Tennis: Indian Wells Tennis Garden

Selbsternanntes "Tennis-Paradise" in Kalifornien: Doch das "Stadium 2" von Indian Wells (im Vordergrund) war 2026 abends oft fast leer. Bild: IMAGO

Indian Wells: Warum einige Abendmatches vor fast leeren Rängen stattfinden

Indian Wells verzeichnet auch 2026 Rekordbesucherzahlen, dennoch gibt es Partien vor fast leeren Rängen – wie kann das sein?

Das Großturnier von Indian Wells als „Fifth Slam“ zu bezeichnen – also als fünftes Grand Slam-Turnier –, ist keine Übertreibung. 2025 kamen 504.268 Fans zum Event in der kalifornischen Wüste, ein neuer Rekord. Zum Vergleich: Wimbledon, das berühmteste Tennisturnier der Welt, wurde vergangenes Jahr von 548.770 Zuschauern besucht. Gut, Wimbledon ist – bedingt durch die eher geringe Größe der Anlage und fehlende Night-Sessions – inzwischen das „kleinste“ Grand Slam-Turnier, zumindest in Sachen Besucherzustrom. Zu den Australian Open oder den US Open strömen zuletzt weit mehr als eine Million Besucher.

Dennoch: In Sachen Fanzahlen ist Indian Wells nun auf Grand Slam-Level angekommen. Für 2026 vermeldet der „Desert Slam“ bereits neue Bestwerte. Während der ersten Turnierwoche pilgerten 312.948 Fans auf die Anlage – so viele wie noch nie. Am Freitag (6. März) und Samstag (7. März) registrierten die BNP Paribas Open aufeinanderfolgende Tagesrekordwerte von erst 58.828 und dann 60.781 Zuschauern.

Rekord-Wochenende in Indian Wells

Die Besucheranzahl für das gesamte Wochenende von Freitag bis Sonntag belief sich auf 176.264 – ebenfalls ein neuer Rekord, natürlich. „Das erste Wochenende des Turniers ist zu einer Art Spring Break für Erwachsene geworden“, sagte vergangenes Jahr Craig Shapiro, Moderator des „Craig Shapiro Tennis Podcast“ und ein unermüdlicher Netzwerker im US-Tennis. Aus Turnierkreisen ist zu hören, dass eine Zuschaueranzahl für das komplette Event von 600.000 Fans durchaus noch realistisch ist für 2026. Damit würde Indian Wells endgültig an Wimbledon vorbeiziehen.

Für Turnierbesitzer Larry Ellison, der den Indians Wells Tennis Garden 2009 für 100 Millionen Dollar übernahm und inzwischen mindestens 100 Millionen weitere Dollar darin investiert hat, war es stets das Ziel, den Besuchern „das ultimative Tennisfanerlebnis“ zu verschaffen. Auch deshalb ließ er ein zweites Stadion mit 8.000 Sitzplätzen bauen, pflanzte 417 Palmen („Damit wir hier auch wirklich einen Garten haben!“) und dachte sich mit seinem Team zusätzliche Attraktionen aus.

Indian Wells mit großen Rahmenprogramm

Seit 2023 gibt es den „Eisenhower Cup“ vor dem Start des Hauptfeldes. Dabei handelt es sich um ein erstklassig besetztes Mixedturnier im Kurzformat mit acht Teams, bei dem 2026 zum Beispiel Taylor Fritz mit Elena Rybakina oder Casper Ruud mit Iga Swiatek antraten. Das, was die US Open 2025 als ihre Mixed-Revolution verkauften, gibt es in der kalifornischen Wüste also schon etwas länger – wenn auch mit kleinerem Feld und ohne Grand Slam-Titel.  Während der zweiten Turnierwoche läuft in diesem Jahr bereits zum dritten Mal die reguläre Mixed-Konkurrenz mit 16 Teams.

Ein solches „Rahmenprogramm“ findet sich bei keinem anderen Großturnier, abgesehen von den Majors. Das alles treibt die Fanzahlen in die Höhe. Und für die Besucher gibt es inzwischen sogar einen Signature Drink: Die US Open haben ihren „Honey Deuce“, Wimbledon bietet den „Pims“ an, in den Melbourne wird der „Lemon Ace“ serviert und in Indian Wells erhält man den „Drop Shot“ für 27 Dollar.

Doch in diesem Jahr gibt es auch Ärger im selbsternannten „Tennis Paradise“. Eine neue Ticketpolitik für das Stadium 2 sorgt für Unmut – und für Matches, die fast ohne Zuschauer stattfinden. Während Fans in den vergangenen Jahren mit einem Ground-Ticket flexibel zwischen den Außenplätzen und Stadion 2 wechseln konnten, ist das nun nicht mehr möglich. Für Stadion 2 sind jetzt ausschließlich teure, reservierte Tickets erforderlich – so wie im Hauptstadion.

Leere Ränge in Indian Wells

Diese Änderung hat nun dazu geführt, dass viele Abendspiele vor nahezu leeren Rängen ausgetragen werden, obwohl die Tickets offiziell ausverkauft sind. Die spontane und lebendige Atmosphäre, die durch die Ground-Ticket-Inhaber entstand, fehlt nun spürbar. Fans, die früher den Tag über zwischen den Courts hin und her pendelten und sich zum Abschluss noch ein Match im Stadion 2 anschauten, müssen nun draußen bleiben. Gleichzeitig bleiben Besitzer von Stadion 2-Tickets nicht für den kompletten Turniertag auf der Anlage, der vormittags um elf Uhr beginnt. Die Folge: Partien wie Svitolina gegen Siegemund oder Anisimova gegen Mboko verfolgten im Stadion 2 nur wenige Zuschauer.

Die Veranstalter begründen die neue Regelung in einer Stellungnahme, die dem Web-Portal The Athletic vorliegt. Darin heißt es: „Da das Turnier weiterhin wächst, prüfen wir stets Möglichkeiten, unser Programm und unsere Abläufe – einschließlich der Ticketangebote – sowie das Fan-Erlebnis zu verbessern. Im Vorfeld des diesjährigen Turniers haben wir beschlossen, die Ticketangebote in Stadium 2 weiterzuentwickeln und den Verkauf der oberen Ränge von freier Platzwahl auf reservierte Tickets umzustellen. Wie jede Entscheidung, die wir treffen, bewerten wir sie sorgfältig nach Abschluss jedes Turniers und diese Analyse bestimmt dann zukünftige Richtlinien.“

Warteschlangen vor den Außencourts

Eine weitere Folge der neuen Ticket-Politik: Am Stadium 3 und vor den Außencourts, die für die Ground-Ticket-Inhaber noch zugänglich sind, bilden sich mitunter lange Schlangen. In Indian Wells sind die Doppelkonkurrenzen traditionell gut besetzt – auch weil einige Einzel-Topstars für den Doppelstart ein paar Extra-Dollar vom Veranstalter bekommen sollen. Paarungen wie Sinner/Opelka oder Tsitsipas/Djokovic ziehen auch auf kleineren Courts das Publikum an. Gleichzeitig haben Ground-Ticket-Inhaber nun eine Option weniger zur Verfügung, weil sie eben nicht mehr ins Stadium 2 dürfen.

Auf X äußern viele Tennisfans ihr Unverständnis für die neue Ticket-Regelung. Hauptkritikpunkt ist – natürlich – die offensichtliche Profitgier des Veranstalters, weil die Stadium 2-Tickets (ab 75$) teurer sind als die Ground-Tickets (60$). Tenor: „Milliardäre wollen immer mehr Geld. Das ist ihr Hauptziel. So werden sie Milliardäre.“ Gemeint ist: Turnierbesitzer Larry Elisson. Andere können es einfach nicht nachvollziehen, wie man die früher so gute Stimmung im Stadium 2 „für ein paar Extra-Dollar“ einfach zunichte machen konnte.

Indian Wells nur noch tagsüber? 

Die Frage ist nun: Warum verschwinden so viele Stadium 2-Ticketinhaber am frühen Abend? Sind die Matches nicht attraktiv genug? Oder sind die Tennis-Tage wirklich zu lang in Indian Wells? Der US-Tennisjournalist Ben Rothenberg hat sich jüngst auf der Plattform X dafür ausgesprochen, Indian Wells zu einem „reinen Tages-Turnier“ zu machen und erhielt dafür viel Zuspruch. Allzu späte Ansetzungen sollten vermieden und die Matches des Tages gleichmäßiger über alle Courts verteilt werden.

Die Diskussion zeigt: Ticketpolitik bei Turnieren ist nicht nur eine Frage des Preises, sondern entscheidet maßgeblich darüber, wie zugänglich und lebendig das Tennis-Erlebnis für Zuschauer bleibt – auch in Indian Wells.