Tennis 2026: Australian Open Day 1: Zverev 6-7 (1-7) 6-1 6-4 6-2 Diallo

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Zverev und die Suche nach dem heiligen Gral

Alexander Zverev ist mit einem Erstrundensieg bei den Australian Open ins Grand Slam-Jahr gestartet. Wie immer geht es für den Deutschen nicht darum, dabei zu sein. Er möchte endlich seinen ersten Major-Titel holen.

Am Samstag vor dem Turnier saß Novak Djokovic in den Katakomben des Media Headquarters, wie das imposante, achtstöckige Gebäude in Steinwurfweite von der Rod Laver Arena heißt. Djokovic sprach über seine Form (alles gut, keine Verletzungen), den nächsten Versuch, seinen 25. Grand Slam-Titel zu gewinnen und – klar  – er erwähnte die beiden Namen, die über allen Grand Slam-Turnieren schweben wie der heilige Geist – Carlos Alcaraz und Jannik Sinner.

Djokovic sagt, das augenblicklich niemand in den Sphären des Spaniers und des Italieners unterwegs sei. Aber, so der an Nummer vier Gesetzte, es gebe immer eine Chance. Es klang wie: ‚Du hast keine Chance, also nutze sie‘.

Ein bisschen sieht so auch die Situation von Alexander Zverev aus, auch wenn er zehn Jahre jünger als der Serbe ist. Andererseits: Zverev wird dieses Jahr 29. Auch ihm läuft die Zeit davon. Und so ist es zu Beginn seiner Grand Slam-Kampagne 2026 so wie die letzten Male, als es um Grand Slam-Weihen ging. Zverev sucht diesen heiligen Gral und die Uhr tickt.

Die Uhr tickt

Vor exakt zehn Jahren startete die Nummer drei der Welt zum ersten Mal im Hauptfeld der Australian Open. Inzwischen hat er 153 Matches in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York gespielt. Match Nummer 153 war das am Sonntag, dem ersten Turniertag, gegen den Kanadier Gabriel Diallo. Es war ein Los, das man in der ersten Runde nicht gerne haben möchte. Diallo, 24 Jahre alt, ist 2.03 Meter groß, schlägt tierisch gut auf. Bewegt sich für seine Größe erstaunlich flink. Knallt seine Grundschläge ins gegnerische Feld und volliert überragend.

Die Geschichte des Matches ist schnell erzählt. Diallo gewinnt den ersten Satz im Tiebreak. Zverev sagt hinterher, dass er nicht viel schlechter spielen kann. Was einerseits stimmt, weil Aufschlag, Vorhand, Netzspiel und Körpersprache schwach waren. Andererseits: Diallo war richtig gut.

Was große Spieler auszeichnet – und Zverev ist logischerweise einer: Sie finden einen Weg. Der Deutsche spielte von da an viel stärker und gewann die nächsten Sätze 6:1, 6:4, 6:2. Beunruhigt sei er nach dem Verlust des ersten Satzes nicht. Er habe 800 Matches auf der Tour gespielt. Anders formuliert: Der Mann hat Erfahrung. Kurzer Faktencheck: Es war exakt sein 746stes Match.

Trainingssession mit Carlos Alcaraz

Mit viel Spielpraxis kam er nicht nach Melbourne. Beim United Cup in Sydney verlor er gegen Hubert Hurkacz, was überraschte, weil der Pole nach einer Knieoperation ein halbes Jahr ausfiel. Das war’s. Die Idee, noch einige Matches unter leichten Wettkampfbedingungen im 30 Autominuten entfernten Kooyong, früher ehrwürdige Stätte der Australian Open, zu spielen, verwarf Zverev. Der Grund: Er trainierte hart mit Alcaraz, die beiden mögen sich. Ein Beobachter: „Die beiden haben es sich über 3,5 Stunden richtig gegeben.“

Erst am Mittwoch spielt Zverev sein nächstes Match, weil sich die ersten Runde der Grand Slam-Turniere (außer Wimbledon) wie Kaugummi ziehen. Der Gegner: Alexei Popyrin oder Alexandre Muller. Was er denn jetzt die ganze Zeit mache, fragte ihn Andrea Petkovic beim On-Court-Interview. Zverev überlegte kurz und sagte dann: „Vielleicht gehe ich ins Casino.“ Das habe auch sein Bruder gemacht und eine Menge Geld gewonnen.

Alexander Zverevs Jackpot wäre der Grand Slam-Titel.