Wimbledonsieg von Angelique Kerber im TG Düsternbrook

Wimbledonsieg: Kiel „kiekt“ Kerber

Wie die Tennisgesellschaft Düsternbrook – der Heimatclub von Angelique Kerber – den Wimbledon-Triumph ihrer „Angie” erlebt hat.



Um 18:22 Uhr reißen alle im Clubhaus der Tennisgesellschaft Düsternbrook in Kiel die Arme hoch. Minutenlang applaudieren die Mitglieder des Heimatclubs von Angelique Kerber, nachdem diese soeben den Matchball gegen Serena Williams verwandelt und sich zur ersten deutschen Wimbledon-Siegerin seit Steffi Graf vor 22 Jahren gekürt hat. Mit diesem einen Punkt hat sich die Anspannung beim Publikum komplett gelöst. Man blickt in erleichterte, glückliche und stolze Gesichter. Schließlich ist Kerber nicht nur eine Deutsche, sie ist eine Kielerin. Und so wirkt Kerber auch bei der Siegerehrung wie das nette norddeutsche Mädchen von nebenan.

Beata Kerber: keine klassische Tennis-Mutter

Dann wird die Mutter von Angelique Kerber eingeblendet. Sie hat Tränen in den Augen. „Beata!“, tönt es aus einer Ecke und wieder applaudieren die Zuschauer. Man kennt sich. „Beata Kerber hat auch bei uns gespielt. Sie war immer ganz ruhig. Keine klassische Tennis-Mutter, die ihr Kind andauernd pusht“, berichtet Hella Rathje, erste Vorsitzende der Tennisgesellschaft Düsternbrook. Rathjes Tochter, die ebenfalls Tennis spielt, ist gleich alt wie Angelique. „Sie (Angelique Kerber) hat aber schon immer mit den Älteren gespielt. Trotzdem hätte man nie erwartet, dass sie einmal Wimbledon gewinnt“, erinnert sich Rathje. Den Stolz kann sie dabei kaum verbergen. Marie Lynn Tiedemann, eine talentierte Juniorin der Tennisgesellschaft Düsternbrook, strahlt ebenfalls vor Freude: „Ganz, ganz toll, was Angie geleistet hat! Ich freue mich total, weil Kerber früher hier gespielt hat. Außerdem ist sie auf die gleiche Grundschule wie ich gegangen.“

Beata Kerber – TG Düsternbrook

Beata Kerber ist die große Stütze für ihre Tochter Angelique.

Die Jubelstimmung nach dem Spiel legt sich mittlerweile ein bisschen. Aber immer noch diskutieren die Clubmitglieder das Spiel: „Ich hätte nicht gedacht, dass sie glatt in zwei Sätzen gewinnt“, sagt jemand an einem Stehtisch, um den sich mehrere Leute versammelt haben. Völlig zu recht zollt man der Gegnerin großen Respekt: „Serena Williams hat zwar nicht so gut gespielt, aber dass sie nach ihrer Babypause überhaupt so weit gekommen ist, ist schon eindrucksvoll“, analysiert Marie-Lynn sportlich. Doch obwohl Kerber das Finale so übberraschend deutlich und schnell gewonnen hat, musste sich die Kieler Tennisgemeinde lange gedulden, bis es so weit war…

Das lange Warten auf das Spiel

Um 14:15 füllen sich die ersten Sitze. In einer Dreiviertelstunde hätte das Damen-Finale von Wimbledon beginnen sollen, wären da nicht John Isner und Kevin Anderson gewesen. Denn die beiden Spieler sorgten am Vortag mit ihrem über sechseinhalbstündigem Marathonmatch, welches Anderson mit 26:24 im fünften Satz für sich entschied, dafür, dass Novak Djokovic und Rafael Nadal ihr Halbfinale am Samstag vor dem Damenfinale zu Ende spielen mussten. Das ZDF übertrug die Partie ab dem vierten Satz, doch es zeichnete sich schnell ab, dass sich Djokovic und Nadal noch einen langen Kampf bieten würden.

„Das dauert noch“, beklagte sich eine ältere Dame aus dem Publikum. Barbara Rittner, die Co-Kommentatorin beim ZDF, sprach wohl vielen Zuschauern in Düsternbrook aus der Seele, als sie gestand, das Super-Match zwischen Djokovic und Nadal kaum genießen zu können: „Ich bin einfach zu aufgeregt wegen Angie!“, wiederholte sich die ehemalige Fed-Cup Teamchefin immer wieder. Nach einem zähen Ringen gewinnt Djokovic mit 10:8 im fünften Satz. Angelique Kerber und Serena Williams machen sich für das Match bereit – die Spannung in Düsternbrook steigt.

Wimbledonsieg Angelique Kerber – TG Düsternbrook

Die Wartezeit auf das Finale wurde durch Djokovic und Nadal in die Länge gezogen.

Endlich geht es los!

Um kurz nach 17:00 Uhr deutscher Zeit hat das Warten ein Ende. Kerber und Williams betreten den Center Court – begleitet vom Jubel der Fans in London und in Kiel. Dann beginnt das Match. Kerber startet gut. Gleich im ersten Aufschlagspiel von Williams holt sie sich das Break zum 1:0 – etwas, was ihr im Finale von vor zwei Jahren gegen die gleiche Gegnerin nicht einmal gelungen ist. In Düsternbrook kommt Hoffnung auf. Alle im Club spüren: Heute hat Angie eine Chance!

Ein paar Minuten später breakt Williams jedoch zurück. 2:2. „Wie gewonnen, so zeronnen“, klagt eine Dame und hält sich die Hände vors Gesicht. Doch Kerber bleibt dran und holt sich beim Stand von 3:3 erneut ein Break. Jubel in Kiel! Kurze Zeit später hat sie den ersten Satz in der Tasche. Einige Zuschauer verlassen kurz den Raum, um auf die Toilette zu gehen oder um etwas frische Luft auf dem Balkon des Vereinshauses zu schnappen. Von diesem Startsatz muss man sich erst einmal erholen. „Jetzt dreht Williams bestimmt auf“, vermuten einige.

Doch auch im zweiten Satz deutet nichts auf eine Wende von Williams hin. Stattdessen liegt Williams bei 2:3 und eigenem Aufschlag mit 30:40 zurück. Breakball Kerber! Bisher kommentierte das Publikum jeden gewonnenen Punkt von Kerber lautstark. Nun wird jeder gelungene Schlag bejubelt. Diese Energien kommen an. Aus dem Lauf donnert Kerber eine Vorhand die Linie entlang ins Feld. Keine Chance für Williams. Die Zuschauer schreien ihre Emotionen heraus! Der Lärmpegel erreicht das Tagesmaximum. Break zum 4:2! Dann bestätigt Kerber das Break. Nur noch ein Spiel bis zum Titel beim bedeutsamsten Tennisturnier der Welt! Auf geht’s Angie!

Wimbledonsieg Angelique Kerber – TG Düsternbrook

Vorfreude: Der Wimbledonsieg von Angelique Kerber ist zum Greifen nah.

Das entscheidende Aufschlagspiel

Williams bringt ihren Aufschlag zu Null durch. 5:3 für Kerber. Jetzt gilt’s! Kerber führt schnell 30:0. Der Sieg liegt in der Luft. Dann zwei starke Punkte von Williams. 30:30. Im Clubhaus ist es mucksmäuschenstill. Man hört nur, wie Kerber den Ball auf der Grundlinie auftippt. Nach dem Return von Williams trifft Kerber den Ball unsauber. „Der geht ins Aus!“, fürchten einige Zuschauer beinahe panisch. Doch der Ball segelt irgendwie ins Feld. Der anschließende Schlag von Kerber landet erneut auf der Linie – es ist ein Winner! Matchball! Wieder ist nur das Tippen des Balles zu hören. Kerber schlägt auf, der Return von Williams landet im Netz. Angie hat es geschafft! Sie hat deutsche Tennisgeschichte geschrieben. Ein Moment, der auch in die Clubhistorie der Tennisgesellschaft Düsternbrook eingeht.

Wimbledonsieg Angelique Kerber – TG Düsternbrook

Geschafft! Angelique Kerber ist Wimbledonsiegerin!

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