Olga Danilovic

Neues Wunderkind? Danilovic erste WTA-Siegerin des neuen Jahrtausends

Olga Danilovic hat mit erst 17 Jahren ihren ersten WTA Titel gewonnen. Im Finale von Moskau besiegte sie die gleichaltrige Anastasia Potapova aus Russland mit 7:5, 6:7, 6:4. Die Serbin ist damit die erste WTA Turniersiegerin, die im neuen Jahrtausend geboren wurde. Kann das Wunderkind an die Erfolge von Ana Ivanovic anknüpfen?

Von Jannik Schneider und Frederik von Gerlach

Olga Danilovic schlenderte nach ihrer Niederlage in der Qualifikation für das Turnier in Moskau gegen die Spanierin Paula Badosa Gibert gerade mit ihrer Mutter über den Roten Platz in Moskau, als ihr Coach Juan Lizariturry anrief: „Komm zurück!“ – „Warum? Ich habe verloren, ich fliege morgen nach Hause.“ – „Nein, du spielst morgen.“

Olga Danilovic, Nummer 187 der Weltrangliste, stand also als Lucky Loser im Hauptfeld. Und gewann: Erst gegen Anna Karolina Schmiedlova (Slowakei/83. der Weltrangliste), danach gegen Kaia Kanepi (Estland/49.), im Viertelfinale gegen die an Nummer eins gesetzte Titelverteidigerin Julia Görges (10.), im Halbfinale gegen Alexandra Sasnowitsch (Weißrussland/42.) und schließlich gegen Anastasia Potapowa (Russland) – Letztere war als 204. der Weltrangliste noch die vermeintlich leichteste Gegnerin.

Danilovic feiert zwei Premieren auf der WTA Tour

Im Entscheidungssatz deutete beim Stande von 4:3 und 40:0 für die aufschlagende Anastasia Potapova wenig auf einen Sieg von Olga Danilovic hin. Potapova hatte den Sieg vor heimischem Publikum bereits vor Augen. Allerdings drehte die Serbin das Spiel und glich doch noch zum 4:4 aus – der Genickbruch für Potapova. Mit 7:5, 6:7, 6:4 gewann Danilovic das Teenager-Duell.

Der Sieg von Danilovic war in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Sie war die erste „Lucky Loserin“ überhaupt, die einen Titel auf der WTA Tour holen konnte. Außerdem ist Danilovic (Jahrgang 2001) die erste WTA Turniersiegerin mit Geburtsjahrgang im neuen Jahrtausend. Damit ist sie die jüngste Siegerin eines WTA Turniers seit Ana Konjuh 2015 in Nottingham (Konjuh war 18 Tage jünger als die Serbin jetzt). Das enorme Potential der 17-Jährigen zeigte sich bereits im Viertelfinale, als Danilovic die Wimbledon-Halbfinalistin Görges aus dem Turnier warf.

Ist Danilovic die nächste Ivanovic?

In ihrem Heimatland wird der Teenager von der Presse schon als potentielle Nachfolgerin von Ana Ivanovic gefeiert. Die sportlichen Gene liegen auf jeden Fall in der Familie. Der Vater, Predrag Danilovic, war in den 90er Jahren ein Weltklasse-Basketballspieler und spielte unter anderem für die Miami Heat und die Dallas Mavericks. Mit der jugoslawischen Mannschaft wurde er viermal Europameister und gewann 1996 die olympische Silbermedaille. Auch Mutter Svetlana ist in Serbien nicht unbekannt: Sie arbeitet als Sportreporterin beim öffentlich-rechtlichen Sender RTS.

Die Tochter überzeugt im Tennis vor allem mit ihrer aggressiven Spielweise. Im Finale gegen Potapova gelangen ihr ganze 49 Winner, bei 46 unerzwungenen Fehlern. Auch Ivanovic war für ihr aggressives Spiel und ihre krachenden Vorhandschläge berüchtigt. Im Gegensatz zu Ivanovic ist Danilovic allerdings Linkshänderin.

Danilovic arbeitet mit ehemaligem Grand Slam-Champion zusammen

Der ehemalige Weltranglistenzweite Alex Corretja freut sich ebenfalls über den Triumph von Danilovic. Zusammen mit Enric Molina und seinem Bruder Ivan betreibt Corretja eine Spielerberatungsagentur, in der neben Feliciano Lopez, Pedro Cachin, Santiago Giraldo und Alvaro Lopez auch Olga Danilovic betreut wird.

„Ich kümmere mich um die tennisspezifischen Dinge. Enric Molina kümmert sich um Verträge und die Sachen abseits der Plätze. Außerdem hat jeder Spieler einen eigenen Trainer“, erklärt der Spanier. Im Fall der Serbin ist es Lizariturry.  Tatsächlich hatte Danilovic schon zuvor Turniere gewonnen, vier an der Zahl, allerdings alle unterklassig. Zwei Wochen vor dem Coup in Moskau etwa besiegte sie im Finale der Reinert Open in Versmold in drei Sätzen Laura Siegemund. Ihr Preisgeld: 9119 Dollar. „Der Sieg ist absolut verdient“, sagte da Robert Hampe, Präsident des Westdeutschen Tennisverbands (WTV) und ergänzte, Danilovic sei „auf dem Sprung“ in die Weltspitze.

Danilovics Verbindungen zu Marta Kostyuk

Der Titel spült nun ganze 163.000 Dollar in die Kasse der Nachwuchsspielerin. Dank des Titels rangiert die Serbien nun auf Rang 110 der Weltrangliste und steigerte sich damit um fast 80 Plätze. „Mir fehlen die Worte, um meine Gefühle zu beschreiben“, erklärte die Turniersiegerin am Sonntag. „Das ist der Moment für den ich lebe.“

Danilovic ist im Übrigen mit einem weiteren Wunderkind gut befreundet – Marta Kostyuk, die bei den Australian Open für Furore sorgte. (Lesen Sie HIER ein Portrait). Den letzten ihrer drei Grand Slam-Titel bei dfen Junioren im Doppel sicherte sie sich in 2017 bei den US Open an der Seite von Kostyuk. (mit SID-Material)