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Zurück auf Rasen: Jannik Sinner, Titelverteidiger in Wimbledon, bei einem Showmatch im Hurlingham-Club. Bild: IMAGO

Nach dem Hitze-Aus in Paris: Ist Jannik Sinner fit für Wimbledon 2026?

Wimbledon 2026: Jannik Sinner will seinen Titel nach Medizincheck, Hitze-Training und Djokovic-Tipp verteidigen. Ist der Weltranglistenerste fit genug dafür?

Ein einziger Spielgewinn trennte Jannik Sinner vom Erreichen der dritten Runde bei den French Open 2026. Der Weltranglistenerste und haushohe Titelfavorit führte gegen den Argentinier Juan Manuel Cerundolo mit 6:3 6:2 und 5:1, ehe sein Körper streikte. Eingeschränkte Beweglichkeit, fehlende Energie und Schwindel führten zum frühen Aus in der zweiten Runde von Paris. Nach diesem Schock verfolgte der Südtiroler zwei Prioritäten. Zum einen wollte er herausfinden, warum ihn sein Körper zum wiederholten Mal im Stich gelassen hatte; zum anderen wollte er den Kopf freibekommen.

Im Vordergrund stand zunächst die medizinische Aufklärung. Wenige Tage nach Paris ließ sich Sinner im San-Raffaele-Krankenhaus von Mailand zwei Tage lang komplett durchchecken – und wird bis heute im Training mit einem speziellen Sensor überwacht. Die Befunde fielen beruhigend aus: Die Tests in Mailand seien positiv verlaufen, besorgniserregende Erkenntnisse habe es keine gegeben, bestätigte Sinner.

Besuch einer Luxus-Hochzeit mit Freundin Laila

Parallel rückte er sein lange vernachlässigtes Privatleben in den Mittelpunkt. Mit Freundin Laila Hasanovic verbrachte er einen Urlaub auf Sardinien, mit Formel-1-Pilot George Russell traf er sich zum Dinner in Monte Carlo – und als VIP-Gast feierte er auf einer Glamour-Hochzeit mit: Stabhochsprung-Weltrekordler Mondo Duplantis gab an der Côte d’Azur seiner langjährigen Partnerin Desiré Inglander das Ja-Wort, mit Sinner und Hasanovic auf den offiziellen Vogue-Fotos. „Es war ein unglaublicher Tag! Ich bin so glücklich für euch zwei“, kommentierte Laila das dreitägige Fest.

Für Sinner war diese Auszeit mehr als nur Zerstreuung. Sein Kindheitstraum sei es immer gewesen, Champion zu werden, erzählte er jüngst in Wimbledon – „dafür habe ich viel geopfert: Familie, Freunde, Unbeschwertheit“; nun habe er das Gefühl, sich einiges davon zurückholen zu müssen.

Sinner ohne offizielles Rasenturnier vor Wimbledon

Im Gegensatz zu vielen seiner Konkurrenten verzichtete Sinner auf ein offizielles Vorbereitungsturnier auf Rasen im Vorfeld von Wimbledon. Stattdessen nahm er erholt das Training wieder auf – bemerkenswerterweise zuerst auf Hartplatz in Monaco, ehe er auf Rasen wechselte. Hintergrund ist, dass der direkte Sprung von Sand auf Rasen als sehr belastend gilt; einige Tage Hartplatz sollen den Übergang erleichtern. Es ist eine Methode, die einst Novak Djokovic populär gemacht hat, der ebenfalls oft im Laufe seiner Karriere auf Rasen-Vorbereitungsturniere verzichtet hatte, um danach dann in Wimbledon zu triumphieren. „Es gab viele lange Trainingseinheiten, und ich bin sehr zufrieden mit meiner aktuellen körperlichen Form und meiner mentalen Verfassung“, verriet Sinner der Vogue in einem langen Interview.

Den Weg nach London nahm Sinner, der Titelverteidiger von Wimbledon, früh auf sich und inspizierte schon vorab den Centre Court, auf dem er 2025 erstmals zum Champion aufgestiegen war. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Hitze. Zur Mittagszeit absolvierte Sinner seine Einheiten in praller Sonne. Man müsse mehr unter heißen Bedingungen trainieren, betonte er: „Es wird jedes Jahr wärmer, also ist es ein sehr wichtiges Thema.“

Exhibition-Turnier im Hurlingham Club

Ganz ohne Matchpraxis auf Rasen blieb Sinners Vorbereitung auf Wimbledon aber nicht. Er startete nämlich beim Exhibition-Turnier „Giorgio Armani Tennis Classic“ im edlen Londoner Hurlingham-Club. Das Show-Turnier fand vom 23. bis zum 27. Juni statt. Sinner absolvierte dort ein Match und besiegte den Briten Cameron Norrie mit 6:3 6:3 nach 1:20 Stunden Spielzeit.

Der Test fiel also ermutigend aus – ausgerechnet am bis dahin heißesten Juni-Tag der britischen Geschichte wirkte Sinner von Beginn an spritzig. Trotz der über 36 Grad zeigte er dieses Mal keine Anzeichen von Hitzeanfälligkeit. Klar ist aber auch: Es war „nur“ ein Schaukampf über zwei Gewinnsätze – und eben kein Grand Slam-Match im Best-of-Five-Modus. „Es ist sehr heiß hier dieser Tage in London. Es war ein guter Test für mich nach einer Woche Training auf Gras. Ich freue mich schon auf Wimbledon. Es ist das speziellste Turnier für mich, das habe ich immer gesagt. Der Center Court dort ist ein historischer Ort“, sagte Sinner nach seinem Sieg gegen Norrie.

Sinner gewappnet für Wimbledon-Titelverteidigung

Für die Mission Titelverteidigung sieht sich Sinner gewappnet. Er fühle sich gut, sagte er am Samstag auf der Pressekonferenz in Wimbledon: „Rasen ist natürlich ein ganz anderer Belag. Man kommt hierher und versucht, sein Bestes zu geben. Wenn man vorher kein Turnier gespielt hat, hat man keine Zweifel, man geht einfach hin und spielt.“ Mit der Arbeit der vergangenen zweieinhalb Wochen sei er sehr zufrieden, auch wenn sich die Fortschritte nicht sofort zeigen würden. „Ich glaube fest an die kleinen Details. Es ist ein langer Prozess“, so der Superstar. „Es steckt keine Zauberei dahinter.“

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Sie Stimmung stimmt: Jannik Sinner beim Training in Wimbledon mit seines Coaches Simone Vagnozzi (li.) und Darren Cahill (re.).

Als Titelverteidiger genießt Sinner das Privileg, das Wimbledon-Turnier am Montag ab 14:30 auf dem Centre Court zu eröffnen. Dazu hatte der siebenmalige Champion Novak Djokovic bei einer gemeinsamen Trainingseinheit einen Tipp parat. Erst scherzte der Serbe, Sinner brauche seine Tipps nicht; dann riet er ihm ernsthaft, den einzigartigen Moment des Aufschlags auf unberührtem Rasen zu genießen – und fügte hinzu: „Pass auf. Der Rasen ist zu Beginn sehr rutschig.“

Zum Auftakt gegen Kecmanovic

Den Auftakt bestreitet Sinner gegen Djokovics Landsmann Miomir Kecmanovic. Die Vorzeichen sind günstig: Den Serben hatte Sinner stets im Griff – beim letzten Duell 2024 in Wimbledon gab er beim 6:1, 6:4, 6:2 nur sieben Spiele ab. Kecmanovic läuft aktuell seiner Form hinterher, und in London werden am Montag angenehme 25 Grad erwartet, also keine Extremhitze.

Bleibt die große Frage: Reicht das zur Titelverteidigung? Medizinisch ist Sinner entwarnt, körperlich nach eigenen Worten in sehr guter Verfassung, und der Hitzetest von Hurlingham ist bestanden. Gegen ihn spricht vor allem die fehlende Wettkampfpraxis auf Rasen – sein letztes Pflichtspiel auf Gras war das gewonnene Wimbledon-Finale 2025. Fit genug, um realistisch um die Titelverteidigung mitzuspielen, scheint Sinner also zu sein; ob er nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen auch zu seiner allerbesten Form zurückfindet, wird sich ab Montag auf dem heiligen Rasen zeigen.

Mitarbeit: Franziska Heinemann