TENNIS-AUS-OPEN

Tony Godsick – der Manager von Roger Federer

Roger Federer krönte sich nach dem Gigantenfinale gegen Rafael Nadal mit dem Sieg bei den Australian Open. Nicht viele hatten ihm dieses Comeback zugetraut. Über die Form des Schweizers war sein Manager Tony Godsick nicht überrascht. „Er hätte auch schon früher wieder auf der Tour starten können.“ Wir haben den Mann hinter Roger Federer unter die Lupe genommen.


Vom Praktikanten zum Manager von Roger Federer

„You got me“, sagt Tony Godsick bei der Begrüßung grinsend – ich habe ihn erwischt. Denn: Er gebe „sehr selten“ Interviews. Da spielt es auch keine Rolle, dass man sich schon seit 1997 kennt. Damals betreute Tony Godsick Tommy Haas. In einem Haus in Wimbledon fand unser erstes Treffen statt. Inzwischen ist der 48-jährige New Yorker der Mann, der über die Marke Federer wacht.

Godsick selbst ist schon eine Story. Er, der bereits als 20-jähriger IMG-Praktikant Monica Seles betreuen durfte. Es habe sofort „klick“ gemacht und so wurde Godsick, die Notlösung, der Manager einer der Stars der Tour, einer Spielerin, die zu diesem Zeitpunkt schon sieben Grand Slam-Turniere gewonnen hatte. In den Folgejahren legte der studierte Politikwissenschaftler Anthony Lewisohn Godsick beim Marketingriesen IMG eine atemberaubende Karriere hin – als Schattenmann hinter den Stars.

Manager von Roger Federer

Seit 2005 geschäftlich verbunden: Roger Federer und sein Manager Tony Godsick (re.).

Prominente Familie

Seine Vita liest sich für einen, der nicht im Rampenlicht steht, ziemlich prominent: Sein Urgroßvater Richard Lewisohn, in Deutschland geboren, hatte als Mediziner die spektakuläre Entdeckung gemacht, wie bei Transfusionen die Gerinnung von Blut verhindert werden kann, sein Großvater mütterlicherseits war Mitglied im Finanzsektor der Stadtverwaltung New York. Verheiratet ist Godsick mit der früheren Nummer vier der Welt  Mary-Joe Fernandez. Der Miterfinder der Internet-Plattform Periscope, Kayvon Beykpour, ist ein Freund von ihm. Wenn Godsick über die App für Videodirektübertragung in Echtzeit erzählt, gerät er ins Schwärmen: „Mein Sohn Nicholas ist verrückt nach Tennis. Er hat ein Match gespielt, ich habe es live über mein Handy gestreamt und meine Frau, die beim Fed Cup war, konnte sich alles ansehen – Wahnsinn!“

Federer für Godsick der Größte

Ins Schwärmen gerät der Manager auch, wenn er über Roger Federer spricht. Klar, dass Federer für Godsick der größte Spieler der Geschichte ist und dass er, Godsick, sich glücklich schätzen darf, mit ihm zusammenzurarbeiten – „Es ist die goldene Ära des Tennis und ich bin froh, dass ich in der ersten Reihe sitze.“

Aber Federer ist für ihn noch mehr: „Er ist der größte Sportstar überhaupt.“ Die Meinung kann man teilen angesichts der Titel, Preisgelder und der Sympathiewerte für den Schweizer. Seit den US Open 2005 ist Godsick Federers Manager. „Das erste, was ich ihm sagte: Hör zu, Roger, du kommst aus einem kleinen Land, aber es ist ein großartiges Land, mit wunderbaren globalen Marken. Du bist global unterwegs, du musst Deals mit globalen Marken machen.“ Godsick besorgte Federer einen Vertrag mit der Uhrenmarke Rolex. Für den Amerikaner ist es das beste Beispiel für perfektes Sponsorship. „Rolex steht für Erfolg, Qualität und Präzision. Genau dafür steht auch Roger“, sagt Godsick, „viele Agenten sagen, sie haben so viele Deals abgelehnt. Ich habe es wirklich. Ich habe 15, 20 mögliche Sponsoren abgelehnt.“

Der Manager von Federer

Federer erfreut sich weltweiter Beliebtheit – bei Fans und Sponsoren.

Für Godsick muss jeder Deal eine „Connection“ haben, sie muss Sinn ergeben. Federer sei mit dem ATP-Toursponsor Mercedes groß geworden, er liebe Autos. Mercedes ist eine Premium-Marke – also Mercedes. Beispiel Lindt-Schokolade. Federer sei mit der Schokolade aufgewachsen. Wenn er gut spielte, gönnte er sich einen Riegel. Godsick sagt: „Man muss das Produkt mögen, es nutzen, daran glauben, sonst geht es nicht. Wenn man etwas nur für Geld macht, ruiniert man die Marke.“ Federer habe zehn Sponsorenverträge – „acht davon laufen länger als zehn Jahre. Das ist unglaublich.“

Federer und Godsick besitzen eigene Vermarktungsfirma

Seit 2012 haben der Agent und der Superstar ihre eigene Vermarktungsagentur – Team 8. Warum Team 8? Godsick: „Team, weil wir ein Team sind, weil das Team das Wichtigste ist. Wir betreuen unsere Klienten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, egal, wo sie auf der Welt sind.“ Und die „8“ – „Es ist Rogers Lieblingszahl. Er ist am 8. 8. geboren.“ Ach ja: Der 8.8. ist auch Godsicks Hochzeitstag.

Federer ist mit Godsick und zwei amerikanischen Investoren Inhaber der Agentur mit Sitz in Cleveland, Ohio. Noch ist Federers Part, Klient zu sein, so wie Juan Martin del Potro, sein Zweitrundengegner in Miami, Grigor Dimitrov und das US-Talent Tommy Paul.

Ins Portfolio der sogenannten „Boutique-Agentur“ – Markenzeichen wenige, hochklassige Klienten, speziell auf die Bedürfnisse der Spieler zugeschnittene Betreuung, „customer fit“, wie es so schön heißt – würde wohl auch zu Alexander Zverev passen. Godsick lobt ihn in den höchsten Tönen: „Ich glaube fest an ihn, er wird unglaublich werden. Er spielt großartig, bewegt sich großartig, sieht großartig aus.“

Federer – Vorbild für den Nachwuchs

Für Godsick wird Zverev der Leader einer neuen Generation werden. Eine Generation, die für Federer hochinteressant ist. Mit Zverev, Taylor Fritz oder Frances Tiafoe verabredet sich der Weltranglistenzehnte zum Training. Nicht nur um einen guten „Hit“ zu haben, wie Godsick betont, „sondern, weil er diese Jungs auf dem Platz bei Turnieren treffen wird, weil er ihre Entwicklung sehen will“.

Federer, sagt Godsick, wolle für die Youngster ein Vorbild sein, so wie Pete Sampras es für den 35-jährigen Schweizer war. Könnte es ein besseres „Role-Model“ als Federer geben? Godsick zählt die Vorzüge auf, die als Vorbildfunktion taugen: Sieben Jahre im Players Council, Federer habe für Preisgeldsteigerungen bei den Grand Slam-Turnieren gesorgt, er halte Pressekonferenzen in drei bis vier Sprachen, er arbeite vorbildlich für seine Sponsoren, er kümmere sich um Charity.

Die Sache mit der Wohltätigkeit habe sich Federer bei Agassi abgeguckt. „Aber anders als die meisten, hat Roger damit als 23-Jähriger in Abstimmung mit seiner der Heimat Südafrika verbundenen Mutter begonnen. Da hatte er noch nicht einmal einen Manager.“ Agassi und Sampras haben Federer inspiriert, Roger wolle die heutige Jugend inspirieren.

Wie lange er noch spielt? Er hofft noch lange, sagt Godsick, aber er freut sich auch, wenn Federer in die Rolle des aktiven Firmenbosses rückt. „Ich sehe allerdings nicht, dass er zu Turnieren fährt und stundenlang in irgendwelchen Lounges mit möglichen Sponsoren verhandelt.“ Ist Federer ein Freund? Die Frage mag Godsick nicht beantworten. Man sei schon in den Urlaub gefahren, man verbringe unglaublich viel Zeit, man vertraue sich – „Ich kenne ihn so gut wie wohl nur seine Frau und seine Familie“ –, aber am Ende ist entscheidend: „Ich repräsentiere ihn.“

Federer: 70 Millionen pro Jahr

Wobei: Bevor Federer und Godsick „Team 8“ gründeten, habe Roger gesagt: „Du verkaufst mich gut, aber ich verkaufe mich selbst besser, also lass uns eine gemeinsame Firma gründen.“ Für Godsick ist diese Mentalität der Idealfall. Er suche Klienten, die eloquent sind, den Business-Partnern in die Augen schauen, ihnen die Hand schütteln. Denn: „Die Sponsoren wollen ganz genau wissen, wem sie ihr Geld geben.“ Und: „Wir wollen keine Klienten haben, die sagen: Ich bin der Spieler, du der Agent, bring’ mir Geld und lass mich in Ruhe.“

Manager von Roger Federer

Die Marke Roger Federer funktioniert – auch aufgrund seiner 18 Grand Slam-Titel.

Dass Federer, der jedes Jahr laut Forbes um die 70 Millionen Dollar kassiert, für die Sponsoren ein Glücksfall ist, ist logisch. Und: Er will noch Titel gewinnen – „glaube mir“, sagt Godsick, „jeder Titel ist für Roger wichtig, nicht nur die Grand Slams. Er hat nie Matches abgesagt, aufgegeben. Er gibt immer sein Bestes.“ Nach seiner sechsmonatigen Verletzungspause spielte Federer erstmals wieder das Majorturnier der Australian Open. „Es war kein einfacher Entscheid, doch es war eine Investition in die Zukunft. Roger hätte früher zurückkehren können, aber was hätte ihm das gebracht? Olympia war vorüber, die US Open auch. Die Tennis-Saison war mehr oder weniger gelaufen. Deshalb nahm er sich nach all den Jahren auf der Tour die Zeit, sich einmal vollständig zu erholen. Diese Gelegenheit hat man normalerweise im Tennis nicht.“ Im Nachhinein kann man Roger Federer zu dieser Entscheidung gratulieren. Mit der selbst verordneten Zwangspause kam er fit zu den Australian Open und gewann das Turnier und damit seinen 18. Grand Slam-Titel.

Aber eines liegt dem Federer 2017 besonders am Herzen: die Gegner der Zukunft, die Generation, die ihn, Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray beerben werden. Godsick sagt: „Es klingt vielleicht etwas zu sehr nach Klischee, aber Federer will den Sport in einem besseren Zustand verlassen als er ihn vorgefunden hat.“

 

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