TENNIS: Canadian Open Montreal 2026

Nahm kein Blatt vor den Mund: Tallon Griekspoor richtete deutliche Worte in Richtung von Alexander Zverev. Bild: IMAGO

„Ich kann bei Zverev kaum zuschauen“ – Griekspoor teilt gegen US Open-Sieger aus

Tallon Griekspoor kehrt nach fast zwei Jahren ins niederländische Davis-Cup-Team zurück – und fällt mit einer scharfen Kritik an Alexander Zverev auf.

Die Niederlande treffen an diesem Davis Cup-Wochenende in ’s-Hertogenbosch auf Kolumbien. In dem Play Off-Match geht es darum, sich für die Qualifier-Runde 2027 zu qualifizieren. Für die Niederländer, die zu Beginn des Jahres sensationell in Indien verloren hatten, ist diese Partie wichtig. Es gab eine Menge Stress im Team, nun droht der Abstieg in die zweite Weltgruppe.

Umso wichtiger ist es für die Gastgeber, dass Tallon Griekspoor zurück im Nationalteam ist – nach fast zwei Jahren Abwesenheit und einem heftigen öffentlichen Streit mit seinem Landsmann Jesper de Jong. Über sein eigenes Comeback verlor der 30-Jährige aus Haarlem aber kaum ein Wort im Vorfeld der Partie. Stattdessen kritisierte er erstaunlich offen seinen Profikollegen Alexander Zverev.

Griekspoor: „US Open-Finale war mittelmäßig“

Wie die niederländische Tageszeitung De Telegraaf berichtete, ordnete Griekspoor zunächst das US Open-Endspiel ein, in dem Alexander Zverev gegen Ben Shelton mit 6:3, 7:6, 5:7, 6:2 gewann und seinen zweiten Grand-Slam-Titel des Jahres eingesammelt hatte. Überrascht habe ihn das Ergebnis nicht: „Das habe ich gegen Shelton erwartet. Die Bilanz zwischen den beiden sprach ja schon deutlich für Zverev.“

Vom Niveau der Partie war der Niederländer wenig angetan. „Ich fand das Match ziemlich mittelmäßig. Shelton hat sehr wechselhaft gespielt und pro Aufschlagspiel zwei, drei Punkte verschenkt. Man hat gesehen, was ein erstes Grand-Slam-Finale mit einem Spieler machen kann.“ Auch dem frisch gekrönten Champion ließ er kein uneingeschränktes Kompliment: „Zverev war nicht außergewöhnlich, hat aber wirklich sehr gut aufgeschlagen. Der Tiebreak im zweiten Satz war entscheidend.“

Zverev gegen Griekspoor: brisante Rivalität

Griekspoor gab offen zu, sich das Finale nur in Ausschnitten angesehen zu haben. „Es liefen noch andere Sportereignisse, und ich kann bei Zverev kaum zuschauen.“ Vor allem an einem Ritual des Deutschen stört er sich: „Gerade bei diesem Turnier hat er den Ball wohl 400 Mal aufspringen lassen, bevor er aufgeschlagen hat. Das war schon sehr extrem, aber es hat ihm offenbar geholfen. Vielleicht sollte ich das auch mal machen.“

Was als Scherz gemeint war, offenbart aber auch das eher angespannte Verhältnis zwischen Griekspoor und Zverev. Zwölfmal  standen sich die beiden bislang gegenüber, neun Mal ging der Deutsche als Sieger vom Platz. 2024 verspielte der Niederländer bei den French Open einen Doppelbreak im fünften Satz – eine Niederlage, die er selbst als „absolut herzzerreißend“ bezeichnete.

Griekspoor Zverev

Trafen schon zwölfmal aufeinander: Zverev gewann neun Partien, Griekspoort drei.Bild: IMAGO

Ein Jahr später stand er bei genau diesem Turnier erstmals überhaupt in der Runde der letzten 16 eines Grand-Slam-Turniers, wieder mit Zverev als Gegner – und musste im zweiten Satz mit einer Bandage am Bauch aufgeben. Anfang 2026, beim United Cup in Sydney, unterlag er zum Jahresauftakt deutlich mit 5:7, 0:6.

Im August 2026 gelang Griekspoor in der zweiten Runde des Masters-Turniers von Montreal dann aber ein großer Coup, als er Zverev mit mit 6:7, 6:2, 6:4 nach Rotterdam 2023 und Indian Wells 2025 zum dritten Mal schlug. „Das ist ein sehr spezieller Sieg“, sagte Griekspoor nach dem Match. „Ich habe dieses Jahr ehrlich gesagt schon ein paar Mal fast das Handtuch geworfen.“ Der Niederländer spielt 2026 eine äußerst wechselhafte Saison, hatte mit Verletzungen zu kämpfen und steht aktuell nur noch auf Position 55 im ATP-Ranking.

Kein Lob für Ben Shelton

Mit seiner Kritik an Alexander Zverev war er aber noch nicht fertigt. Auf die Frage, ob der Deutsche Jannik Sinner bald von der Spitze der Weltrangliste verdrängen könne, antwortete Griekspoor: „Absolut nicht. Da ist kein Haar auf meinem Kopf, das so etwas denkt.“ Er hoffe, dass Sinner und Alcaraz bald richtig fit werden – warnte aber gleichzeitig vor Zverevs Beständigkeit: „Wenn die beiden während eines Turniers ausfallen sollten, ist Zverev immer derjenige, der bereitsteht. Es würde mich überhaupt nicht überraschen, wenn er seine Karriere mit vier oder fünf Grand-Slam-Titeln beendet.“

Auch für den Finalisten Shelton hatte Griekspoor wenig übrig. Das Viertelfinale gegen Carlos Alcaraz hätte der US-Profi nicht gewinnen dürfen. „Alcaraz hätte ihn im Viertelfinale schlagen müssen, hat aber im fünften Satz einen katastrophalen Tiebreak gespielt“, urteilte Griekspoor. „Danach ist Alcaraz lächelnd vom Platz gegangen. Ich hatte den Eindruck, dass das zeigt, welche Erwartungen er hatte. Er war nicht in Bestform zum Turnier gekommen. Ich glaube, er und sein Team waren damit schon zufrieden.“

Keine gute Saison für Griekspoor

Der Kontext hinter all den Sprüchen: 2026 ist für Griekspoor selbst ein Jahr der Extreme. Im Februar erreichte er in Dubai das Endspiel, nachdem er zuvor Bublik, Mensik und Rublev geschlagen hatte. Im Halbfinale verletzte er sich aber am Oberschenkel, so dass er zum Endspiel gegen Daniil Medvedev nicht antreten konnte. Es folgten Zwangspausen in Indian Wells und Miami, dann eine zähe Sandplatzsaison mit Erstrundenniederlagen in Marrakesch, Monte Carlo und München und einem zerschmetterten Schläger in Rom.

Auch Rasen- und Sommer-Hartplatzsaison verliefen zäh, mit frühen Niederlagen in Halle, Wimbledon und Washington. Bei den US Open gewann Griekspoor gegen den späteren Finalisten Shelton noch den ersten Satz 6:1 – und schied trotzdem in Runde eins aus. Inzwischen ist der Niederländer, der mittlerweile vom 62-jährigen Schweden Thomas Högstedt traineirt wird, aus den Top 50 gerutscht.

Mittlerweile ist seine Kritik an Zverev und Shelton auf Social Media zu einem größeren Thema geworden. Und Griekspoor sah sich dazu veranlasst, mit einem Kommentar auf X  die Debatte und seine Tonalität etwas zu entschärfen: „Normalerweise reagiere ich hier nicht, aber das geht aus dem Ruder. Ich habe nur gesagt, es war schwer anzuschauen, weil er (Alexander Zverev, Anm. d. Red.) den Ball so oft auftippte. Nichts als Lob für Sascha für das, was er in diesem Jahr geleistet hat!“