Andrea Petkovic

Andrea Petkovic: „Ich würde Best-of-five abschaffen”

Andrea Petkovic äußert sich in der Sport Bild über das aktuelle Damentennis, fehlende deutsche Talente und junge Tennisfans.

Andrea Petkovic ist derzeit zum Zuschauen verdammt. Im Februar unterzog sich die 32-jährige Deutsche einer Knieoperation und wartet auf ihren Matcheinsatz im Jahr 2020. Im April will sie wieder auf die WTA-Tour einsteigen. Ihr großer Traum ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio. Doch die Chancen darauf stehen für die Weltranglisten-83. wegen ihrer unfreiwilligen Auszeit derzeit nicht allzu gut.

Im Gespräch mit der Sport Bild nahm sich Petkovic Zeit, um auf die aktuelle Entwicklung auf der Tennis-Tour einzugehen. Die Darmstädterin findet Damentennis momentan weitaus spannender als Herrentennis.  „Auf der Frauen-Tour herrscht Sodom und Gomorrha. Da haben wir eine Serena Williams mit 38, aber auch eine Naomi Osaka, die 22 ist. Bianca Andreescu ist 19, Petra Kvitova 29. Da geht alles drunter und drüber“, erzählt Petkovic in der Sport Bild.

Andrea Petkovic: „Leider kommt das alles mit Verzögerung”

Ein Ausnahmetalent wie die 15-jährige US-Amerikanerin Cori Gauff, die gerade den Einzug in die Top 50 im WTA-Ranking schaffte, ist im deutschen Damentennis nicht in Sicht. „Wir hatten viele Talente, die dann aber wegen Verletzungen oder anderer Probleme weggebrochen sind: Anna-Lena Friedsam, Carina Witthöft und Annika Beck. Die waren wirklich gut. Da dachte ich: Die werden uns locker beerben“, sagt Petkovic. Im aktuellen WTA-Ranking ist keine deutsche Spielerin unter 22 Jahren in den Top 300. „Dazwischen ist eine komplette Generation, die nicht nachgewachsen ist“, meint Petkovic.

Mit den Rasenturnieren im Juni in Berlin und Bad Homburg kommt frischer Wind in die deutsche Turnierszene. „Leider kommt das alles mit Verzögerung: Die Saat, die Angie Kerber, Jule Görges und ich gesät haben, blüht leider jetzt erst auf, wenn wir demnächst aufhören. Aber die zwei neuen Turniere sind eine Riesen-Chance“, sagt Petkovic über die zwei neuen WTA-Turniere in Deutschland.

Andrea Petkovic: „Darüber kann man kein Fernsehen gestalten”

Im deutschen Herrentennis gibt es hingegen mit Alexander Zverev einen Spieler, der in den nächsten Jahren um Grand-Slam-Titel mitspielen dürfte. In diesem Jahr wird es aber noch nicht mit dem großen Wurf klappen, meint Petkovic. „Ich traue ihm eher eine Olympia-Medaille als einen Grand-Slam-Sieg zu. Denn bei Olympia sind es nur zwei Gewinnsätze. Er braucht noch Zeit, um sich an das Best-of-five-Format der Grand Slams zu gewöhnen.“

Matches über drei Gewinnsätze sind „Petko“ ohnehin ein wenig ein Dorn im Auge. Um die junge Generation zu begeistern, brauche es ein Umdenken, sagt die 32-Jährige. „Ich würde Best-of-five abschaffen. Natürlich ist das mega-spannend für die wahren Tennis-Fans und großes Theater. Darüber kann man Bücher schreiben, aber kein Fernsehen gestalten. Du kannst keine Generation, die mit zweiminütigen YouTube-Clips aufwächst, dazu bringen, sich fünf Stunden lange Tennis-Matches anzugucken. Das geht einfach nicht mehr.“