Im Spätherbst seiner Karriere will es Jan-Lennard Struff noch einmal wissen. Im neunten Anlauf hat der Warsteiner beim Hallenturnier in Basel erstmals Novak Djokovic bezwungen – und damit einen der größten Siege seiner Laufbahn gefeiert. Für den Serben wird die Luft im Rennen um die ATP Finals dagegen dünn.
Im Achtelfinale der Swiss Indoors setzte sich Jan-Lennard Struff gegen Novak Djokovic mit 6:7 (4:7), 7:5, 7:6 (7:5) durch. Beide Spieler begegneten sich von Beginn an auf Augenhöhe, den ersten Satz holte sich Djokovic im Tiebreak. Doch Struff blieb dran: Beim Stand von 5:6 im zweiten Durchgang nahm er dem Serben das Aufschlagspiel ab – es sollte das einzige Break der gesamten Partie bleiben. Auch der dritte Satz ging in den Tiebreak, und dort behielt der Deutsche die Nerven. Nach 2:35 Stunden verwandelte er seinen Matchball standesgemäß mit dem 27. Ass des Abends.
Wie groß dieser Erfolg ist, zeigt die Bilanz: In den acht Duellen zuvor hatte Struff gegen den 24-maligen Grand-Slam-Champion nur einen einzigen Satz gewonnen. Im On-Court-Interview gab er sich danach bescheiden: „Ich wusste, dass ich mein bestes Tennis spielen musste, um eine Chance zu haben.“ Im Viertelfinale wartet nun der Portugiese Nuno Borges.
Struff: Das Comeback-Jahr des Routiniers
Der Sieg über Djokovic krönt eine bemerkenswerte Saison. Im Sommer 2025 war die einstige Nummer 21 der Welt noch aus den Top 150 gefallen – 2026 meldete sich Struff eindrucksvoll zurück.
Der Höhepunkt folgte im Sommer in Wimbledon: Erstmals stand der 36-Jährige im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Auf dem Weg dorthin besiegte er unter anderem den ehemaligen Weltranglistenersten Daniil Medvedev, erst Titelverteidiger Jannik Sinner stoppte ihn in drei Sätzen.
Vergangene Woche legte er in Brüssel nach und erreichte das fünfte ATP-Finale seiner Karriere, nachdem er im Halbfinale den topgesetzten Arthur Fils in einem Thriller ausgeschaltet hatte. Im Endspiel unterlag er Tallon Griekspoor knapp mit 6:4, 3:6, 4:6 und verpasste damit seinen zweiten Titel nach München 2024. Nun also der erste Sieg über Djokovic in Basel – und auch in der Weltrangliste geht es weiter nach oben, zuletzt stand Struff auf Platz 47.
Djokovic unter Druck: Alles hängt an Paris
Für Djokovic ist die Niederlage ein empfindlicher Rückschlag. Der 39-Jährige hatte eigens eine Wildcard für Basel angenommen, um für die ATP Finals in Turin Punkte zu sammeln. Stattdessen liegt er nun außerhalb der Qualifikationsplätze, rund 300 Punkte hinter dem Spanier Rafael Jodar, der den letzten Startplatz hält. Weil der verletzte Jannik Sinner seine Saison beendet hat, reicht in diesem Jahr Rang neun für ein Ticket.
Damit bleibt dem Serben nur noch eine Chance: das Masters in Paris vom 2. bis 8. November. Dort ist er nicht unter den besten acht gesetzt und muss bereits in der ersten Runde ran. Um Jodar noch abzufangen, dürfte mindestens ein Halbfinaleinzug nötig sein.
Dabei wäre Djokovic so gern in Turin dabei. Der Rekordsieger mit sieben Titeln hat seit 2023 nicht mehr an den Finals teilgenommen und hatte zuletzt mehrfach betont, wie sehr er sich eine Rückkehr wünscht. Mit 39 Jahren dürfte es eine seiner letzten Gelegenheiten sein, noch einmal beim Saisonfinale der besten Acht (15. bis 22. November) aufzuschlagen. Ausgerechnet Struff hat ihm diesen Weg nun deutlich schwerer gemacht.