Andreas Mies, Kevin Krawietz

Davis Cup: Das historische Debüt von „Kramies“

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Kevin Krawietz und Andreas Mies feierten beim 3:0-Sieg des deutschen Teams gegen Argentinien ihr Debüt im Davis Cup und spielten sich gleich in die Geschichtsbücher des Wettbewerbs.

Als Kevin Krawietz und Andreas Mies mit der Pressekonferenz nach ihrem dramatischen Debüt im Davis Cup fertig waren, wollten sie nur noch eines: so schnell wie möglich in die Eistonne. Das deutsche Erfolgsdoppel hatte den deutschen 3:0-Gesamtsieg gegen Argentinien im ersten Gruppenmatch beim Finalturnier im Davis Cup sichergestellt. Das Duell gegen Maximo Gonzalez und Leonardo Mayer war dabei nichts für schwache Nerven. Nach 3:18 Stunden und einer Achterbahnfahrt der Gefühle siegten „Kramies“ nach Abwehr von sechs Matchbällen mit 6:7 (4:7), 7:6 (7:2), 7:6 (20:18). Ja, richtig, 20:18!

Krawietz: „Wir spielen so lange weiter, bis wir gewonnen haben”

Die erste Partie im Davis Cup gespielt und dann gleich Geschichte geschrieben: Krawietz und Mies spielten den längsten Tiebreak im Doppel in der Davis-Cup-Geschichte. „Es war ein unglaubliches Match. Matchball für uns, Matchball gegen uns. Es hat sich immer wiederholt. Wir wussten nicht mehr, wie es steht. Wir haben uns gesagt: Wir spielen so lange, bis wir gewonnen haben“, kommentierte Krawietz das völlig verrückte Match ohne ein einziges Break, in dem die beiden Deutschen ihren achten Matchball nutzten. „Es fällt mir schwer, Worte zu finden für das Match. Ich wusste gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Unser Kapitän ‚Kohle‘ (gemeint ist Michael Kohlmann) hat uns 3:20 Stunden nach vorne gepeitscht“, sagte Mies.

Kapitän Kohlmann leistete auf der Bank Schwerstarbeit und coachte seine Mannschaft insgesamt acht Stunden lang zum überraschenden 3:0-Sieg gegen die Gauchos, die die gesamte Zeit mit den typischen argentinischen Fangesängen und Sprechchören unterstützt wurden. „Ich musste Anfang des zweiten Satzes im Doppel dringend auf Toilette. Das war eigentlich das Härteste am Tag“, sagte Kohlmann mit einem Lächeln. „Ich bin einfach nur glücklich, dass die beiden es gewonnen haben. Sie haben es sich so verdient. Dass es dazu noch ein Rekord wurde, ist überragend“, freute sich Kohlmann für die Davis-Cup-Debütanten Krawietz und Mies.

Davis Cup: Ein Traum geht in Erfüllung für „Kramies”

Die Erfolgsgeschichte von „Kramies“ im Jahr 2020 ist eine der außergewöhnlichsten des Tennisjahres und findet beim Davis Cup ihren letzten emotionalen Höhepunkt. Die beiden spielten zu Beginn des Jahres noch mit unterschiedlichen Partnern, da sie gemeinsam nicht in die Hauptfelder der großen Turniere kamen. Der Durchbruch auf der ATP-Tour folgte im Februar beim  Turnier in New York, das sie ohne Satzverlust gewannen. Mies spielte zwischenzeitlich sogar noch ein Future-Turniere mit einem anderen Partner, ehe sich die beiden bei den French Open in die Tennisgeschichtsbücher spielten – als erstes deutsches Grand-Slam-Turnier-Siegerdoppel seit 82 Jahren.

Auch eine zwischenzeitliche Durststrecke mit nur zwei Siegen bei acht Turnieren schüttelten Krawietz und Mies ab. Bei den US Open waren die beiden wieder voll da und erreichten das Halbfinale. In Antwerpen folgte der dritte ATP-Titel des Jahres sowie die Qualifikation für die ATP Finals in London. Zum Abschluss des Jahres ging nun noch ein weiterer Traum in Erfüllung. „Wir würden uns riesig freuen, wenn wir nominiert werden. Es wäre für uns beide ein Traum, für Deutschland zu spielen“, sagten Krawietz und Mies im Sommer im Interview mit tennis MAGAZIN. Das Debüt für Deutschland hätte nicht viel dramatischer werden können. Es macht Lust auf weitere emotionale Momente mit „Kramies“.

Davis Cup: Deutschland kurz vor Einzug ins Viertelfinale

In der Partie gegen Argentinien, die das erste Gruppenspiel gegen Chile mit 3:0 gewonnen hatten, brachte Philipp Kohlschreiber nach einem klassischen Fehlstart gegen Guido Pella das deutsche Team nach einem 1:6, 6:3, 6:4 in Führung. Es folgte ein nervenstarker Auftritt von Jan-Lennard Struff, der Diego Schwartzman mit 6:3, 7:6 (10:8) besiegte.  „Wenn man die gesamte Partie sieht, ist vieles für uns gelaufen. Da können wir uns nicht beschweren. Philipp hatte in den wichtigen Situation das nötige Glück. Struffis Match hätte kippen können. Es war eine außergewöhnliche Leistung, gegen Argentinien 3:0 zu gewinnen und damit eine super Ausgangsposition zu haben“, stellte Kohlmann fest.

Die Ausgangslage vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Chile (Donnerstag ab 11 Uhr auf DAZN), das keine Chance mehr auf den Gruppensieg hat, hätte nicht besser sein können. Aufgrund der Konstellation aus dem vorherigen Gruppenmatch zwischen Argentinien und Chile reicht dem deutschen Team bereits ein Matcherfolg, um als Gruppensieger ins Viertelfinale einzuziehen. Selbst eine 0:3-Niederlage kann sich das Team von Kohlmann erlauben, wenn dabei bei allen drei Matches ein Satz gewonnen wird. Und sogar nur zwei Satzgewinne könnten reichen, wenn man in der Endabrechnung das bessere Spielverhältnis gegenüber Argentinien vorweisen kann. Fast alles spricht derzeit dafür, dass Deutschland als Gruppensieger ins Viertelfinale einzieht, welches am Freitag ab 18 Uhr gespielt werden würde.