Djokovic Federer

Djokovic vs. Federer: Das spannendste Match der Tennis-Geschichte

Eine Datenanalyse des US-Tennisstatistikers Jeff Sackmann kommt zu dem Ergebnis, dass das Wimbledon-Finale zwischen Novak Djokovic und Roger Federer das aufregendste Match überhaupt war.

Auch drei Tage nach dem Monster-Finale in Wimbledon zwischen Novak Djokovic und Roger Federer staunt die globale Tennis-Community immer noch über das sagenhafte Match – und den ungewöhnlichen Ausgang. Denn Sieger Novak Djokovic war in fast allen statistischen Kategorien schlechter als Federer und machte in der Endabrechnung 14 Punkte weniger als sein Gegenüber, aber der Serbe holte sich trotzdem seinen fünften Wimbledon-Sieg.

Jeff Sackmann, ein auf Tennisdaten spezialisierter US-Blogger („Heavy Topspin“), der die Website tennisabstract.com betreibt, hat nun für den Economist einige interessante Aspekte zu der Partie ausgearbeitet. Zum Beispiel: In den drei gespielten Tiebreaks unterliefen Federer insgesamt elf leichte Fehler. Djokovic machte dagegen nicht einen einzigen „unforced error“.

Djokovic vs. Federer im „Excitement Index“

Noch spannender aber ist ein von Sackmann eingeführter Index, der die Spannung eines Matches misst. Der wichtigste Parameter dabei ist die Wahrscheinlichkeit eines gespielten Punktes auf den späteren Sieg des einen oder des anderen Spielers. Dazu bewertet Sackmann jeden einzelnen Punkt einer Partie nach dessen „Leverage“, womit er den Einfluss des Punktes auf den späteren Ausgang der Partie meint. Der „Excitement Index“ (EI) gibt nun den durchschnittlichen Einfluss eines jeden Punktes einer Partie auf das spätere Ergebnis wieder.

Zum besseren Verständnis: In Wimbledon 2019 lag der durchschnittliche „EI“ bei den Herren bei vier Prozent. Das heißt: Jeder Spieler würde seine Sieg-Wahrscheinlichtkeit um vier Prozent verbessern, wenn er den Punkt gewann, anstatt ihn zu verlieren. Der „EI“ steigt, wenn es matchentscheidene Situationen wie einen Tiebreak oder Breakbälle gibt, auf weit über zehn Prozent. Einseitige Matches fallen auf Werte unterhalb von zwei Prozent.

Das Finale von Sonntag nun kommt auf einen „EI“ von 7,5 Prozent und ist damit das spannendste Grand Slam-Endspiel der letzten 40 Jahre. Der Wimbledon-Klassiker von 1980 zwischen Björn Borg und John McEnroe kommt auf 7 Prozent. Das Wimbledon-Endspiel zwischen Roger Federer und Rafael Nadal 2008 liegt bei 6,9 Prozent (s. Tabelle unten).

Die spannendsten Grand Slam-Endspiele der Herren (1979-2019)

JahrGS-TurnierSiegerVerliererPunktanzahlExcitement
Index*
2019WimbledonDjokovicFederer4227,48
1980WimbledonBorgMcEnroe3767,03
2008WimbledonNadalFederer4136,91
2009WimbledonFedererRoddick4366,90
2004ParisGaudioCoria2846,57
2012MelbourneDjokovicNadal3696,13
1987New YorkLendlWilander3026,12
2014WimbledonDjokovicFederer3666,12
1988New YorkWilandLendl3275,77
2001WimbledonIvanisevicRafter3045,74

(Quelle: The Economist *durchschnittlicher Einfluss, den jeder Punkt auf die Wahrscheinlichkeit eines Spielers hatte, das Match zu gewinnen)

Der Hauptgrund, warum das Finale von Sonntag das mit Abstand spannendste war, sieht Sackmann vor allem in dem Tiebreak des fünften Satzes. Ein weiterer Punkt: Djokovic und Federer sind keine Ass-Maschinen, so dass – zumindest theoretisch – immer Chancen für den Returnspieler möglich waren.

Djokovic war bei den Big Points viel besser

Beim Wimbledon-Finale 2009 zwischen Federer gegen Roddick, das mit 16:14 im fünften Satz für den Schweizer endete, ist der „EI“-Wert nicht ganz so hoch, weil Roddick mit seinem Aufschlag zu dominant war. So ähnlich war es übrigens auch im längsten Match der Tennis-Geschichte zwischen Nicolas Mahut und John Isner. Die 11-Stunden-Schlacht kommt auf einen „EI“ von 6,6 Prozent, weil auch dort die Aufschläge zu dominant und die Returnqualitäten der Spieler zu gering waren.

Über den „Excitement Index“ hat Sackman auch jene Punkte der Partie zwischen Federer und Djokovic herausgefilert, die den größten Einfluss auf den späteren Ausgang der Partie hatten. Sackmann kommt auf sechs wahre „Big Points“. Von diesen sechs gewann Djokovic fünf. Das erklärt letztlich, wie Djokovic es schaffte, ein Match zu gewinnen, das er eigentlich nicht gewinnen konnte.