Roger Federer, Alexander Zverev – ATP World Tour Finals

Zverev-Gerüchte: Federer? „Bin nicht mehr als ein Spieler bei Team 8“

Nicht erst seit den Miami Open halten sich die Gerüchte um eine künftige Zusammenarbeit von Alexander Zverev und Team 8 – dem Management von Roger Federer. Nach seinem knappen Sieg über Radu Albot fragte tennis MAGAZIN beim Schweizer nach.

Erst am Dienstag hatte Alexander Zverev gegenüber tennis MAGAZIN erklärt, es gebe nun einen offiziellen Rechtsstreit zwischen seinem Team und Patricio Apey – dem langjährigen Manager von Zverev: „Jetzt ist es ja öffentlich. Wir sind vor Gericht gegen meinen alten Manager“ (lesen Sie HIER mehr).

Nähere Details nannte der 21-Jährige nicht. Der Weltranglistendritte sagte aber, dass er noch kein neues Management habe und sich zunächst um andere Dinge kümmern wolle. Er nannte Apey aber bereits seinen alten Manager. Das ließ tief blicken.

Bereits während des ersten Masters des Jahres – in Indian Wells – waren Gerüchte aufgekommen, Zverev und Team 8 (die Agentur von Roger Federer und seinem Manager Tony Godsick) stünden vor einer möglichen Zusammenarbeit.

Im 4.200 Kilometer entfernten Miami steht der 20-fache Grand Slam-Sieger nicht nur sportlich zusehends im Fokus. Aus mehreren Quellen, die nicht zitiert werden wollen, war zu vernehmen, dass Federer wohl viel mehr sei als ein normaler Klient seiner eigenen Agentur und das Geschäft aktiv mitgestalte.

Roger Federer und Radu Albot lieferten sich am Samstag einen großen Kampf.

Auf tennis MAGAZIN-Nachfrage äußerte sich Roger Federer in der Pressekonferenz nach seinem knappen Dreisatzsieg gegen den Moldawier Radu Albot am Samstag erstmals selbst zu dieser Thematik. Zunächst erklärte der Schweizer zwar, dass er dazu keinen Kommentar abgeben möchte. Dann sagte Federer: „Ich weiß, dass Sie denken, ich sei bei Team 8 viel mehr als ein Spieler oder ein Klient. Aber ich konzentriere mich nur auf mein Tennis. Ich hoffe für ihn (Zverev, Anm. d. Red.) aber, dass er diese Dinge klären kann.“

Federer, das ist bekannt, ist gegenüber Medien einer der auskunftsfreudigsten Spieler der Tour. Dass er über ein  Thema nicht sprechen möchte, kommt selten vor. Einer der Gründe für die Wortkargheit könnte der Rechtsstreit sein, in dem sich Zverev aktuell mit Apey befindet. Jede Aussage zu der Thematik könnte ein mögliches Verfahren beeinflussen. Apey selbst hatte sich erst am Freitag in einem Statement gegenüber tennis MAGAZIN zu Wort gemeldet. Demnach habe Zverev noch einen gültigen Vertrag bei der Agentur des Chilenen bis mindestens 2023. tennisnet.com hatte vor zwei Wochen behauptet, der Vertrag ende nach der Saison 2019.

Apey schrieb auch: „Das kam für uns aus heiterem Himmel. Wir sind schockiert, traurig und enttäuscht, dass solche Maßnahmen ergriffen worden sind – vor allem angesichts des hohen Maßes an Unterstützung und Aufmerksamkeit, die wir ihm nicht nur in Form eines erstklassigen Managements seit Beginn unserer geschäftlichen Zusammenarbeit 2012 geboten haben. Wir hätten es vorgezogen, alle Angelegenheiten bezüglich Sascha und seiner Familie privat zu besprechen“ (lesen Sie HIER mehr).

Apey kündigte ebenfalls an, der Klage mit aller Entschiedenheit entgegentreten zu wollen.

Der Kampf der Agenturen

Das Thema Apey, Zverev, Federer brodelt hinter den Kulissen in Miami. Und: Zverev ist offenbar nicht der einzige Spieler, den Team 8 in Zukunft vermarkten will. Öffentlich darüber sprechen, möchten allerdings weder Spieler, Trainer noch Manager. Klar ist: Team 8 um Federer hat viel Macht im Welttennis, was wiederum etablierten Agenturen wie IMG (u.a. Nishikori) und StarWing Sports (u.a. Wawrinka) nicht passt. Sie werfen Federer vor, dass er seine Ausnahmestellung nutze, junge Spieler zum Training einlade und ihnen seine Agentur schmackhaft mache. Allerdings ist daran nichts zu bemängeln, solange sich alle an die Spielregeln halten und nicht „in fremden Gewässern fischen“, wie es einer der „Agents“ formuliert. Anders als etwa im Fußball bei der Fifa und Uefa gibt es auch keine Richtlinien von Seiten des Weltverbandes ITF oder der Spielerorganisation ATP was die Vertragssituation zwischen Spielern und Trainern oder Managern angeht.

Dass Federer mehr als ein normaler Spieler für die Agentur ist, zeigt alleine der Laver Cup. Am vor zwei Jahren neu kreierten Teamwettbewerb hat die Nummer fünf der Welt maßgeblichen Anteil. Ohne ihn als Zugpferd wäre die schnelle Verankerung undenkbar gewesen. Um das zu schaffen, bedarf es vieler Treffen außerhalb des Tennisplatzes, vieler PR-Auftritte und einiger finanzstarker Unterstützer.

Alexander Zverev verlor am Samstag gegen Veteran David Ferrer in drei Sätzen.

Welche Rolle Federer genau spielt, lässt sich nicht gänzlich verifizieren. Federer hat seinen Standpunkt nun öffentlich dargelegt. Zverev, der nach seiner Niederlage gegen David Ferrer nur kurz in der Mixedzone zu sprechen war, möchte bis Ende des Gerichtsverfahrens nichts mehr zu der Thematik sagen.

Schmutzige Scheidung zwischen Zverev und Apey?

Klar aber ist: Wenn einer der interessantesten Spieler der Generation Zukunft auf dem Markt ist, sind die großen Agenturen interessiert. Ein Insider der Branche sagte am Samstag in Miami: „Andere Spieler abzuwerben, wenn sie denn auf dem Markt sind, das ist ein völlig normaler Vorgang. Alle Agenturen probieren das.“ Es sei schlicht ihr Job, dies zu tun. „Mich würde es nicht überraschen, wenn die Sache schon längst entschieden ist.“

Die Frage ist, was genau Zverev seinem Manager Apey vorwirft, ob er tatsächlich „auf dem Markt“ ist oder ob er während das Verfahren läuft, schon längst die Entscheidung über seine Zukunft gefällt hat und es möglicherweise schon einen Vorvertrag mit einem anderen Management gibt. Eines ist jedenfalls zu befürchten: eine schmutzige Scheidung zwischen Zverev und Apey.

Zverev selbst gab an, jetzt rasch nach Monte Carlo fliegen zu wollen. Dort gilt es, die durch die Wehwechen und den Virus in der letzten Zeit verpassten Trainingseinheiten aufzuholen. Er freue sich auf die Sandplatzsaison. Erstes Ziel: Das Masters Turnier in Monte Carlo. Danach steht laut seinem Turnierkalender das Heimspiel in München an. „Eventuell will ich dazwischen noch ein weiteres Turnier einstreuen, aber das muss ich mir noch überlegen.“

Über seine Zukunft außerhalb der weißen Linien wird er sich auch Gedanken machen.