Starker Auftritt: Kerber schlägt Scharapowa 6:1, 6:3

Kerber fordert Svitolina: Keine Angst – es ist 2018

Angelique Kerber hat ihre überdurchschnittliche Startphase 2018 mit drei Siegen in Dubai eindrucksvoll bestätigt. Im Halbfinale wartet mit Elina Svitolina nicht nur die Topgesetzte, sondern so etwas wie Kerbers Angstgegnerin. Was am Freitag den Unterschied machen könnte.



„Der Aufschlag war der Schlüssel zum Erfolg“, erklärte Angelique Kerber am Donnerstag nach ihrem – etwas überraschend – deutlichen Zweisatzsieg gegen Karolina Pliskova.

Dieser 2017 noch so verfluchte Aufschlag also, mit dem die Fed Cup-Spielerin eigentlich schon immer so ihre Problemchen hatte. Strotzte Kerber aber vor Selbstvertrauen, war sie auf ihrem höchsten Fitnesslevel, spielte sie die Returns aggressiv genug, war die Tochter polnischer Eltern dennoch stets auf Augenhöhe mit den besten Spielerinnen der Welt.

Fehlten jedoch all diese Komponenten, war der Aufschlag, vor allem der zweite, eine zu große Achillesferse. Im vergangenen Jahr war das zu genüge zu beobachten. Als Grand Slam-Siegerin, zweifach noch dazu, wurde die Kritik harscher.

Fissette über Kerber: „Hat noch nie so viel aufgeschlagen“

Mit Neutrainer Wim Fissette entwickelte Kerber zusammen den Willen, auch im fortgeschrittenen Alter bei einem festverankerten Grundschlag nochmal in die Detailarbeit zu gehen. Im exklusiven Interview mit dem tennis MAGAZIN, das Sie im aktuellen Magazin (03/18) lesen können , sprach der Ex-Trainer (unter anderem von Viktoria Azarenka und Simona Halep) über die Veränderungen am Schlüsselschlag.

Wim Fissette äußerte sich exklusiv gegenüber dem tennis MAGAZIN zum veränderten Aufschlag von Angelique Kerber

„Dass sie den Fuß nicht mehr mitzieht – der Impuls kam sogar eher von ihr. Ich hatte sie lediglich gefragt, wie sie den Ablauf in der Jugend gemacht hat und daraufhin hat sie es mir gezeigt und gesagt: Das kann ich wieder so probieren.“ Anschließend habe das Team gemerkt, dass das dem Rhythmus von Kerber guttue. Dann habe man nur noch Kleinigkeiten geändert.

„Generell muss ich aber festhalten, dass Angie wahnsinnig schnell lernt. Sie ist sehr talentiert. Und: Ich glaube, dass Angie in ihrem ganzen Leben noch nicht so viel aufgeschlagen hat wie in unserer Vorbereitung“, sagte Fissette. Angie sei zudem sehr kritisch, vor allem im Umgang mit sich selbst. „Sie wusste selbst, dass sie sich dort verbessern musste und als sie gesehen hat, dass sich erste Erfolgserlebnisse eingestellt haben, war die Motivation da.“

Kerber dominiert Pliskova

Erste Kostproben vom verbesserten Aufschlag schnappte das tennis MAGAZIN als Beobachter vor den Australian Open auf. Folgerichtig ging es für das Geburtstagskind, das während des Happy Slams 30 Jahre alt wurde, bis ins Halbfinale.

Kerber hatte 2018 schon 15-mal Grund zu Jubeln

Auch in Doha und diese Woche in Dubai vereinfacht der verbesserte Aufschlag das Tennisleben der nun wieder besten deutschen Spielerin. Ausgerechnet gegen Pliskova, eine der besten Aufschlägerinnen der WTA-Tour, kehrte sie die Vorurteile um. Nach einem frühen Break marschierte die Deutsche vorneweg. Besonders beeindruckend: Kerber musste keinen einzigen Breakball abwehren.

Kerbers Seuchenbilanz gegen Svitolina kein Grund zur Sorge

Nach dem Match wiederholte Kerber mit Nachdruck, was sie bereits in Australien und Doha in Dauerschleife erneuert hatte. „Ich habe das letzte Jahr richtig weggepackt. So, als ob ich eine Tür geschlossen habe.“ Ein Satz, der wunderbar als Vorbereitung für das Halbfinale dienen kann. Wobei ihr Trauiner betonte, dass er selbst gar nicht mehr so viel psychologisch habe helfen müssen zu Beginn der Zusammenarbeit.

Am Freitag geht es gegen die Nummer vier der Welt Elina Svitolina. Die charismastische, selbstbewusste Ukrainerin ist im Wüstenstaat an eins gesetzt. Svitolina hat die vergangenen vier Duelle mit Kerber gewonnen, zuletzt im Fed Cup. Außerdem gelang der 24-Jährigen im Vorjahr an gleicher Stelle ein Sieg gegen Kerber. Insgesamt führt Svitolina den direkten Vergleich mit 6:5 an.

Die Niederlagen waren allerdings in 2017. Kerbers letzter Sieg datiert sogar aus dem Jahr 2016 in Montreal. Und so plausibel wie es klingt, ist es ebenfalls: Wir befinden uns nicht mehr im Hammerjahr 2016 und erst recht nicht mehr im Seuchenjahr 2017.

Kerber hast mit ihren drei Zweisatzsiegen diese Woche ihre Einzelbilanz exklusive Hopman Cup auf 15:2 hochgeschraubt, hatte zudem mit nur 197 Minuten Spielzeit die kürzeste Spielzeit aller Halbfinalisten in Dubai. Und das obwohl Svitolina ein Match weniger bestreiten musste. Zudem hatte die Ukrainerin gleich in ihrem ersten Match gegen Lucky Looser Quiang Wang etliche Probleme und musste über die volle Distanz gehen.

Kerber tritt bei jedem Turnier an, um es zu gewinnen

Gegen die aufstrebende Naomi Osaka zeigte Svitolina dagegen eine bessere Form. Es ist daher ein mehr als ausgeglichenes Spiel zu erwarten zwischen Kerber und Svitolina. Dass beide extrem viel und gut laufen können, zudem sehr talentiert im defensiven Spiel sind, ist kein Geheimnis. Kerbers mutigere, offensivere Spielweise  – geleitet von ihrem momentanen Aufschlagplus – könnte dieses Mal aber den Ausschlsag zu Gunsten der Deutschen geben.

Kerber, das haben die ersten beiden Monate von 2018 gezeigt, ist so oder so zurück in der Weltspitze. Ein möglicher Statementsieg am Freitag (ab 16 Uhr live auf DAZN) könnte den Weg in Richtung ganz oben nochmals beschleunigen. Oder um es mit den selbstbewussten Worten von Fissette abzuschließen: „Eine Spielerin wie Angelique Kerber tritt bei jedem Turnier an, um es zu gewinnen.“

Die Weltrangliste der Damen in der Übersicht

 

 

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