Dominic Thiem, Thomas Muster

Dominic Thiem und das Muster-Missverständnis

Die Zusammenarbeit zwischen Dominic Thiem und Thomas Muster ist bereits nach fünf Matches beendet. Das gab der Weltranglistenfünfte nach seinem Einzug ins Achtelfinale bei den Australian Open bekannt. 

Dominic Thiem und Thomas Muster verbindet einiges. Es war der 18-jährige Thiem, dem es 2011 beim ATP-Turnier in Wien vorbehalten war, die großartige Karriere Musters zu beenden – zumindest auf der großen Bühne. Muster wagte im später Alter ein Comeback, scheiterte aber kläglich. In seinem letzten Match bei einem ATP-Turnier siegte Thiem in Wien im Generationenduell gegen den damals 44-Jährigen mit 6:2, 6:3. Die Wachablösung im österreichischen Tennis war endgültig vollzogen. Der König Muster ging, der Prinz Thiem ragte empor.

Mittlerweile ist Thiem nach Muster der zweiterfolgreichste Spieler aus Österreich. Die Ziele des 26-Jährigen sind groß: einen Grand-Slam-Titel gewinnen, vor allem die French Open, und die Nummer eins werden. Genauso, wie Muster beides geschafft hat. Um seine Ziele zu erreichen, entschloss sich Thiem nach einer Probezeit in der Vorbereitung, neben seinem Haupttrainer Nicolas Massu und Vater Wolfgang noch Muster ins Team „Thiem“ zu holen. 20 Wochen im Jahr 2020 sollte der 52-Jährige zur Verfügung stehen.

Dominic Thiem: „Das wird sicherlich eine geile Zeit”

„Ich habe das Gefühl, dass er mir weiterhelfen kann. Und er ist der einzige Österreicher, der einen Grand-Slam-Titel geholt hat. Das ist eines meiner großen Ziele“, sagte Thiem. „Ich hätte das sonst von niemand anderem angenommen, ich hatte einige Angebote in den vergangenen Jahren“, sagte Muster zur Zusammenarbeit. Und Thiem kommentierte freudestrahlend: „Das wird sicherlich eine geile Zeit.“ Doch nach dem Zweitrundenmatch bei den Australian Open war es bereits vorbei mit der „geilen Zeit“ zwischen den beiden österreichischen Tennislegenden.

Als Muster bei Thiems Drittrundenmatch gegen den US-Amerikaner Taylor Fritz nicht in der Box zu sehen war und am Tag zuvor auch beim Training nicht auf dem Platz stand, wurde bereits spekuliert, ob die Zusammenarbeit ein schnelles Ende gefunden hatte. Oder steckte eine Krankheit Musters hinter dem Fehlen? In der Pressekonferenz nach seinem Viersatzsieg gegen Fritz klärte Thiem schließlich auf. „Wir haben unsere Zusammenarbeit beendet. Es hat einfach nicht gepasst“, sagte der Weltranglistenfünfte. „Bevor wir unsere Zusammenarbeit begonnen haben, sagten wir uns, dass wir das sofort beenden, wenn es einfach nicht passt. Wir verstehen uns aber super, es gab da überhaupt kein Problem. Es ging nur um die Arbeit“, sagte Thiem weiter.

Thiem: „Nicht leicht, wenn zwei verschiedene Charaktere aufeinandertreffen”

Beim ATP Cup in Sydney gewann Thiem mit Muster als österreichischem Kapitän auf der Bank nur eines von drei Einzeln. Der Österreicher unterlag Hubert Hurkacz und Borna Coric. Bei den Australian Open mühte sich Thiem mit einem Fünfsatzsieg gegen den Australier Alex Bolt in die dritte Runde. Nachdem Muster und Massu in seiner Box zuvor wegen Coachings verwarnt wurden, richte er sich mit dem Finger vor dem Mund an seine Box. Nach dem Sieg entschloss sich Thiem schließlich dazu, die Zusammenarbeit mit Muster zu beenden. „Tom erzeugte sehr viel Druck auf mich, vor allem beim Coaching in der Box. Der Druck, den ich mir selber mache, ist schon groß genug. Es ist nicht leicht, wenn zwei verschiedene Charaktere aufeinandertreffen. Ich habe dann gesagt, dass es besser ist, dass ich weitermache wie letztes Jahr“, erklärte Thiem. Bedeutet: Massu und sein Vater Wolfgang werden sich um die Trainingsarbeit kümmern.

Dominic Thiem

Die Zusammenarbeit zwischen einem ehemaligen Nummer-eins-Spieler und einem aktuellen Topspieler war ein beliebtes und zumeist auch erfolgreiches Modell in den letzten Jahren: Boris Becker und Novak Djokovic, Stefan Edberg und Roger Federer oder auch Ivan Lendl und Andy Murray. Die sogenannten Super-Coaches waren zeitweise schwer en vogue auf der ATP-Tour. Doch die Liaison zwischen Muster und Thiem entwickelte sich zum Missverständnis. Immerhin hat die Zusammenarbeit zwischen beiden fünf Matches angedauert. Maria Sharapova feuerte Jimmy Connors im August 2013 bereits nach einem Match. Thiem arbeitet weiter an seinem großen Ziel, eine noch bessere Karriere als Muster hinzulegen. Ab sofort aber ohne Muster.


  1. Nrico

    Tja, jeder entwickelt eben seine eigenen Strategien für seine Visionen. Und die Wege muss jeder für sich allein gehen. Ehemalige Nummer eins hin oder her, das wird immer scheitern. Wer große Ziele hat, wird nicht versuchen einen anderen zu „kopieren“, sondern maximal Nützliches für sein eigenes Ziel herauspicken …


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