Alexander Zverev

Verfahren erst im Oktober 2020? – Zverev wohl lange ohne Manager

Vor Beginn des Wimbledon-Turniers hat sich Alexander Zverev präziser über das Fehlen seines Vaters in London und zum aktuellen Stand im Rechtsstreit mit Ex-Manager Patricio Apey geäußert.

„Ich würde mich jetzt lieber nicht um diese Dinge kümmern. Aber was soll ich machen? Einen neuen Manager einstellen? Das kann ich legal gerade gar nicht, weil er (Patricio Apey Anm. d. Red.) versucht, unangenehm zu sein“, sagte Zverev dem englischen Telegraph – angesprochen auf die Lücke, die Apey in Zverevs Team hinterlassen hat.

Die Nummer fünf der Welt habe nach eigenem Bekunden keine Wahl – der 22-Jährige ergänzte: „Was ich jetzt tun werde? Ich werde deswegen nicht mit Tennis aufhören.“ Nach Informationen der Zeitung läuft der Vertrag zwischen Apey und Zverev erst Ende des Jahres 2023 aus. Auch Apey hat das im März schon öffentlich gegenüber tennis MAGAZIN bestätigt.

Im März dieses Jahres hatte Zverev am Rande des ATP-Turniers in Miami exklusiv gegenüber tennis MAGAZIN bekanntgegeben, dass er gegen Apey vor Gericht ziehen werde (Lesen Sie HIER mehr). Zu den Gründen hatte sich der deutsche Davis Cup-Spieler nie geäußert. Gerüchte, nach denen Roger Federer und dessen Manager Tony Godsick Zverev bei Team8 unter Vertrag nehmen wollten, wurden tennis MAGAZIN damals aus verschiedenen Kreisen bestätigt. Federer und Godsick hatten das im März jeweils dementiert – jedoch räumten sie dabei nicht jeden Zweifel glaubwürdig aus.

Zverev und Apey: Um die zehn Millionen für Trennung

Zverev musste in den vergangenen drei Monaten dann erkennen, dass die Trennung von Apey aus bürokratischer Sicht nicht einfach ist. Bisher konnten sich die Parteien außergerichtlich nicht auf eine Vertragsauflösung einigen (Zverev müsste Apey nach tennis MAGAZIN-Informationen mindestens einen hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbeitrag auszahlen).

Die Tageszeitung telegraph hat nun ein weiteres interessantes Detail veröffentlicht.  Demnach sei in Großbritannien, wo das Gerichtsverfahren mit einer Größenordnung von fünf Verhandlungstagen zwischen den Parteien wohl stattfinden müsste, bis in den Oktober 2020 hinein kein Termin mehr verfügbar.

Bedeutet: Einigt sich Zverev mit Apey, der ihn seit dem Jahr 2012 betreut hat, nicht außergerichtlich, muss Zverev seine sportlichen, finanziellen und politischen Belange noch weitere 16 Monate alleine regeln. Bei dem sportlichen Auf und Ab der vergangenen Monate ohne Apey sind das keine allzu rosigen Aussichten. Zumal kein anderer Topspieler auf sich alleine gestellt ist.

Zverev: „Bin erster Topspieler dieser Art“

Über die Zeit beim ATP-Event in Barcelona im April etwa sagte Zverev nun rückblickend: „Ich hatte dort niemandem. Es war okay, ich bin schon ein großer Junge. Ich komme damit klar. Zu dieser Zeit habe ich mich wirklich um alles gekümmert. Ich schätze, da war ich wohl der erste Topspieler dieser Art.“

Tatsächlich unterstützten ihn zwar Physiotherapeut Hugo Gravil und Fitnesstrainer Jez Green vor Ort. Doch dass ein Spieler seiner Größenordnung ohne Manager und Trainer (Vater Alexander Zverev senior fehlte krankheitsbedingt) unterwegs ist, war und ist mehr als ungewöhnlich. „Normalerweise müssen Leute erst an zehn verschiedenen Leuten vorbei, um mit den Topspielern zu sprechen. So war das bei mir auch eine Zeit lang. Jetzt ist das aber anders“, erklärte Zverev den Ist-Zustand in Wimbledon.

Zum Start des Turniers in München kehrte der Papa, Zverevs Langzeitcoach, wieder zurück. Bruder Mischa und Mutter Irina gehören ebenfalls zur wohltuenden Entourage des Weltklassespielers. Zum Auftakt in die Rasensaison in Stuttgart saß gar Olga Sharypova, Zverevs Ex-Freundin, plötzlich wieder in Zverevs Box – ausgerechnet neben Honorarcoach Ivan Lendl.

Lendl als Honorarcoach mit Zverev in Wimbledon

Nichts anderes als ein Honorarcoach ist der ehemalige Weltklassespieler und Trainer von Andy Murray.

Ob Honorar-Details etwas mit dem Fehlen von Papa Zverev ausgerechnet beim prestigeträchtigsten Turnier der Welt zu tun haben, ist nicht klar. Eindeutig ist: Fehlte trotz voriger anders lautender Zverev-Aussagen Lendl bei den French Open wegen anhaltender Allergie-Probleme, fehlt jetzt Alexander Zverev senior in London. Dabei erzielte Zverev seinen größten Erfolg bei den ATP-Finals in London im vergangenen November, als beide vor Ort waren.

Zverev: „Natürlich ist Lendl ein guter Trainer“

Am Wochenende überwachte Lendl alleine die Einheiten des 22-Jährigen, dessen bestes Wimbledonergebnis aus dem Jahr 2017 datiert. Damals verlor Zverev nach 2:1-Satzführung im Achtelfinale gegen Milos Raonic. „Ja, Ivan kann manchmal streng und ,bossy‘ sein. Aber genau das ist sein Job. Natürlich ist er ein guter Trainer“, sagte Zverev der englischen Tageszeitung.

Ein weiteres Mal hob der Deutsche die statistischen Analyse-Qualitäten Lendls hervor. „Das hat mir sehr geholfen. Es ist ein großer Bestandteil meines Spielplans und meiner Vorbereitung geworden. Teilweise hat es auch bei den ATP-Finals sehr geholfen.“

Im Gespräch erklärte Zverev, das Fehlen von Vater Zverev senior habe zwei Gründe. Der Papa müsse sich weiter Ruhephasen gönnen aus gesundheitlichen Gründen. Und zudem bevorzuge er gerade die Zeit in Hamburg. Zverev versicherte im Gespräch ausdrücklich, dass es dem Vater gut gehe und er die Zeit zu Hause gerade sogar genieße.

Zverev: „Mein Vater ist glücklich, nicht in Wimbledon zu sein“

„Er ist glücklich, nicht hier zu sein. Er trifft Freunde, die er lange nicht gesehen hat, er hat Freizeit, kann im Garten arbeiten und kann mal ein normales Leben führen.“ Die deutsche Nummer eins betonte auch, dass sein Vater rund 50 Wochen im Jahr mit ihm reise und das nun schon seit Jahren. Dass er aber ausgerechnet in Wimbledon fehlt, darf die Gesamtsituation betrachtend, dennoch zumindest mal überraschen.

Am Montag trifft Zverev auf Jiri Vesely, den letztjährigen Achtelfinalisten, der sich bereits erfolgreich durch die Qualifikation gespielt hat. Unabhängig von der Begleitung in der Box: Es gibt leichtere Auftakthürden auf Gras.