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Thiem-Manager Straka: „Keiner der Profis erfüllte seine Vorbildfunktion“

Herwig Straka, Manager von Dominic Thiem und Mitglied im ATP-Board, äußert sich im Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ kritisch zu der von Novak Djokovic initiierten Adria-Tour.

Mittlerweile ist die Adria-Tour, die als Einlandungs-Turnierserie für einen guten Zweck auf dem Balkan von Novak Djokovic ins Leben gerufen wurde, in der internationalen Sportszene ein feststehender Begriff. Allerdings nicht im positiven Sinne. Die Adria-Tour steht nun dafür, was mit dem Coronavirus passiert, wenn sich Promi-Sportler so verhalten, als würde es keine Pandemie mehr geben.

Vier Profispieler sind inzwischen positiv auf Covid-19 getestet worden, darunter auch Initiator Novak Djokovic. Hygiene- und Abstandsregeln wurden bei den Stationen in Belgrad und Zadar strikt ignoriert. Die Quittung dafür ist ein globales Kopfschütteln für unverantwortliche Tennisprofis, deren Videos vom ischglhaften Engtanzgehabe – oberkörper- und distanzfrei – auf der Aftershow-Party in Belgrad via Twitter und Instagram um die Welt gingen.

Straka: „Jeder weiß, es war dumm“

Herwig Straka, Manager von Dominic Thiem, Turnierdirektor in Wien und Mitglied im höchsten Gremium der Herrentour (ATP-Board), ordnet das Geschehen nun in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ ein. Mit Blick auf die Videos aus dem Nachtclub in Belgrad und einer bislang ausgebliebenen Entschuldigung seines Schützlings Thiem sagt Straka: „Im Nachhinein ist klar, dass es ein Blödsinn war. Auch wenn es erlaubt war. Jeder weiß, es war dumm, da hilft keine öffentliche Entschuldigung. Der Einzige, der sich entschuldigen muss, ist Djokovic, weil er alles inszeniert hat. Die anderen waren nur dabei, haben keinen umgebracht.“ Inzwischen hat sich Dominic Thiem allerdings via Instagram entschuldigt. Thiem schreibt dort unter anderem: „Unser Verhalten war ein Fehler, wir haben uns zu euphorisch verhalten.“

Grundsätzlich kritisiert Straka das Verhalten von Novak Djokovic aufs Schärfste: „Er ist Präsident der Spieler und wurde der Rolle nicht gerecht. Aus Sicht der ATP war es eine unnötige Veranstaltung.“ Und weiter: „Die Spieler sind Djokovic zuliebe hingefahren. Er hat sie selbst dauernd angerufen. Das war außerhalb der Kontrolle von einem Manager, da geht es um Beziehungen und Freundschaften unter den Spielern. Ruft ein Roger Federer oder Rafael Nadal an, kommt man eben.“

Straka: ATP-Restart nicht in Gefahr

Straka ärgert sich auch darüber, wie mit den coronaüblichen Hygiene- und Abstandsregeln auf der Adria-Tour umgegangen wurde: „Im Vorhinein habe ich darauf bestanden, dass wir klare Covid-19-Richtlinien kriegen. Dort stand drin, dass maximal 1000 Zuschauer kommen dürfen, Social Distancing wurde garantiert. Nur unter diesen Voraussetzungen habe ich Dominic freigegeben. Das war zwei Tage davor. Sie haben sich nicht daran gehalten, für mich war das ärgerlich.“ Sein Fazit fällt für alle Profis, die an der Adria-Tour teilnahmen, vernichtend aus – inklusive seines Klienten Thiem: „Keiner, der dabei war, hat seine Vorbildfunktion erfüllt. Das ist traurig.“

Den geplanten Start der ATP-Tour ab Mitte August in den USA sieht Straka aber nicht in Gefahr: „Die Amerikaner haben auf der Basis der jetzigen Situation die Turniere erlaubt, und die Lage in den USA ist ja dramatisch. Da hat sich nichts geändert. Die Spieler haben endlich verstanden, warum es diesen strengen Vorschriften gibt. Insofern hat die Geschichte auch etwas Gutes.“