Zum ersten Mal seit 2011 spielt Novak Djokovic wieder bei den Swiss Indoors in Basel – und hat die erste Hürde genommen. Vor seinem Auftakt sprach der 24-fache Grand-Slam-Sieger auf der Pressekonferenz in Basel über seine Liebe zum Hallentennis, den Abschied von Stan Wawrinka, seinen Hunger auf einen weiteren Major-Titel und die Wahl in seiner Heimat Serbien.
Leicht machte es ihm Ugo Humbert am Mittwoch nicht. Djokovic verlor den ersten Satz, drehte die Partie dann aber noch und gewann mit 4:6, 6:3, 6:4. „Es war ein superenges Match, sehr intensiv von Beginn an“, sagte er danach. In der zweiten Runde wartet nun Jan-Lennard Struff. Für Djokovic geht es in Basel auch um wichtige Punkte: Im Race to Turin liegt er derzeit auf Rang elf und kämpft um die Qualifikation für die ATP Finals.
2009 gewann Djokovic als 22-Jähriger den Titel in Basel – im Finale schlug er ausgerechnet Lokalmatador Roger Federer, der zuvor dreimal in Folge triumphiert hatte, mit 6:4, 4:6, 6:2. Ein Jahr später revanchierte sich Federer im Endspiel, 2011 war für Djokovic im Halbfinale gegen Kei Nishikori Schluss. Seitdem hatte er nicht mehr in Basel gespielt. Eigentlich stand das Turnier in diesem Jahr gar nicht auf seinem Plan.
Nach China habe sich im Kalender etwas verschoben, und er habe sich kurzfristig für die Woche vor Paris entschieden. Der Grund liegt auch in seinem Körper: Nach gesundheitlichen Problemen in den vergangenen Jahren sei Spielen in extremer Hitze „nicht mehr wirklich mein Lieblingsding“. In der Halle habe er mehr Energie. „Ich habe immer gern in der Halle gespielt“, sagte Djokovic.
Auch der Schweiz zollt er Respekt. Federer, Wawrinka und Martina Hingis hätten das Land „zu einem der wichtigsten Länder auf der Landkarte der Tenniswelt“ gemacht. „Es ist großartig, in einem Land zu sein, das Tennis wirklich liebt.“
„Das Tennis wird ihn definitiv vermissen“
Besonders herzlich wurde Djokovic, als es um Stan Wawrinka ging, der sich in dieser Woche in Basel von der Tour verabschiedet hat. „Alle reden über mein Alter – aber was ist mit seinem? Er ist zwei Jahre älter“, scherzte der Serbe. Am meisten beeindruckt habe ihn Wawrinkas Weg in den letzten Jahren seiner Karriere: Als dreifacher Grand-Slam-Champion, Olympiasieger und Davis-Cup-Gewinner sei er auf der Challenger-Tour angetreten, um sich seine Ranglistenposition zurückzuerkämpfen. „Das zeigt die Demut, den Kampfgeist und die Liebe zum Tennis, die er hat.“ Seine einhändige Rückhand sei „eine der größten, die diese Welt je gesehen hat“.
Bei der großen Abschiedszeremonie für Wawrinka am Montagabend in der St. Jakobshalle war Djokovic nicht persönlich dabei, sondern meldete sich, wie Roger Federer und Andy Murray, per Videobotschaft. Für Wawrinkas letztes Match am Dienstag hatte er bei Turnierpräsident Roger Brennwald eigens um einen Platz in der Halle gebeten, um ihm, wie er sagte, „Respekt zu erweisen für das, was er erreicht hat“. Wawrinka verlor gegen Jiri Lehecka mit 5:7, 6:7 und beendete damit seine Karriere. Hier lesen!
Djokovic: Grand Slams bleiben der Antrieb
Sein wichtigstes Ziel der vergangenen zwölf Monate sei gewesen, sich auf dem Platz wieder besser zu fühlen. „Wenn ich mich besser fühle, weiß ich, dass ich besser spiele.“ Mit dem Finale bei den Australian Open, dem Halbfinale in Wimbledon und dem Titel in Peking vor wenigen Wochen habe er gezeigt, dass er noch auf höchstem Niveau mithalten könne. „Manche würden sagen, für meine Ansprüche nicht genug. Aber ich muss mir auch bewusst sein, wo ich in meiner Karriere stehe.“
Aufhören ist kein Thema. „Ich kämpfe um einen weiteren Grand-Slam-Titel“, stellte Djokovic klar. Seinen Turnierkalender hat er bewusst reduziert, um mehr Zeit mit seiner Frau und den Kindern zu verbringen. Den Jüngeren will er es trotzdem nicht leicht machen: „Wenn mich jemand schlägt – gut gemacht. Aber ich werde diesen Youngsters keinen leichten Spaziergang auf dem Platz gönnen. Sie müssen sich ihre Siege verdienen.“
Federer: Respekt statt Freundschaft
Zweimal stand Djokovic in Basel Roger Federer gegenüber, 2009 und 2010 jeweils im Finale. Ihr Verhältnis sei „fast immer streng professionell“ gewesen, sagte er offen. „Wir hatten nie eine Beziehung abseits des Platzes. Wir waren immer Rivalen.“ Seine Bewunderung sei dennoch groß: Federer habe so viel für den Sport getan und „den Weg für uns jüngere Spieler geebnet“. Zur Aufnahme in die Hall of Fame gratulierte er: „Wenn es jemand verdient hat, dann er.“
Djokovic: Klare Worte zur Wahl in Serbien
Auch zur Parlamentswahl in Serbien wurde Djokovic befragt. Dort hatte am 25. Oktober ein von der Studentenbewegung getragenes Bündnis die absolute Mehrheit geholt. Djokovic zeigte sich „sehr zufrieden“ und sprach den Studierenden und jungen Menschen seinen „tiefsten Respekt“ aus. Sie hätten in den vergangenen zwei Jahren „unter enormem Druck Würde und unglaubliche Widerstandskraft“ gezeigt. Auf Serbisch ergänzte er, er könne sich nicht erinnern, dass es je so viel Begeisterung für eine Wahl gegeben habe. Weiter ins Detail wollte er nicht gehen: „Ich beschäftige mich derzeit mit Sport.“