Roland Garros 2026 – Day 5

Völlig entkräftet: Jannik Sinner verlor sensationell in Roland Garros. Bild: IMAGO

Plötzlich den Stecker gezogen: Entkräfteter Sinner verliert in Roland Garros

Jannik Sinner wollte in Paris den letzten fehlenden Grand Slam-Titel holen – und scheiterte sensationell in Runde zwei. Ist das nun die große Chance für Alexander Zverev? 

Der Traum von einem Karriere Grand-Slam hat sich für Jannik Sinner am Donnerstagnachmittag bei den French Open jäh zerschlagen. Der Weltranglistenerste verlor in der zweiten Runde sensationell ein Match, in dem er zwischenzeitlich nur vier Punkte vom Sieg entfernt war. Sinner unterlag aber am Ende dem Argentinier Juan Manuel Cerúndolo (ATP# 56) mit 6:3, 6:2, 5:7, 1:6, 1:6 – nach einer fast vierstündigen Partie, die vor allem durch extreme Hitze geprägt war.

„Big Upset“ der Grand Slam-Geschichte

Es ist aber auch eine der spektakulärsten Niederlagen der Grand Slam-Geschichte. Sinner ging als haushoher Favorit in das Turnier und gab ein Match aus der Hand, von dem niemand mehr dachte, dass er es noch verlieren könnte. Seine Niederlagen erinnert an „Big Upsets“ wie die von Pete Sampras in Wimbledon 2002, als er gegen George Bastl, damals 145. der Weltrangliste, in der zweiten Runde verlor.

Sinner startete mit einer beeindruckenden Serie von 30 Siegen in Folge in das Turnier und schien zunächst seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Über fast drei Sätze dominierte der Weltranglistenerste klar und führte auch im dritten Satz bereits mit 6:3, 6:2 und 5:1. Beim Aufschlagspiel zum Matchgewinn bei einer 5:2-Führung kam jedoch der Wendepunkt: Sinner verlor seine Linie komplett und gab anschließend 18 Punkte in Folge ab. Der sicher geglaubte Sieg kippte innerhalb weniger Minuten. Es war, als hätte jemand den Stecker bei ihm gezogen.

Hitze immer eine Gefahr für Sinner

Schon im Vorfeld galten weniger die sportliche Konkurrenz als vielmehr die äußeren Bedingungen als größte Gefahr für Sinner. Hohe Temperaturen hatten ihm bereits in der Vergangenheit Probleme bereitet – unter anderem bei den Australian Open in Melbourne sowie beim Shanghai Masters, wo ihn Krämpfe zur Aufgabe zwangen.

Anders als in Melbourne, wo extreme Hitzephasen zu Spiel-Unterbrechungen führen können, gab es in Paris keine Entlastung für den Italiener. Bei rund 32 Grad Celsius auf dem Court Philippe-Chatrier spielte Sinner unter Bedingungen, die zunehmend zur körperlichen Belastungsprobe für ihn wurden.

Beim Stand von 5:4 im dritten Satz und 0:40 bei eigenem Aufschlag verließ Sinner den Platz zur medizinischen Behandlung. Offiziell wurden Symptome wie Schwindel angegeben; Krämpfe schienen ebenfalls eine Rolle zu spielen. Nach seiner Rückkehr wirkte er sichtlich angeschlagen. Cerúndolo nutzte die Situation konsequent, gewann das Spiel sowie die folgenden beiden und verkürzte auf einen 1:2-Satzrückstand.

Sinner fand nicht zurück ins Match

Nach einer fast zehnminütigen Pause zwischen den Durchgängen drei und vier versuchte Sinner nochmals, ins Match zurückzufinden – ohne nachhaltigen Erfolg. Im vierten Satz blieb der Argentinier aber in einigen engen Spielsituationen bemerkenswert stabil. Er wehrte Breakbälle bei 1:1 und 3:1 ab und zwang Sinner zunehmend in lange Rallys. Sinner verlor dabei immer mehr an Energie. Er konnte dem physischen Druck nicht mehr standhalten und gab den vierten Satz klar mit 1:6 ab.

Auch im Entscheidungssatz änderte sich das Muster nicht: Cerúndolo kontrollierte die Ballwechsel, hielt das Tempo hoch und zwang Sinner in ein physisches Duell, das dieser nicht mehr konkurrenzfähig gestalten konnte. Nach einem frühen 0:4-Rückstand war die Partie entschieden.

Durch das frühe Aus des Topgesetzten öffnet sich das Tableau bei den French Open 2026 deutlich. Mit dem verletzungsbedingten (Alcaraz) oder frühen Ausscheiden (Medvedev) mehrerer Topspieler ist das Feld nun ungewöhnlich offen. Es gibt mit Novak Djokovic nur einen Spieler unter den verbliebenen Profis, der bereits einen Grand Slam-Titel gewann – 24 sogar, um genau zu sein. Djokovic könnte also nun die 25 in Roland Garros voll machen.

Alexander Zverev ist nun der Topfavorit

Topfavorit ist jetzt aber Alexander Zverev. Seine ärgsten Widersacher – nämlich Sinner und Alcaraz – sind nicht mehr dabei. Kann er diese Riesenchance nutzen, um seinen ersten Grand Slam-Titel zu holen? Wenn alles planmäßig läuft, trifft der Deutsche im Halbfinale auf Novak Djokovic. Es wäre vielleicht das vorweggenommene Endspiel.

Für Sinner bedeutet die Niederlage einen weiteren bitteren Rückschlag in Paris – bereits im Vorjahr hatte er dort ein fast gewonnenes Endspiel nach drei vergebenen Matchbällen gegen Carlos Alcaraz aus der Hand gegeben.