Tennis-Star Nick Kyrgios sorgt immer wieder für Furore

Nick Kyrgios packt aus: So ticken Federer, Djokovic und Nadal wirklich

Nick Kyrgios ist einer der talentiertesten Spieler, den das Tennis je gesehen hat. Für diese Gabe entsprechende Ergebnisse fährt er nur selten ein. Darüber, seine Einstellung und über die Eigenarten der Superstars hat er in einem Podcast offen gesprochen.

An seinen öffentlich guten Tagen ist Nick Kyrgios sicher einer der charismatischsten und interessantesten Gesprächspartner im weltweiten Tenniszirkus. Das hat er unter der Woche in Rom bewiesen, als er einen Podcast mit dem renommierten Tennisjournalisten Ben Rothenberg  auf der Blogseite „nochallengesremaining“ aufnahm. Die Beiden fielen in den vergangenen Jahren durch mehr oder minder große Sticheleien auf Twitter auf – mit der Zeit entstand die Idee für einen Podcast.

Und Kyrgios hielt in dem 45-minütigen Gespräch nicht mit seiner Meinung zurück. Zunächst zählte er brutal ehrlich auf, warum er der wohl unprofessionellste Spieler auf der Tour sei und sich immer noch nicht wohlfühle. Als er in der Vorwoche mit dem nicht für seine Einstellung bekannten Bernard Tomic Doppel in Madrid spielte, habe der sich intensiver eingeschlagen „und noch Übungen im Fitnessstudio absolviert. Spätestens da wusste ich. Wenn selbst Bernard mehr macht, bin ich wohl der faulste Spieler auf der Tour.“

Kyrgios: „am liebsten ein einfaches Leben“

Gleichzeitig habe er einen großen Respekt vor den Spielern, die Tag für Tag ihr Pensum abspulen und auf dem Platz immer alles geben können: „Das ist ein Talent für sich. Ich kann das nicht. Keine Chance. Wenn dem so wäre, hätte ich vermutlich schon zwei oder drei Grand Slams gewonnen.“ Das Reisen sei für ihn immer noch sehr schwierig. Am liebsten würde er ein „sehr einfaches Leben täglich bei meiner Familie führen. Raus auf den Basketballcourt gehen, Körbe werfen, und mit den gleichen Leuten chillen.“ Nicht immer könne er bestimmen, wann seine ganze Leistungsbereitschaft zur Verfügung stehe. Es sei wie ein automatischer An- und Ausschalter.

Kyrgios gab aber auch Einblicke in seine verletzliche Seite. Als Rothenberg fragte, ob Kyrgios Angst hätte, täglich alles für seine Karriere zu geben, weil die Gefahr bestünde, dass es auch mit seinen 100 Prozent nicht für ganz große Titel reiche, antwortete Kyrgios: „Das ist sicher ein Teil der Wahrheit.“

Ein anderer Teil der Wahrheit: In der Woche seines Turniersiegs in Acapulco war er fast täglich feiern. Das hielt in nicht davon ab, Nadal, Wawrinka, Isner und Zverev zu besiegen.

Kyrgios ledert gegen Verdasco

Möglich, dass Kyrgios deshalb nicht der beliebteste Spieler der Tour ist. Kyrgios machte deutlich, dass er nicht jeden leiden kann. „Fernando Verdasco ist für mich der arroganteste Spieler der Tour. Er läuft herum, als sei er etwas ganz Wichtiges, grüßt nicht, dabei ist sein Spiel einfach nur Durchschnitt.“

Auch über Novak Djokovic fand er keine lobenden Worte: „Ich finde, er hat ein krankhaftes Verlangen danach, von allen gemocht zu werden. Er möchte wie Federer sein. Er möchte so sehr gemocht werden, dass ich es nicht ausstehen kann. Sein Siegesjubel ist abscheulich.“ Zwar respektiere Kyrgios die Leistung des 15-fachen Grand Slam-Siegers, der wohlmöglich auch Federers Grand Slam-Rekord irgendwann brechen werde.

Kyrgios: „Djokovic besessen davon, gemocht zu werden“

„Aber wir sprechen auch über einen Kerl, der mal bei den Australian Open rausgezogen hat, weil es zu heiß war. Egal wie viele Majors er gewinnt, er wird nie der größte Spieler aller Zeiten sein. Wenn man nicht mal mich besiegen kann, ist man nicht der größte aller Zeiten. Man muss nur sehen wie viel ich trainiere und investiere. Das ist einfach gar nichts im Vergleich zu ihm.“Kyrgios steht im direkten Vergleich mit dem Serben bei zwei zu null Siegen.

Federer sei für ihn der Beste aller Zeiten. „Jeder versucht auch ein Teil seines Spiels zu imitieren und zu implementieren. Das ganze Spiel von Stefanos Tsitsipas baut auf Federer auf zum Beispiel.“ Was Rafael Nadal erreicht hätte, mache Kyrgios ebenfalls Angst. „Aber er spricht auf Pressekonferenzen komischerweise immer negativer über mich und generell seine Gegner, wenn er verliert.“

Zwischen den Zeilen war auch zu lesen, dass Kyrgios sich nicht ganz sicher sei, wie Federer, Nadal und Djokovic so lange auf diesem Niveau spielen könnten – im Vergleich zu Andy Murray, der nicht minder professionell sei: „Andy war ungefähr fünf, sechs Jahre auf diesem Niveau und sein Körper ist eine reine Baustelle. Keine Ahnung was die anderen tun, um so lange spielen zu können.“ Präziser wurde der Australier nicht.

Das gesamte Gespräch können Sie HIER nachhören.

 



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