwoche) durch Südamerika touren.

Federer Zverev Hangzhou

WERBEPOSTER: Für das „Hangzhou Tennis Invitational Tournament“ sind Federer, Zverev und die Bryan-Brüder vorgesehen.

Federer und die Rolle von Team8

Hinter den gemeinsamen Aktivitäten steckt die Vermarktungsagentur „Team8“, die von Federer sowie dessen Manager Tony Godsick 2013 gegründet wurde und der seit August 2019 auch Alexander Zverev als Klient angehört. Wenn nun Federer und Godsick beschließen, die nächsten Jahre in Hangzhou anzutreten, bleibt der deutschen Nummer eins kaum eine Wahl.

Überhaupt ist der Einfluss von „Team8“ auf die globale Tennisszene in den letzten Jahren enorm gestiegen, wie die englische Tageszeitung The Telegraph in einer am Freitag veröffentlichten Story anschaulich beschreibt. Während die Agentur in den Anfangsjahren zu kämpfen hatte, brachte der Laver Cup die entscheidende Wende. „Der Erfolg hat Team8 inzwischen von einer Boutique-Management-Agentur zu einem bedeutenden Stakeholder gemacht“, schreibt The Telegraph.

Die großen Vorteile: Durch den Laver Cup hat Federer sich eine direkte Brücke zur nachrückenden Generation aufbauen können – das kann dem Agenturgeschäft bestimmt nicht schaden. Und: Er wird durch das Amt des Team-Kapitäns (zweifellos wird er Björn Borg dereinst beerben) noch jahrelang auf dieser Bühne präsent sein – selbst wenn er als aktiver Profi schon längst zurückgetreten ist.

Federer: „Ich spiele gerne an neuen Orten“

Das alles sollte man im Hinterkopf haben, wenn Federer wie jüngst am Freitag beim Media-Day vor den ATP-Finals erklärte, warum er nun doch nicht beim neu geschaffenen ATP-Cup zu Beginn der neuen Saison 2020 in Australien mitspielt. Federer sprach ausführlich über den Stellenwert der Familie und wie wichtig ihm die Showturniere in Südamerika sind. „Der Fokus liegt somit auf den ATP-Finals und den Australian Open. Ich musste auf etwas verzichten. Und das war der ATP-Cup, den ich gerne gespielt hätte, für mich aber nicht absolute Priorität genoss“, sagte Federer.

Höhere Priorität genießen offenbar Auftritte wie jene in Hangzhou am Jahresende. „Ich spiele gerne an neuen Orten. Das war für mich immer spannend. Ich versuche, gegen Ende meiner Karriere dorthin zu reisen, wo ich noch nie war und wo ich das Tennis voranbringen kann“, wird Federer in einem Beitrag des SRF (Schweizer Radion und Fernsehen) zitiert.

Über das „Hangzhou Tennis Invitational Tournament“ ist indes noch nicht viel bekannt geworden. Es soll im „Hangzhou Sports Park Stadium“ stattfinden – einem futuristischen Stadion-Neubau, der erst 2018 eröffnet wurde. 80.000 Fans finden dort etwa für Fußballpartien Platz. Für Tennisveranstaltungen ist ein Umbau für 10.000 Zuschauer vorgesehen. Das Stadion wird das Zentrum der Asien-Spiele 2022 bilden.

Federer Zverev Hangzhou

PRACHTBAU: Das neue Stadion in Hangzhou, in dem Federer und Zverev für ein Einladungsturnier kurz vor Silvester 2019 spielen werden.

Feststeht, dass Federer den China-Besuch während seines Aufenthalts mit der Familie in seinem Zweitwohnsitz Dubai einstreuen wird. Nach den Show-Matches geht es dorthin wieder zurück und Federer wird sich weiter auf die Australian Open vorbereiten.

Denn das sind die Schwerpunkte Federers: Die großen Turniere und seine eigenen, mit aller Vehemenz vorangetriebenen Events. Fragt sich nur, wie der tatsächliche „Kuhhandel“, den Federer mit der ATP eingegangen haben soll, tatsächlich aussieht? Damals hieß es: Wir (die ATP) nehmen den Laver Cup offiziell in den Tour-Kalender auf und du (Federer) spielst den ATP Cup. Daraus ist jetzt nichts geworden.