Daniil Medvedev

Daniil Medvedev: 10 Dinge über den Cincinnati-Sieger

Daniil Medvedev ist der Spieler der letzten Wochen mit drei Finalteilnahmen in Folge. Wir stellen den 23-jährigen Russen näher vor.

Finale in Washington, D.C., Finale in Montreal, Turniersieg in Cincinnati: Die letzten drei Wochen waren ein fast perfekter Traumlauf für Daniil Medvedev, der sich mit seinem ersten Titel bei einem ATP-Masters-1000-Turnier in die Top 5 katapultierte. Wir stellen den 23-jährigen Russen näher vor.

1. Meiste Siege 2019

Nicht Djokovic, Nadal oder Federer. Nein, Medvedev hat 2019 bislang die meisten Matches gewonnen, nämlich 44. Das sind drei mehr als Nadal. Der Russe hat diese Saison allerdings bereits auch 19 Turniere bestritten. Insgesamt hat er dieses Jahr 825 Punkte erspielt, die wegen der Ranglistenarithmetik nicht in die Weltrangliste einfließen können. Alleine diese Punkte hätten sogar ausgereicht, um ein Top-75-Spieler zu sein.

2. Mit Professionalität in die Weltspitze

Medvedev krempelte seine Einstellung bezüglich Profitennis um. Seitdem ging es beim Russen in großen Schritten in Richtung Weltspitze. Er änderte seine Gewohnheiten, unter anderem, dass er nicht mehr bis 3 Uhr morgens vor Matches aufblieb. „Ich habe angefangen, mein Leben dem Tennis zu widmen. Ich habe alles unternommen, um im Tennis besser zu werden. Ich bin sehr glücklich, dass es sich ausgezahlt hat, weil das schlimmste Szenario ist, wenn du alles tust und es sich nicht auszahlt“, sagte Medvedev gegenüber der ATP. Einen großen Anteil an seinem Aufstieg hat sein Trainer Gilles Cervara. „Mein Trainer und ich haben eine tolle Verbindung. Er sagt mir nie, dass ich etwas tun sollte. Er sagt: ‚Ich denke, das könnte dir helfen.‘ Und ich beginne, mich dann zu fragen: ‚Ist es wahr, was er sagt? Wird es mir helfen.‘“, sagte Medvedev der ATP. Im August 2018 war der 23-Jährige noch die Nummer 68 der Welt. Nun ist er ein Top-5-Spieler.

3. Unorthodoxer Spielstil

Wenn man Daniil Medvedev spielen sieht, fällt auf, dass seine Spielweise jenseits des Lehrbuchs ist. Der Russe spielt flach mit kaum Spin. Seine Technik wirkt etwas sonderbar – ähnlich wie bei Florian Mayer. „Er hat ein seltsames Spiel. Es ist sehr schluderig, aber es ist sehr gut schluderig. Ich meine das nicht in böser Weise. Es ist sehr unangenehm, gegen ihn zu spielen“, meint Stefanos Tsitsipas, der alle bisherigen vier Duelle gegen Medvedev verloren hat. „Ich stimme komplett zu. Das ist, was ich versuche. Ich möchte, dass die Leute Schläge verhauen, die sie nicht gewohnt sind zu spielen. Ich habe viele Matches gewonnen, weil sie sich nicht daran gewöhnen konnten. Ich versuche, die Schwachstellen meines Gegners zu finden und dann dorthin zu spielen“, sagt Medvedev über sein Spiel. „Ich verstehe nicht immer, was er macht und warum er das macht, aber manchmal musst du ihn einfach lassen“, sagt sein Trainer Gilles Cervara.

4. Er serviert blitzschnell

Medvedev gehört zu der Sorte Schnellspieler. In Cincinnati brauchte er im Achtelfinale gegen Jan-Lennard Struff nur 38 Sekunden für ein Aufschlagspiel – vier Asse in Folge. Dass dies keine Seltenheit ist, bewies er schon zuvor beim Rasenturnier in Stuttgart. Dort brauchte er nur rekordverdächtige 29 Sekunden, um sein Aufschlagspiel durchzubringen.

5. Disput mit Stefanos Tsitsipas

Der auf dem Platz oft stoisch wirkende Medvedev hat auch eine extrovertierte Seite an sich. Ein Wortgefecht lieferte er sich im vergangenen Jahr mit Tsitsipas beim ATP-Masters-1000-Turnier in Miami nach seinem Dreisatzsieg. Als der Grieche nach dem Match abwertende Kommentare gemacht haben soll, sprudelte es aus dem Russen heraus. „Du hältst jetzt besser deinen Mund, okay? Stefanos, willst du mir vielleicht in die Augen sehen und reden? Hast du Probleme?“ Medvedev echauffierte sich darüber, dass Tsitsipas eine nicht regelkonforme Toilettenpause beantragt hätte.

6. Geldstrafen in Wimbledon

Beim Wimbledonturnier 2017 spielte sich Medvedev mit dem Erstrundensieg gegen Stan Wawrinka – sein erster Erfolg gegen einen Top-10-Spieler – erstmals so richtig in den Fokus der Öffentlichkeit. In der zweiten Runde produzierte der Russe schließlich Negativschlagzeilen. Nach der Niederlage in fünf Sätzen warf Medvedev Geld vor den Stuhl der Schiedsrichterin und machte so seinem Ärger über die Unparteiische Luft. Nach der Begegnung zeigte sich Medvedev reumütig. „Ich habe etwas Schlechtes gemacht und mich entschuldigt. Ich war enttäuscht über das Ergebnis. Nach meinem großen Sieg war es sehr frustrierend.“ Für sein Verhalten kassierte er eine Geldstrafe von 14.500 US-Dollar. Beim diesjährigen Wimbledonturnier musste Medvedev eine Geldstrafe von 5.500 US-Dollar bezahlen, nachdem er nach seiner Fünfsatzniederlage gegen David Goffin aus Frust den Rasen beschädigt hatte.

7. Disqualifikation beim Challenger

Die größte Kontroverse um Medvedev gab es 2016 beim ATP-Challenger-Turnier in Savannah, als er wegen angeblicher rassistischer Beleidigung im Match gegen den dunkelhäutigen US-Amerikaner Donald Young disqualifiziert wurde. Der Grund: schwerwiegendes unsportliches Verhalten, als er die Unparteilichkeit der Stuhlschiedsrichterin wegen ihrer Hautfarbe in Frage stellte. Medvedev nahm die Disqualifikation erstaunlich gelassen zur Kenntnis und gab der Schiedsrichterin noch die Hand.

8. Medvedev hasste Roger Federer

Medvedev sprach letztes Jahr beim Turnier in Queen’s offen darüber, dass er in seiner Jugend kein großer Fan von Roger Federer war. „Als ich 10 war, hasste ich Roger Federer. Ich konnte ihn einfach nicht mehr gewinnen sehen. Ich habe von der ersten Runde an für die anderen Spieler gejubelt. Als Barcelona im Fußball alles gewonnen hat, wollte ich, dass sie schlimm verlieren. Nun hat es sich etwas geändert, zumindest im Tennis, weil ich mich mehr auf mich selbst konzentriere. Wenn ich in der ersten Runde verliere, ist es mir egal, ob Nadal, Roger oder Novak die French Open gewinnt. Ich bin einfach nur sauer, dass ich in der ersten Runde verloren habe.“ Medvedevs bisherige Bilanz gegen Federer: zwei klare Niederlagen in Basel im Vorjahr sowie dieses Jahr in Miami und eine knappe Niederlage letztes Jahr in Shanghai.

9. Khachanov und Rublev: gute Freunde

Das russische Herrentennis ist stark im Kommen. Mit Karen Khachanov gibt es einen weiteren Top-10-Spieler aus Russland. Hinzukommt Andrey Rublev, der in Cincinnati gegen Roger Federer gewann. Medvedev ist mit Khachanov und Rublev eng befreundet. Mit dem Trio hat Russland gute Chancen, in Zukunft den Davis Cup zu gewinnen. Im Interview mit tennis MAGAZIN sprach Khachanov über seine Verbindung mit Medvedev. „Wir sind sehr gut befreundet, sie gehören zu meinen besten Freunde auf der Tour. Andrey hat in meinem Tennisclub gespielt, Daniil kenne ich auch schon, seitdem ich zehn Jahre alt bin. Wir haben viele Turnieren in Russland gemeinsam gespielt. Die beiden waren auch auf meiner Hochzeit.“

10. Heirat macht Medvedev trotz Zweifel erfolgreich

Genau wie sein guter Freund Karen Khachanov hat Medvedev früh geheiratet – im September 2018 im Alter von 22 Jahren. Doch der Russe hatte ein wenig Bammel vor der Heirat mit Daria, wie er letztes Jahr beim ATP-Turnier in St. Petersburg erzählte. „Ich dachte, die Ehe macht mich zu einem schlechteren Spieler. Ich hatte Angst, dass ich nach der Hochzeit schlecht spielen würde. Aber dann sind mir im Davis Cup zwei sehr gute Matches gelungen“, sagte Medvedev und ergänzte. „Ich habe Daria den Antrag gemacht, bevor wir nach Amerika nach Washington geflogen sind. Ich hatte ein sehr gutes Steak, wahrscheinlich das beste in meinem Leben. Dann habe ich entschieden, alles gut zu machen.“ Medvedevs Bilanz als verheirateter Mann kann sich sehen lassen: sieben ATP-Finals, drei Titel und Einzug in die Top 5 im ATP-Ranking.

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12.09.18 ❤️💍

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