Kosmos Tennis, Gerard Piqué

Davis Cup: Das Eigentor von Piqué und der ITF

Gerard Piqué präsentierte auf einer Pressekonferenz in Madrid das neue Davis-Cup-Format. Es bleibt beim November-Termin. Die große Frage wird sein, welche Spieler nächstes Jahr bei der Premiere dabei sein werden. Denn die Reform ist alles andere als gut durchdacht.

„Der König ist tot, es lebe der König“, hieß es lange Zeit in Frankreich. Der Ausspruch hat sich zur geflügelten Redewendung entwickelt. Heißt es bald auch: „Der Davis Cup ist tot, es lebe der Davis Cup“? Schwer zu sagen. Was feststeht: Vom 23. bis 25. November dieses Jahres endet eine lange Tradition. Denn zum letzten Mal wird der Davis-Cup-Sieger an einem Finalwochenende ermittelt. Frankreich spielt zu Hause in Lille gegen Kroatien und strebt die Titelverteidigung an. Wir dürfen uns auf ein frenetisches Publikum und emotionale Bilder einstellen.

Im nächsten Jahr ist alles anders bei einem der prestigeträchtigsten Sportwettbewerbe. Und vielleicht heißt es dann: Früher war alles besser. Gestern in Madrid lud Gerard Piqué, für viele der Totengräber des Davis Cups, im Namen seiner Firma Kosmos zur Vorstellung des neuen Davis Cups ein. Der reformierte Wettbewerb wird mit 18 Teams erstmals vom 18. bis 24. November 2019 in Madrid gespielt – in der Caja Magica, wo auch das Masters-1000-Sandplatzturnier ausgetragen wird. Allerdings wird das Finalturnier auf einem Hartplatz gespielt. Madrid ist auch Ausrichter im Jahr 2020. Gerüchten zufolge soll der Davis Cup danach nach Indian Wells wandern.

So läuft der Davis-Cup-Modus beim Finalturnier

Der Modus im Davis Cup: ziemlich kompliziert und selbst für den Hardcore-Tennisfan schwer zu verstehen. Die 18 Teams werden in sechs Dreiergruppen zusammengetan. Es werden, anders zum bisherigen Davis Cup, nur drei Matches gespielt: zwei Einzel und ein Doppel, jeweils über zwei Gewinnsätze. Die Gruppenphase dauert insgesamt vier Tage. Über die genaue Reihenfolge der Partien gibt es noch keine offiziellen Informationen.

Alle sechs Gruppensieger sowie die zwei besten Guppenzweiten qualifizieren sich für das Viertelfinale. Von Freitag bis Sonntag wird dann im K.o.-Modus der Davis-Cup-Sieger ausgespielt. „Das ist ein Teamevent. Es ist unmöglich, dass alle Topspieler involviert sind. Einige Teams werden sich nicht qualifizieren, nicht jeder wird spielen können. Natürlich würden wir gerne die Topspieler haben, aber wir wollen uns auf die Teams fokussieren“, sagte Piqué bei der Präsentation.

Verlegung in den September nicht geklappt

Ein merkwürdiges Zitat von Piqué: Denn die Reformierung des Davis Cups sollte darauf abzielen, dass wieder mehr Topspieler den Wettbewerb spielen. Doch die Reform könnte dazu führen, dass noch weniger Topspieler antreten. Plötzlich liegt der Fokus wieder auf den Teams, so wie es beim bisherigen Davis Cup stets der Fall war. Piqués Aussagen sind ein klarer Fall von: Ich muss mir die Sache nun schönreden.

Die erste Kröte musste der Fußball-Star vom FC Barcelona bereits schlucken. Die Premierenausgabe des Davis Cups findet im November statt. Piqué hatte mit einer Verlegung in den September geliebäugelt. „Das ist nicht der perfekte Platz. Wir haben mit jedem gesprochen. Wir denken, dass diese Woche die anderen Turniere nicht beeinflusst. Wir denken, es wird eine magische Woche für die Tenniswelt.“

Zverev schließt Davis Cup im November kategorisch aus

Wird es tatsächlich eine magische Woche? Vieles spricht derzeit dafür, dass es für die International Tennis Federation (ITF) um Präsident David Haggerty zum Eigentor wird. Denn die Reform des Davis Cups mit einem Finalturnier über eine gesamte Woche ist nicht gut durchdacht. Der erste Spieltag beginnt einen Tag nach dem Finale der ATP-Finals. Die beiden Finalisten hätten maximal zwei Tage Pause, wenn sie auch das Davis-Cup-Turnier spielen wollen. Alexander Zverev hat bereits mehrfach seine Teilnahme am Davis Cup im November kategorisch ausgeschlossen. „Der Zeitplan ist verrückt“, erklärte Deutschland Nummer eins.

Aber nicht nur für die Topspieler, die nächstes Jahr bei den ATP-Finals spielen, ist der November-Termin schwierig. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass ein Großteil der teilnehmenden Spieler an der Davis-Cup-Finalwoche nicht zu den Top 50 gehören werden. Bedeutet: Für die meisten Spieler endet die nächste ATP-Saison bereits vor dem ATP-Masters-1000-Turnier in Paris-Bercy. Die Spieler hätten eine mehr als dreiwöchige Pause bis zum Davis Cup zu überbrücken. Es ist etwas anderes, wenn man sich länger auf ein Finalspiel im Davis Cup vorbereitet und hinfiebert als auf eine Turnierwoche, bei der man nicht abschätzen kann, ob die Titeljagd bereits nach zwei Gruppenspielen zu Ende ist. Ob sich die meisten Spieler das antun wollen? Wenn es schon keine Weltranglistenpunkte gibt, dann braucht es reichlich Preisgeld um die Spieler zu locken. Nach Aussagen von Kosmos wird beim Davis Cup ein ähnliches Preisgeld wie bei den Grand Slams ausgeschüttet.

Piqué reiste letzte Woche extra nach Shanghai, um bei den Spielern für die Teilnahme am neuen Davis-Cup-Format zu werben. Ob es etwas gebracht hat? Novak Djokovic steht der Reform plötzlich kritisch gegenüber. Der Serbe ist Präsident des Spielerrats der ATP und möchte den ATP World World Team Cup, der 2020 im Januar seine Premiere feiert, und den Davis Cup zusammenlegen. „Das Ziel für uns alle, Spieler und Offizielle, muss sein, dass wir ein Event organisieren. Ehrlich gesagt, finde ich, dass es keinen Platz für zwei große Events gibt. Der World Team Cup und der Davis Cup können nicht gleichzeitig existieren, vor allem, weil die beiden Turniere so ähnlich sind. Es kann zwei, drei Jahre gutgehen, aber früher oder später kann es nur ein Event geben“, sagte Djokovic in Shanghai.

Piqué rechnet fest mit Nadal-Teilnahme am Davis Cup

Piqué verkündete in Madrid voller Stolz, dass Rafael Nadal ihm versichert habe, dass er das Davis-Cup-Turnier im nächsten Jahr unbedingt spielen wolle. „Wenn die Nummer eins der Welt spielt, ist das mehr als genug. Rafa ist sehr positiv gestimmt auf das Event, vor allem weil es in Madrid stattfindet.“ Auch hier muss man kein Prophet sein, um zu erahnen, dass Nadal anders denken würde, wenn der Wettbewerb nicht in seinem Heimatland ausgetragen würde. Die ITF und Kosmos werden viel daran setzen, dass die Premierenausgabe in Madrid nicht zum totalen Flop wird.

Bei aller Kritik muss man dem neuen Format eine faire Chance geben. Denn die Mehrzahl der Verbände wollte diesen radikalen Wandel. Nun müssen sie mit den Konsequenzen leben. Dennoch muss auch die Frage erlaubt sein: Hätten ein paar kleinere Anpassungen am Davis-Cup-Format nicht ausgereicht? (Lesen Sie hier, wie die Davis-Cup-Reform gelingen konnte).

Was jedoch bleiben wird: einen geeigneten Termin finden für die Davis-Cup-Finalwoche, sofern der Turnierkalender bleibt, wie er ist. Alternativen zum November nach den ATP-Finals gibt es so gut wie keine. Die freigewordene Halbfinalwoche im Anschluss an die US Open ist keine wirkliche Option. Auch nicht wenn man den Laver Cup in der Woche nach den US Open spielt und den Davis Cup in der Woche darauf. Die meisten Spieler werden mit Sicherheit nicht zuerst den Laver Cup spielen und direkt im Anschluss den Davis Cup – oder umgekehrt. Die einzige logische Option derzeit: der Davis Cup nimmt den Kalenderplatz vom Laver Cup ein. Und der Laver Cup rutscht in den November in Anschluss an die ATP-Finals. Ein Szenario, das Laver-Cup-Initiator Roger Federer bei seinem Verhältnis zu Gerard Piqué („Der Davis Cup sollte nicht zum Piqué Cup werden“) bestimmt nicht mitmachen würde.


  1. Joseph

    Piqué wäre besser im Fußball-„Geschäft“ geblieben…

    By the way, habe in Zadar das Halbfinale Kroatien-USA live miterlebt und werde daher die alte Davis-Cup-Tradition für immer in meiner Erinnerung behalten! 🙂

    Noch das Finale 2018 in Lille live mitzuerleben wäre ein Traum… 🙂

  2. Rudolf

    Davis-Cup hat sich schon lange erledigt, denn Tennis ist kein Teamsport.
    Wenn die Tenniverbände aus der ITF eine Änderungen wollten, dann werden Sie auch damit leben, das eben die Top-Profis weiterhin nicht mitmischen werden. Egal, dies ist die Chance für den Nachwuchs, der gerne mit finanzieller Unterstützung des Tennisverbandes, an diesem Tennisevent teilnehmen wird. Wer aus Imagegründen als Verband unbedingt in die Davis-Cup-Endrunde will, der muss wie bisher auch die nationale Werbetrommel drehen. Es bleibt alles bei alten, kaum Spieler die wirklich Davis-Cup wollen, Spieltermine stehen im Gegesatz zu der Planung der Pros und keine Weltranglistenpunkte. Für ein weiter so, wird eben, ach wie Neu, einfach nur noch mehr Geld verteilt. Der DTB sollte lieber das Geld nicht mehr für den Davis Cup verplanen sondern in die Vereine stecken, oder einfach das DTB-Meldegeld für Turniere redzieren.


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