Das Warten hat endlich ein Ende. 35 Jahre nach Boris Becker steht wieder ein Deutscher an der Spitze der Tennis-Welt: Mit dem Sieg über Tallon Griekspoor in Wien hat Alexander Zverev den Sprung auf Platz eins perfekt gemacht. Ab Montag, 2. November, wird der Hamburger offiziell als Weltranglistenerster geführt.
Der Sieg über Griekspoor
Im Achtelfinale des ATP-500-Turniers in der Wiener Stadthalle ließ Zverev am Donnerstagabend nichts anbrennen. Gegen den Niederländer Tallon Griekspoor gewann er glatt mit 6:4, 7:5, ohne selbst einen einzigen Breakball zuzulassen. Den Matchball verwandelte er standesgemäß mit einem Ass. Mit dem Einzug ins Viertelfinale ist ihm Platz eins nicht mehr zu nehmen: Zverev löst Jannik Sinner ab, der seit dem 13. April an der Spitze stand. Auch Platz eins zum Jahresende hat der 29-jährige Deutsche bereits sicher.
Die Feier auf dem Centre Court
Die ATP hatte für den historischen Moment vorgesorgt. Noch auf dem Platz bekam Zverev einen Videozusammenschnitt seiner größten Karrieremomente zu sehen und posierte anschließend neben einer überdimensionalen „1“. Turnierdirektor Herwig Straka und Turnierbotschafter Thomas Muster, selbst einst Weltranglistenerster, gratulierten ihm auf dem Court. Den rund 9.800 Zuschauern erklärte Zverev augenzwinkernd, warum er nach einem Zweitrundensieg so ausgelassen jubelte: „Ich bin Nummer eins der Welt geworden.“
Auf dem Weg in die Katakomben warteten dann noch Matteo Berrettini und Flavio Cobolli, um dem neuen Spitzenreiter persönlich zu gratulieren – eine schöne Geste, zumal Cobolli kurz zuvor sein Achtelfinale gegen Berrettini verletzt unter Tränen hatte aufgeben müssen.
Ein Blick in die Geschichte
Zverev ist erst der 30. Spieler, der seit Einführung der ATP-Weltrangliste 1973 Platz eins erreicht. Mit 29 Jahren und sechs Monaten ist er laut ATP zudem der zweitälteste Erstmals-Spitzenreiter – älter war nur der Australier John Newcombe, der 1974 mit 30 Jahren und elf Tagen an die Spitze kletterte.
Bei den Männern gelang das vor ihm nur einem Deutschen: Boris Becker übernahm am 28. Januar 1991 die Führung und hielt sie insgesamt zwölf Wochen. Bei den Frauen standen Steffi Graf und Angelique Kerber ganz oben.
Die Grundlage für den Aufstieg legte Zverev in einer herausragenden Saison 2026: Bei den French Open und den US Open holte er seine ersten beiden Grand-Slam-Titel, in Wimbledon stand er im Finale, in Melbourne im Halbfinale. Seine Jahresbilanz steht bei 64 Siegen und 16 Niederlagen.
Alle deutschen Nummer-eins-Spieler
| Name | Tour | Erstmals Nr. 1 | Wochen an der Spitze |
| Steffi Graf | WTA | 17. August 1987 | 377 |
| Boris Becker | ATP | 28. Januar 1991 | 12 |
| Angelique Kerber | WTA | 12. September 2016 | 34 |
| Alexander Zverev | ATP | 2. November 2026 | ab 2. November 2026 |