Am Montag nahm Alexander Zverev zum Auftakt des Paris Masters in Nanterre auf dem Platz die Trophäe für die Nummer 1 der Welt entgegen. Er führt die Weltrangliste erstmals an und ist damit das 30. Mitglied des ATP No. 1 Club. Zur Aufnahme gratulierten ihm Rafael Nadal, Jannik Sinner, Pete Sampras und weitere Spieler aus dem exklusiven Kreis per Videobotschaft.
Für Zverev fühlt sich dieser Pokal anders an als seine Grand-Slam-Titel: Ein Major sei das größte Turnier im Tennis, für Platz eins müsse man dagegen ein ganzes Jahr lang die beste Saison spielen. Besonders seien beide Erfolge auf ihre eigene Weise.
Nadal, selbst 209 Wochen die Nummer 1, sagte: „Ich weiß, wie hart du gearbeitet hast, um deine Träume zu verwirklichen.“ Er freue sich sehr für ihn. Sinner, den der Hamburger an der Spitze ablöste, gratulierte zu einem unglaublichen Jahr und schloss Familie und Team ausdrücklich ein. Am weitesten ging Sampras: Drei Grand-Slam-Endspiele in Folge, zwei Titel und Platz eins zum Saisonende seien „eines der besten Jahre überhaupt“. Er sei von Beginn an ein Fan von Zverev gewesen, der Erfolg sei hochverdient.
Jim Courier erinnerte sich an den Zehnjährigen, der in Florida neben seinem Bruder trainierte und nun ganz oben angekommen sei. Jimmy Connors hob den Sommer mit den Titeln bei den French Open und den US Open hervor. ATP-Chef Andrea Gaudenzi hatte schon nach dem vorzeitigen Gewinn der Jahreswertung im Oktober Zverevs Beharrlichkeit gewürdigt: Seit einem Jahrzehnt gehöre er zu den Besten der Welt. Hier die Glückwünsche im Video.
Nur Newcombe war älter
Mit 29 Jahren und 196 Tagen ist Zverev der zweitälteste Spieler, der erstmals die Nummer 1 wurde. Älter war nur John Newcombe, der 1974 mit 30 Jahren an die Spitze rückte. Zudem ist Zverev nach Boris Becker (1991) erst der zweite deutsche Spitzenreiter der ATP-Weltrangliste und der erste Deutsche, der eine Saison auf Platz eins beendet.
Der Lohn für ein herausragendes Jahr
Die Grundlage legte er mit konstanten Ergebnissen über die gesamte Saison. In Melbourne verlor er das Halbfinale gegen Carlos Alcaraz erst nach 5:27 Stunden, obwohl er im fünften Satz zum Matchgewinn aufgeschlagen hatte. Bei den ersten vier Masters-Turnieren des Jahres erreichte er mindestens das Halbfinale. In Paris folgte im vierten Grand-Slam-Finale der erste Titel, danach das Endspiel in Wimbledon und der Triumph in New York. Bei den Majors steht er 2026 bei 25 Siegen und zwei Niederlagen.
Kritiker verweisen auf die Ausfälle von Sinner und Alcaraz sowie auf Zverevs Bilanz von 3:8 gegen Top-10-Spieler. Trainer Patrick Mouratoglou hält dagegen: Über eine lange Saison gesund zu bleiben, sei eine eigene Fähigkeit.
Der lange Weg seit Paris 2022
Auch deshalb hat dieser Erfolg eine besondere Geschichte. Im Halbfinale der French Open 2022 gegen Nadal war Zverev nur noch einen Sieg von Platz eins entfernt, als er sich schwer am rechten Sprunggelenk verletzte und den Platz im Rollstuhl verließ. Die Saison war damit beendet. Später nannte er diesen Moment den schwersten seiner Karriere.
Es ist eine schöne Ironie der Geschichte: Ausgerechnet in Paris, wo seine Jagd auf Platz eins vor vier Jahren im Rollstuhl endete, hielt er am Montag den Pokal für die Nummer 1 in den Händen. Diesmal allerdings nicht in Roland Garros, sondern in der Halle von Nanterre vor den Toren der Stadt.
Es folgten weitere verlorene Grand-Slam-Endspiele, ehe er in diesem Jahr mit 29 sein Spiel noch einmal umbaute. Yannick Noah, Laver-Cup-Kapitän und selbst nie die Nummer 1, fand es inspirierend, dass Zverev trotz so vieler knapper Niederlagen nie aufgab. Der Weltranglistenerste selbst fasste es in Wien so zusammen: „Manchmal muss man auf die besten Dinge im Leben etwas warten.“
Die Jäger warten schon
Viel Zeit zum Genießen bleibt nicht. Beim Paris Masters startet Zverev als Topgesetzter am Mittwoch gegen Lorenzo Musetti, gegen den er drei von fünf Duellen verloren hat. Danach folgen die ATP Finals in Turin und die Davis-Cup-Endrunde in Bologna. Platz eins zum Jahresende ist ihm bereits sicher, die größere Aufgabe kommt danach: Er will sich auch dann an der Spitze halten, wenn Sinner und Alcaraz wieder voll bei Kräften sind. Alcaraz hat mit dem Titel in Wien gerade erst ein Zeichen gesetzt, und auch Sinner, der seit dem Wimbledon-Finale im Juli pausiert, dürfte im neuen Jahr mit viel Motivation zurückkehren.