Gstaad ist eine Instanz auf der Tour. Spieler wie Casper Ruud, Stefanos Tsitsipas und Alexander Bublik lieben es.
Wimbledon der Alpen. Der zärtliche Spitzname der EFG Swiss Open in Gstaad sagt einiges aus über die Wertschätzung, die das 250er-Turnier weltweit erfährt. Traditionell findet das Sandplatzturnier im Kalender nach den All England Championships statt. 1958 war das Finale in Wimbledon sogar identisch mit dem in Gstaad. Im All England Club schlug der Australier Ashley Cooper seinen Landsmann Neale Fraser 3:6, 6:3, 6:4, 13:11. Bei der Revanche im Berner Oberland siegte Fraser erneut – 2:6, 3:6, 7:5, 6:4, 6:3.
Zu dem Zeitpunkt war das mit 1.050 Metern höchstgelegene Turnier Europas längst etabliert. Mit der Montreux-Berner- Oberland-Bahn wurde Gstaad 1904 an das Bahnnetz angeschlossen, sodass mehr Touristen in den hübschen Ort kamen. Schnell wurden Hotels wie das Gstaad Palace gebaut, wo sich die High Society aus aller Welt traf. Auf den beiden Tennisplätzen des Fünf-Sterne-Hotels begann 1915 die Geschichte des Turniers. Für die Profis bot der kleine Ort Gstaad Erholung nach dem Stress in Wimbledon.
Und heute? Ist das Turnier immer noch so beliebt, dass Stefanos Tsitsipas schockverliebt war, als er 2024 sein Debüt in den Alpen gab. «Ich habe mich sofort inspiriert gefühlt», sagte der Grieche. Die frühere Nummer drei der Welt erwog sogar, ein Chalet zu kaufen. Ein Hingucker für die Zuschauer ist Tsitsipas immer noch, auch wenn er nur noch auf Platz 79 rangiert. Allein die einhändige Rückhand ist das Eintrittsgeld wert.
Swiss Open Gstaad: Bublik, Ruud und Wawrinka dabei
Attraktionen im Spielerfeld gibt es reichlich. Dass es Gstaad in Sachen Topprofi-Dichte mit vielen 500er-Turnieren aufnehmen kann, verraten einige Namen: Vorjahressieger Alexander Bublik ist wieder dabei. Im letzten Jahr schlug er Juan Manuel Cerundolo in einem packenden Dreisatzfinale. Der jüngere Cerundolo-Bruder hatte zuletzt in Paris für eine Sensation gesorgt, als er Jannik Sinner trotz eines 0:2-Satzrückstands in der zweiten Runde schlug.
Bild: Breakpoint ImagesEiner von vier Turniersiegen 2026: Alexander Bublik gewann beim EFG Swiss Open Gstaad gegen Juan Manuel Cerundolo.
Casper Ruud kehrt ebenfalls zurück nach Gstaad – der Norweger ist absoluter Schweiz-Fan, liebt die heimelige Bergwelt. Mit dem Belgier Raphael Collignon, der bei den French Open in einem mitreissenden Match Ben Shelton schlug, und dem Monegassen Valentin Vacherot, immerhin Halbfinalist beim Heimspiel in Monte Carlo, sind zwei weitere Spieler am Start, die das Zeug zum Publikumsliebling haben.
Allerdings reichen sie bei aller Wertschätzung nicht an die Popularität des Mannes heran, um den sich auch in Gstaad zumindest in den ersten Tagen – und je nach Abschneiden auch länger – alles drehen wird: Stan Wawrinka, dreifacher Grand Slam-Sieger, Olympiasieger im Doppel und Davis Cup-Champion.
Klar, dass auch Gstaad als Etappe auf seiner Abschiedstour liegt. Er mag nicht mehr zu den Top 100 gehören, aber was hat der 41-Jährige immer noch für ein Spiel! Ach ja: Die einhändige Rückhand kann man logischerweise auch bei Stan bestaunen.
Info Tickets: ab 10 CHF vom 11. (Quali) bis 19.7. bei ticketcorner.ch oder telefonisch unter +41 (0)33 748 08 62.