McEnroe, Henman, Djokovic: Disqualifikationen bei Grand-Slam-Turnieren

Welche Spieler wurden bei Grand-Slam-Turnieren disqualifiziert? Wir geben einen Überblick.

Denis Shapovalov schoss im Davis Cup fast den Schiedsrichter vom Stuhl, David Nalbandian trat einem Linienrichter das Schienbein blutig. Nick Kyrgios warf einen Stuhl auf den Court. Serena Williams drohte einer Linienrichterin, ihr den Ball in den Hals zu stopfen. Anastasia Rodionova feuerte auf Zuschauer, die Angelique Kerber zujubelten. Doch nur sechsmal sind Tennis-Spieler bei Grand-Slam-Turnieren in der Open Era wegen Fehlverhaltens auf dem Platz disqualifiziert worden. Die Liste:

Novak Djokovic (Serbien): US OPEN, ACHTELFINALE, 2020

Die Schande von Flushing Meadows. Beim ersten Mal geht es noch gut: Djokovic feuert wütend einen Ball gegen die Seitenbegrenzung, Zuschauer kann er nicht erwischen, weil aufgrund der Pandemie keine da sind. Dann aber will die Nummer eins der Welt, der haushohe Turnierfavorit, einen Ball im Wegdrehen „entsorgen“ – er trifft eine Linienrichterin am Hals. Nach zehnminütiger Diskussion sieht Djokovic ein, dass er disqualifiziert ist. Er flieht wortlos und schreibt später bei Instagram: „Es tut mir so leid.“

Stefan Koubek (Österreich): FRENCH OPEN, 2. RUNDE, 2000

Eigentlich ist Stefan Koubek für einen anderen Vorfall bekannt. 2010 würgte er im österreichischen Bundesliga-Match zwischen dem TC Gleisdorf und UTC Strassburg nach einer Reihe gegenseitiger „Insultierungen“, wie es dort so schön heißt, seinen Gegner Daniel Köllerer. Denn: „Ich bin Manns genug, mich nicht beschimpfen zu lassen.“ Zehn Jahre zuvor warf Koubek in Paris seinen Schläger und traf versehentlich einen Balljungen. Auch nicht besser.

Carsten Arriens (Deutschland): French Open, 1. RUNDE, 1995

Carsten Arriens wird es viele Jahre später zum weit weniger temperamentvollen Davis-Cup-Teamchef schaffen, auf dem Platz ist er ein Heißsporn mit insgesamt vier Disqualifikationen – Rekord. Gegen den Neuseeländer Brett Stevens wirft er in Paris seinen Schläger ins Netz, wofür er verwarnt wird, schleudert den Schläger in Richtung seines Stuhls und trifft einen Linienrichter am Knöchel. Ein unrühmlicher Abgang.

Jeff Tarango (USA): WIMBLEDON, 3. RUNDE, 1995

Tarango steigert sich auf Platz 13 langsam in seine Wut hinein. Dann rastet er aus. „Haltet die Klappe!“, ruft er dem Publikum während seines Matches gegen Alexander Mronz zu. Schiedsrichter Bruno Rebeuh bekommt es dann richtig ab: „Du bist der korrupteste Typ im Tennis!“ Als der Franzose ihm zum zweiten Mal einen Punkt abzieht, brüllt Tarango: „No way! Das war’s!“ Er schnappt seine Tasche – und geht. Seine Ehefrau Benedicte wird Rebeuh später im Gang ohrfeigen: „Er hatte eine Lektion verdient.“

Tim Henman/Jeremy Bates (Großbritannien): WIMBLEDON, DOPPEL, 1. RUNDE, 1995

Jeff Tarango steht diesmal auf der richtigen Seite des Netzes. Ganz anders Henman, später der Held der Briten, der mit einem Netzroller passiert wird und wütend auf einen Ball eindrischt. „Ich habe noch geschaut, ob die Linienrichter auch aus dem Weg sind“, sagt er später entschuldigend. Nicht aus dem Weg ist das schockierte Ballmädchen Caroline Hall, das den Ball aus kürzester Distanz ans Ohr bekommt. Dennoch buht das Publikum nicht Henman aus, sondern Oberschiedsrichter Alan Mills.

John McEnroe (USA): AUSTRALIAN OPEN, ACHTELFINALE, 1990

McEnroe nimmt sich gegen Mikael Pernfors drei Bälle und jongliert sie mit drohendem Blick direkt vor dem Gesicht einer Linienrichterin. Er zerhackt sein Racket, beschimpft schließlich den Schiedsrichter und den Turnierdirektor. Bei der Disqualifikation schaut er entgeistert: Er hatte die Regeländerungen nicht gelesen. Kurz zuvor war die Disqualifikationsgrenze auf drei Verwarnungen herabgesetzt worden. McEnroe: „Jetzt weiß ich es.“