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Zverev blickt auf 2019 zurück: „Ich war nicht mehr ich selbst“

In einem Interview mit der britischen Sonntagszeitung „The Observer“ schaut Alexander Zverev auf die Saison 2019 zurück und gibt zu, dass er zwischendurch den Spaß am Tennis verloren hatte.

Fotos: Perou/The Observer

2019 war ein Jahr mit etlichen Rückschlägen und einem halbwegs versöhnlichen Ende für die deutsche Nummer 1 Alexander Zverev. So sieht er die zurückliegende Saison selbst, wie er nun in einem Interview mit der britischen Sonntagszeitung „The Observer“ zugab.

Das Gespräch fand bereits im November 2019 im Rahmen der ATP-Finals statt, für die sich Zverev – trotz aller Widrigkeiten im Saisonverlauf – doch noch qualifizieren konnte. Mit dem Erreichen des Halbfinals in London setzte „Sascha“ noch einen kleinen Glanzpunkt unter ein ziemlich verkorkstes Jahr.

„Ich hatte zwischendurch wirklich das Gefühl, der beste Spieler der Welt zu sein. Und dann, ganz plötzlich, hatte ich keinen Manager mehr. Alles, was ein Manager tun muss, musste ich selbst tun. Ich hatte niemanden mehr, der sich um all die kleinen Dinge kümmerte.“ So beginnt Zverev seinen 2019er-Rückblick.

Der Bruch mit seinem langjährigen Manager Patricio Apey war ein großer Rückschlag für Zverev, der sich eine zeitlang selbst managen musste. Wie groß die Umstellung war, verdeutlicht er mit einem Vergleich: „Alles was ich früher tun musste, war aufstehen, trainieren, im Gym arbeiten und dann wieder ins Bett gehen. Das machte das Leben sehr einfach. Du musst an nichts anderes denken als an den Sport, den du wirklich liebst, den Sport, den du seit deiner Kindheit immer machen wolltest.“

Zverev: „Ich war oft schlecht drauf auf dem Platz“

Diese Leichtigkeit kam ihm abhanden. Zverev wurde schwermütig im Laufe des Jahres 2019. Seine Wettkampfhärte und sein Selbstbewusstsein waren weg – Stärken, die ihn lange ausgezeichnet hatten. „Ich war auf dem Platz oft schlecht drauf und hatte keinen Spaß mehr am Tennis. Eine Weile war ich nicht mehr ich selbst.“ Er war leicht reizbar und hatte keine Lust mehr auf das tägliche Training.

Zverev

COOL AUFM COURT: Alexander Zverev posiert lässig für die britische Sonntagszeitung „The Observer“ (Foto: Perou/The Observer)

Nach dem enttäuschenden frühen Aus in Wimbledon und einem Kurzurlaub entschloss er sich, die Saison vorzeitig zu beenden, sollte er weiter so schlecht spielen. „Das nahm etwas Druck vom Kessel“, sagte Zverev dem Observer. Hinzukam, dass er nun offiziell ein neues Management hatte: Team8, die Agentur von Roger Federer und dessen Manager Toni Godsick, würde sich fortan um seine Belange kümmern.

Zverev konnte so seiner Saison doch noch eine entscheidende Wende geben. All die Irrungen und Wirrungen konnte er abhaken und sich wieder voll aufs Tennis konzentrieren. Das wird mehr als deutlich am Ende des Interviews, wo Zverev seine hohen Ansprüche an sich selbst formuliert.

Zverev: „Ich will die Nr.1 sein, weil ich besser bin als alle anderen“

„Ich bin nicht mehr der junge Kerl von früher. Ich muss mich jetzt verbessern“, sagt Zverev. Es sei höchste Zeit, sein Potenzial jetzt voll auszuschöpfen. Denn er will den Platzhirschen der Tour, den „Big 3“ Djokovic, Nadal und Federer, deren Vormachtstellung streitig machen.

„Wenn ich nur darauf warte, dass sie in den Ruhestand gehen, werde ich für den Rest meiner Karriere nur hören: ‚Ja, aber diese Jungs waren besser als du!‘ Ich will aber nicht die Nummer 1 in der Welt sein, weil andere Profis nicht mehr spielen. Ich will die Nummer 1 sein, weil ich besser bin als alle anderen.“