Tennis 2026: BNP Paribas Open MAR 12

Zum ersten Mal im Halbfinale von Indian Wells: Alexander Zverev trifft dort auf Jannik Sinner. Bild: IMAGO

Erstes Indian Wells-Halbfinale: Was Zverev nun Sinner und Alcaraz voraus hat

Alexander Zverev steht zum ersten Mal im Halbfinale von Indian Wells und hat damit einen Meilenstein in seiner Karriere erreicht.

Zeverv und Indian Wells – das hat in der Vergangenheit nie so richtig harmoniert. Während der Deutsche bei allen anderen Masters-1000er-Turnieren auf der ATP-Tour schon mindestens einmal bis ins Halbfinale vorstoßen konnte, kam er in der kalifornischen Wüste bislang nicht über das Viertelfinale hinaus (2021 und 2024). Doch in diesem Jahr ist der Knoten geplatzt.

Nach seinem überzeugenden 6:2, 6:3-Sieg im Viertelfinale gegen den 21-jährigen Franzosen Arthur Fils hat Zverev nun zum ersten Mal in seiner Karriere das Halbfinale von Indian Wells erreicht. Er ist damit der erste Spieler seit den „Big Four“, der bei allen neun Masters-1000er-Turnieren mindestens einmal unter den letzten Vier stand – ein Meilenstein in seiner Karriere. „Es ist sehr besonders, einer von fünf Spielern in der Geschichte zu sein, denen das gelingt. Ich bin sehr stolz darauf und es ist toll, das in meiner Karriere erreicht zu haben“, freute sich Zverev.

Zverev steht vor Sinner und Alcaraz

Er hat damit auch seinen aktuellen Rivalen auf der Tour etwas voraus. Carlos Alcaraz, dem Weltranglisten-Ersten, fehlen noch Halbfinalteilnahmen in Shanghai, Kanada (Toronto oder Montreal) sowie Paris-Bercy. Jannik Sinner, auf den Zverev im Halbfinale am Samstag trifft, kann im Mai seine neun vollmachen, wenn er es ins Semifinale von Madrid schafft. Daniil Medvedev und Grigor Dimitrov fehlt in ihren Masters-1000er-Habfinalsammlungen ebenfalls noch Madrid; bei Andrey Rublev ist es Rom.

In Summe hat Zverev nun 24 Masters-1000er-Halbfinals erreicht; insgesamt kommt er auf 80 ATP-Semifinals. Nur zum Vergleich: Medvedev liegt bei 65, Alcaraz bei 47 und Sinner bei 46. Beeindruckende Zahlen, die erneut unterstreichen, mit welcher Konstanz der 28-Jährige auf der ATP-Tour spielt. Seit dem Sommer 2017 steht er in den Top Ten. Nur durch seine schwere Knöchelverletzung 2022 rutschte er mal zwischenzeitlich bis auf Position 27 ab. Er ist nun kurz davor, insgesamt 400 Wochen zu den Top Ten zu gehören.

 So gut wie noch nie in Indian Wells

Weshalb Zverev ausgerechnet in diesem Jahr soweit kam wie noch nie in Indian Wells, ließ sich gut im Viertelfinale gegen Arthur Fils beobachten. Im Gegensatz zu seiner lange angewendeten eher defensiveren Matchführung, bei der er in der Regel weit hinter der Grundlinie stand, hat Zverev inzwischen einen aggressiveren und auch risikoreicheren Game-Style für sich entdeckt. Die Folge: Er geht auf kurze Bälle drauf, versucht zu attackieren und dominant zu sein. Fils konnte nur selten sein Power-Tennis über die Vorhand aufziehen, weil Zverev ihm dafür keinen Raum gab.

Zverev Indian Wells Sinner

Knapp zweiter Meter Unterschied: Die Grafik verdeutlicht die offensivere Ausrichtung von Alexander Zverev beim Turnier in Indian Wells 2026.Bild: Screenshot

Eine ATP-Grafik (s.o.) belegt, dass Zverev gegen Fils im Durchschnitt etwa einen Meter im Feld stand, während er in der Saison 2025 bei allen Masters-1000er-Turnieren auf Hartplatz durchschnittlich knapp einen Meter hinter der Grundlinie agierte. Der Unterschied von fast zwei Metern ist immens und wurde auch in den anderen Matches des Deutschen in Indian Wells sichtbar. Wer wie Zverev im Mittel weiter im Feld steht, kann schneller und besser kurze Bälle des Gegners angreifen, ist zügiger vorne am Netz und kann mit Stoppbällen nicht mehr so leicht ausgespielt werden.

Die neue Angriffslust

Wenn er nun am Samstag auf Jannik Sinner treffen wird, der sich kaum von der Grundlinie zurückdrängen lässt, muss Zverev noch mehr Risiko eingehen, um auch gegen ihn mit der frisch gefundenen Angriffslust durchbrechen zu können. Natürlich wird diese Partie der erste Härtetest für den „neuen Zverev“ sein, der die letzten fünf Matches gegen Sinner verloren hat.

„Es ist immer eine Herausforderung gegen ihn. Er ist einer der besten beiden Spieler der letzten zwei Jahre – er und Carlos haben alle Grand Slams gewonnen“, blickt Zverev voraus. „Die letzten paar Matches waren sehr eng, außer das in Paris-Bercy, wo ich verletzt war“, ergänzt er noch. In Paris-Bercy verlor Zverev 0:6, 1:6; wenige Wochen später bei den ATP-Finals 2025 in Turin unterlag er 4:6, 3:6. Zverev schlug Sinner zuletzt bei den US Open 2023, das ist also schon eine Weile her.

Mit einem abwartenden Spielstil wird er gegen Sinner wenige Chancen haben. Wird Zverev aber so auftreten wie in seinen vorangegangenen Partien und sein Heil in der kontrollierten Offensive suchen, wird er gefährlicher und unangenehmer für Sinner.